Krankenhaus Seefelder Klinik soll abgerissen werden

In einem Teil des großen Klinikparks (Mitte) würde der Neubau des Seefelder Krankenhauses errichtet werden.

(Foto: Google Earth)

Dem Neubau müsste der Park zum Opfer fallen. Operationen würden in Container ausgelagert. Der Bürgermeister favorisiert einen Umzug an den Ortsrand.

Von Christine Setzwein und Ute Pröttel

Damit haben die Seefelder nicht gerechnet: Aus der geplanten Erweiterung der Chirurgischen Klinik soll ein kompletter, teils vierstöckiger Neubau werden. Damit wären die Tage der markanten Krankenhausgebäude - das älteste stammt aus dem Jahr 1874 - gezählt. Der Park im hinteren Bereich würden zum Teil dem Neubau zum Opfer fallen. Baubeginn könnte schon im kommenden Jahr sein. Das gab der Seefelder Bürgermeister und Krankenhauszweckverbandsvorsitzende Wolfram Gum in der Bürgerversammlung am Mittwoch bekannt - und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er hat von Anfang an, als es um den Fortbestand der Klinik in Seefeld ging, einen Neubau am Ortsrand favorisiert - und tut es heute noch. Die Neubaupläne in der Ortsmitte hält er für die schlechteste Lösung, sagte er in der Bürgerversammlung. Noch sei nichts entschieden, sagte am Donnerstag Thomas Weiler, Geschäftsführer der Starnberger Kliniken.

Weil das Haus, das der medizinischen Grund- und Regelversorgung des westlichen Landkreises dient, mit 72 Betten zu klein ist, um es überhaupt wirtschaftlich betreiben zu können, muss es vergrößert werden. Im Park hinter der bestehenden Klinik soll ein modernes 100-Betten-Haus entstehen. Der Neubau soll in drei Jahren stehen. Danach wird die gesamte alte Klinik abgerissen, berichtete Gum den etwa 80 Zuhörern. An deren Stelle soll eine Tiefgarage und die Klinikeinfahrt entstehen. Der Gedanke an all die Lastwagen, die durch die Ulrich-Haid-/Anton-Ettmayr-Straße anfahren müssen, während dort Genossenschaftswohnungen und Seniorenstift gebaut werden und in der Hauptstraße ein Stück weiter der Supermarkt erweitert wird, treibt Gum um: "Das ist kompletter Wahnsinn." Und wer gehe in eine Klinik, "vor deren Fenstern gerade eine laute Großbaustelle liegt?" Ihn beunruhigen außerdem die geografischen Verhältnisse und die Bodenbeschaffenheit des Standortes. Zwar sei er froh, dass die Klinik erhalten werden kann, aber er favorisiere einen Neubau am Ortsrand und den Erhalt der alten Gebäude als günstigen Wohnraum für Pfleger und Schwestern. "Was nützt die modernste Klinik, wenn sich das Personal die Mieten auf dem freien Markt nicht leisten kann?" Für den Neubau stünden nach wie vor zwei Alternativflächen zur Verfügung "für die keine einzige Eiche gefällt werden müsste", sagte Gum in Richtung der Initiatoren eines Bürgerbegehrens gegen den Neubau der Klinik im Aubachtal, das der Gemeinderat jedoch abgewiesen hatte. Letztendlich war es der Regionale Planungsverband München, der den Standort aus dem Rennen warf. Er signalisierte, dass er einen Neubau im regionalen Grünzug nicht genehmigen werde.

Wenn der Neubau in der Ortsmitte fertig ist, würden die alten Gebäude der Klinik abgerissen. Das älteste ist mehr als 140 Jahre alt.

(Foto: Nila Thiel)

Der dicke Ordner mit allen Planunterlagen liegt jetzt im bayerischen Gesundheitsministerium. Ohne Förderung des Freistaats ist der 70-Millionen-Neubau nicht möglich. 20 Millionen Euro sind im Kreishaushalt dafür vorgesehen. Weiler wartet nun auf einen Besprechungstermin, sagte er. Dass es statt der Erweiterung nun einen Neubau - Weiler nennt ihn "Ersatzbau" - geben soll, begründet er mit den aktuellsten Förderrichtlinien und der Erkenntnis, dass im Altbau ein moderner Klinikbetrieb nicht aufrecht erhalten werden könne und sich ein deutlich höherer Platzbedarf ergeben habe. Ist der Neubau fertig, wird die Chirurgische Klinik um die Fachabteilung Innere Medizin erweitert. Im ersten Bauabschnitt werden laut Weiler drei neue Operationssäle gebaut, allerdings in Containern.

Dass die etwa dreijährige Bauzeit eine große Belastung für die Anlieger werde, räumt Weiler ein. "Aber das ist eine temporäre Sache, und wenn ich eine moderne Klinik haben will, muss sie irgendwo hin." Solange das Ministerium den Plänen nicht zugestimmt habe, sei das letzte Wort ohnehin noch nicht gesprochen.