Besonderer Bau im GewerbegebietKrailling bekommt ein Krematorium

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Ein Sarg auf dem Weg zur Einäscherung: Der Anteil der Feuerbestattungen nimmt zu. In Krailling soll das erste Krematorium im Landkreis Starnberg entstehen.
Ein Sarg auf dem Weg zur Einäscherung: Der Anteil der Feuerbestattungen nimmt zu. In Krailling soll das erste Krematorium im Landkreis Starnberg entstehen. (Foto: Thomas Frey/dpa)

Das Starnberger Bestattungsunternehmen Zirngibl plant zusammen mit der Berliner Ahorn-Gruppe den Bau einer Einäscherungsanlage am Rand des Gewerbegebiets. Die Kosten werden auf zehn Millionen Euro beziffert.

Von Michael Berzl, Krailling

Wenn sich Angehörige für einen Verstorbenen eine Einäscherung wünschen, bedeutet das für den Starnberger Bestatter Valentin Zirngibl lange Wege. Er arbeitet bisher mit dem Krematorium im Süden von Eggenfelden zusammen; das sind etwa 150 Kilometer einfach, knapp zwei Stunden ist man da mindestens unterwegs. „Das ist schon eine große Strecke, ein riesiger Aufwand“, sagte der Geschäftsführer am Mittwoch im Kraillinger Rathaus. Diesen Aufwand kann er sich bald sparen. Zusammen mit der Ahorn-Gruppe in Berlin plant er den Bau eines Krematoriums im Kraillinger Gewerbegebiet. In zwei Jahren soll es in Betrieb gehen.

Die Firma Zirngibl mit Hauptsitz in Starnberg und sieben Filialen im Fünfseenland sowie in Geretsried, Wolfratshausen und Weilheim arbeitet bei dem Zehn-Millionen-Projekt in einem Joint Venture mit der Ahorn-Gruppe zusammen. Wie Tobias Zimmermann, Vorstand für Unternehmensentwicklung und Finanzen im bundesweiten Bestatterverbund, erklärte, gehört dazu die in Bayern vertretene Trauerhilfe Denk mit mehr als 100 Geschäftsstellen oder Betrieben. Für das Bauvorhaben in Krailling haben sie die Novum 1 Projekt GmbH gegründet, Zimmermann firmiert dort als Geschäftsführer, Zirngibl als Gesellschafter.

Das Krematorium soll auf einem etwa 3000 Quadratmeter großen Grundstück auf dem ehemaligen Sportplatzgelände im Westen der „Kraillinger Innovationsmeile“ (Kim) entstehen. Der Gemeinderat habe das Vorhaben mehrheitlich gebilligt, berichtete Bürgermeister Rudolph Haux (FDP) und erinnerte an die Vorgeschichte: Vor Jahren wollte der in dem Gewerbegebiet angesiedelte 3-D-Druck-Spezialist Eos dort erweitern und hatte den Grund schon gekauft, doch diese Pläne hatten sich zerschlagen, und die Gemeinde hat sich erneut auf die Suche nach einem Käufer gemacht.

Am Mittwochvormittag sei das Grundstück formal übernommen worden, sagte Ahorn-Vorstand Zimmermann. Sein Unternehmen habe sich bewusst für den Standort im Kim entschieden, da er „ideale Voraussetzungen bietet“. Dazu zählen nach seinen Worten kurze Anfahrtswege, die nicht durch ein Wohngebiet führen.

Bis jetzt befinden sich von Starnberg aus gesehen die nächsten Krematorien in Augsburg und am Ostfriedhof in München. Gerade bei der Einrichtung der Landeshauptstadt könne es aber zu längeren Wartezeiten kommen, weiß Zirngibl. Das würde er Hinterbliebenen gerne ersparen und Angehörigen einen zeitnahen Abschied von einem Verstorbenen ermöglichen. Die Kapazität in Krailling soll für bis zu 40 Einäscherungen pro Tag ausreichen. Einen großen Teil werde wohl die Trauerhilfe Denk in Anspruch nehmen.

Im Rathaus in Krailling stellen Tobias Zimmermann (Finanzvorstand der Ahorn-Gruppe), Bürgermeister Rudolph Haux und Bestatter Valentin Zirngibl (von links) die Pläne für ein Krematorium im Gewerbegebiet vor.
Im Rathaus in Krailling stellen Tobias Zimmermann (Finanzvorstand der Ahorn-Gruppe), Bürgermeister Rudolph Haux und Bestatter Valentin Zirngibl (von links) die Pläne für ein Krematorium im Gewerbegebiet vor. (Foto: MIchael Berzl)

Nach außen werde der Zweck des Neubaus am Rand des Gewerbegebiets kaum erkennbar sein, versicherte der Techniker und Baukoordinator Danny Heinrich. Es gebe zwar Schornsteine, Rauch werde aber nicht zu sehen sein. Die Abluft werde gereinigt und gekühlt. Gesetzliche Vorgaben würden unterschritten: „Wir sind besser als wir müssten.“

Mit dem Neubau reagieren die Bestatter auch auf einen landesweiten Trend, denn der Anteil der Feuerbestattungen nimmt seit Jahren zu und lag laut einer Mitteilung in Bayern schon vor zwei Jahren bei 77 Prozent. Ein Krematorium im Landkreis Starnberg ist wohl schon lange im Gespräch. „Das Thema hat bereits meinen Großvater vor 30 Jahren beschäftigt“, sagte Zirngibl.

Der Bestatter spricht von Rücksicht auf die Bevölkerung

In einem Antrag, den der Bauausschuss am Dienstag ebenfalls mehrheitlich gebilligt hat, ist von einem „Gewerbeobjekt“ die Rede, aber natürlich ist ein Krematorium nicht irgendein Gewerbebau. Auch das wurde im Pressegespräch am Tag nach der Abstimmung deutlich. So berichtete Bestatter Zirngibl, dass die Särge mit den Verstorbenen „ganz bewusst“ in neutralen Fahrzeugen gebracht würden, denen ihr Verwendungszweck nicht anzusehen sei.

„Wenn Sie davor stehen, werden Sie nicht erkennen, dass es ein Bestattungswagen ist“, sagte Zirngibl. Er sprach von „Diskretion und Rücksicht auf die Bevölkerung.“ Und so spielt auch der Standort weit außerhalb eines Ortes am Rand eines Gewerbegebiets eine Rolle, der zu erreichen ist, ohne ein Wohngebiet zu durchqueren. Allein der Gedanke, dass mehrmals täglich Fahrzeuge mit Toten vorbeikommen, mag manchem unangenehm sein.

Auch Ahorn-Vorstand Zimmermann ist sensibel für diese Thematik. Er sagte aber auch: „Wir stehen für Offenheit beim Thema Endlichkeit.“ Im neuen Kraillinger Krematorium wolle er einen Tag der offenen Tür anbieten.

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