Krieg in der UkraineZur Erstaufnahme in die Turnhalle

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Seit März diesen Jahres ist die Gilchinger Turnhalle zur Flüchtlingsunterkunft geworden.
Seit März diesen Jahres ist die Gilchinger Turnhalle zur Flüchtlingsunterkunft geworden. Nila Thiel

In dem Gebäude in Gilching sollen die Ankommenden aus der Ukraine registriert, ärztlich untersucht und erst einmal aufgenommen werden, ehe das Landratsamt sie in weitere Unterkünfte vermittelt. An diesem Donnerstag soll es losgehen.

Von Sabine Bader , Gilching

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Geschäftiges Treiben vor und in der Turnhalle an der Gilchinger Rathausstraße: Material wird angeliefert, aufgebaut und geschleppt. Denn das Turnhallengebäude wird in diesen Tagen zu einer Erstaufnahme-Einrichtung für Geflüchtete aus der Ukraine umgebaut. Die Helfer des THW, BRK, der Caritas, der örtlichen Feuerwehren sowie Mitarbeiter von Fachfirmen sind schwer beschäftigt, verlegen PVC-Boden, stellen Feldbetten und provisorische Trennwände auf. Bis zu 70 Freiwillige sind an diesen Tagen im Einsatz. Gilchings Bürgermeister Manfred Walter hatte dem Landkreis die Turnhalle als erste Anlaufstelle zur Verfügung gestellt. In der Halle sollen die Ankommenden verpflegt, registriert und ärztlich versorgt werden, ehe sie, so der Plan, nach rund 48 Stunden in andere Unterkünfte umziehen. In der Halle können rund 200 Personen übernachten.

An die 360 Geflüchtete hat der Landkreis bereits aufgenommen. Ein Teil von ihnen ist in Privatunterkünften oder bei Freunden und Verwandten untergekommen, die anderen haben erst mal in der Jugendherberge Possenhofen und im Mehrgenerationenhaus des BRK in Gauting Quartier bezogen.

Die neue Erstaufnahme-Einrichtung soll nach den Plänen des Landratsamts von diesem Donnerstag, 17. März, an ihren Betrieb aufnehmen. Landrat Stefan Frey nennt es eine Art "Bearbeitungsstraße", die man hier aufbaue. Das läuft dann so ab: Die Menschen werden erstversorgt, dann müssen ihre Namen und Daten aufgenommen und diese im Landratsamt hinterlegt werden, damit die Geflohenen einen sogenannten "Aufenthaltstitel" erhalten.

Danach folgt die ärztliche Untersuchung. Dazu gehört bei allen Personen, die älter als 15 Jahre sind, eine Röntgenuntersuchung, um TBC auszuschließen. Bei den neun- bis 15-Jährigen genügt eine Blutuntersuchung. Die Landkreisspitze hat einen Aufruf an alle Ärzte im Fünfseenland gestartet - sowohl die aktiven als auch diejenigen, die bereits in Pension sind. In den 48 Stunden, die die Menschen in der Einrichtung bleiben, soll ihnen, so plant man derzeit zumindest im Landratsamt, ein Nachfolgequartier vermittelt werden.

Die Rathausturnhalle in Gilching wurde Mitte März als erstes hergerichtet.
Die Rathausturnhalle in Gilching wurde Mitte März als erstes hergerichtet. Nila Thiel

Nach Rücksprache mit Regierungsvertretern rechnet Frey in den kommenden Wochen mit folgendem Szenario: Man geht derzeit davon aus, dass bayernweit rund 100 000 Kriegsflüchtlinge verteilt werden müssen. "Wir als Landkreis müssen demnach ungefähr 1000 Menschen unterbringen. Wir stellen uns mal auf das Maximum ein." Darum versuche man derzeit alle verfügbaren Unterkünfte zu akquirieren. Dazu zählten auch Pensionen und Hotels sowie leer stehende Verwaltungsgebäude. Auch die Klinik in Feldafing habe man sich angesehen. Aber etliche der Objekte müssen erst aufwendig "ertüchtigt", sprich auf Vordermann gebracht, werden, so Frey. "Dauert dies ein halbes oder dreiviertel Jahr, so scheidet es für uns aus. Wir brauchen jetzt, relativ schnell und mit wenig Aufwand herzurichtende Liegenschaften." Das ehemalige Verwaltungsgebäude von AOA in Gauting sei eine solche Immobilie. "Das haben wir jetzt in Auftrag gegeben." Bis zu 120 Menschen können darin Platz finden. Bei größeren Einrichtungen gehört neben Sanitärräumen und Schlaf- sowie Verpflegungsmöglichkeiten auch ein 24-Stunden-Wachdienst hinzu. Auch an Ansprechpartner und Dolmetscher müsse gedacht werden. Der Landkreis sucht laut Frey aber auch kleinere Anlagen mit um die 20 Wohnplätze. Diese könnten die Geflohenen dann unkompliziert selbst anmieten - ohne die Regierung von Oberbayern. Auch das Kloster Andechs habe sich übrigens gemeldet. Kommt ein Objekt in die engere Wahl, wird von einem Mitarbeiter des Bauamtes geprüft, ob der Brandschutz gewährleistet ist. Sei dies der Fall, könne man auch schon loslegen.

Eine örtliche Bodenlegefirma, die am Wochenende in der Halle arbeitete, hat sich übrigens dazu entschlossen, ihre Arbeitsleistung - sieben Mann, zwei Tage - als Solidaritätsbeitrag zu spenden. "Das ist mega", findet Rathauschef Walter.

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