Rasanter hätte er kaum sein können, der Ritt durch die elf Tagesordnungspunkte umfassende Sitzung des Starnberger Kreistags am Montag, bei der auch der Haushalt für 2021 auf den Weg gebracht wurde. Ein Haushalt, der Wegbereiter sein wird für Großinvestitionen in Schulen und Kliniken, aber auch für eine Verschuldung, die in den kommenden vier Jahren auf 200 Millionen Euro klettern kann. Kein Wunder, dass Landrat Stefan Frey (CSU) die Sitzung im SZ-Gespräch als in mehrfacher Hinsicht historisch bezeichnete - sowohl was ihre Umstände in Zeiten der Corona-Pandemie angeht, als auch wegen ihrer tatsächlichen Kürze: Denn sie dauerte gerade einmal 45 Minuten. Dann war alles vorbei - ohne Haushaltsreden, ohne Debatten.
Als Ausweichquartier hatte den 60 Kreisräten der Größe wegen einmal mehr die Starnberger Schlossberghalle gedient. Damit die Sitzung auch hier möglichst bald beendet ist, hatte das Landratsamt im Vorfeld an alle Mitglieder des Gremiums Merkblätter mit Sitzungsregeln versandt. Zu ihnen zählt beispielsweise, dass jeder Teilnehmer eine FFP 2-Maske zu tragen hat und diese auch am Platz aufbehält. Ohnehin würden an diesem Tag nur dringende Tagesordnungspunkte behandelt, deren Beschlussfassung nicht auf den kommenden März verschoben werden könne, hieß es. Diese Punkte seien auch alle mehrfach in Ausschüssen vorberaten. Darum mahnte die Behörde, Debatten "so kurz wie möglich" zu halten.
Offensichtlich hatten die Kreisräte das Merkblatt gründlich studiert, denn sie verzichteten gleich ganz auf Redebeiträge und Haushaltsreden. Ein Novum, denn Letztere bilden im Normalfall das Herzstück der Haushaltsdebatte im Kreistag. Doch am Montag war alles anders, schneller, disziplinierter.
Natürlich hatten manche Fraktionssprecher ihre Reden trotzdem griffbereit und verschickten die Manuskripte, Albert Luppart (FW) und Martina Neubauer (Grüne). Darin mahnt Neubauer "stringentere Aktivitäten beim Klimaschutz, der Energiepolitik, beim Verkehr, beim Management zum Erhalt der Artenvielfalt" an. Und Luppart warnt einmal mehr davor, dass sich der Landkreis mit seiner Schuldenlast finanziell übernehmen könnte. Gegen den Etat votierten dann auch die beiden Bürgermeister Bernhard Sontheim (FW) und Brigitte Kössinger (CSU). Eine weitere Ablehnung kam von Ingo Hahn von der AfD. Der Verwaltungshaushalt 2021 umfasst 177 Millionen Euro und der Vermögenshaushalt 38 Millionen Euro. Daraus resultiert ein Gesamtetat von 215 Millionen Euro. Zu den größten Investitionen im kommenden Haushaltsjahr zählen der Landratsamtsanbau und die Gymnasien und Herrsching und Tutzing.