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Tutzing:Wenn der Arzt per Videoschalte kommt

Mit dem Chefarzt chatten: Professor David Pfander (Mitte) mit seinen Oberärzten Jürgen Brüderle (re.) und Claudio Beger.

(Foto: Benedictus-Krankenhaus)

Das Benedictus-Krankenhaus startet eine Computer-Sprechstunde mit dem Orthopädie-Team.

Schon seit Wochen ist nicht sonderlich viel los im Tutzinger Benedictus-Krankenhaus. Das liegt zum einen daran, dass Betten für etwaige Corona-Patienten wie vorgeschrieben freigehalten und planbare Operationen verschoben werden. Zum anderen aber scheuen offenbar Menschen auch den Gang zum Arzt - sei es aus Angst vor Ansteckung, oder um den Krankenhaus-Betrieb nicht zu belasten. Das macht den Medizinern Sorgen. Sie stellen fest, "dass behandlungsbedürftige Erkrankungen erst spät diagnostiziert und therapiert werden", wie die Klinik mitteilt. Sie bietet daher von Montag, 11. Mai, an zum ersten Mal mit einer Video-Sprechstunde eine Alternative.

Ziel ist es, ein unnötiges Fortschreiten von Krankheiten zu vermeiden und akute Beschwerden abzuklären. Virtuell zu sprechen sind Chefarzt Professor David Pfander und sein Team der Abteilung "Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportorthopädie", der leitende Oberarzt Jürgen Brüderle und Oberarzt Claudio Beger.

"Es ist uns wichtig, allen Patienten, die aktuell keinen persönlichen Arztkontakt haben können, eine orthopädische Beratung und im Fall der medizinischen Notwendigkeit natürlich auch Therapie und Operation zu ermöglichen", erklärt Professor David Pfander. Denn auch derzeit gelte: Wer eine Behandlung brauche, erhalte diese selbstverständlich. Von Videosprechstunden erwartet sich das Krankenhaus auch, dass Patienten Vertrauen auf- und Unsicherheiten abbauen.

Von Montag an können Patienten unter der Telefonnummer 08158/23102 einen Termin vereinbaren. Sie erhalten dann einen Registrierungscode, auf Wunsch per SMS oder e-Mail. Mit diesem Code betreten sie das "virtuelle Wartezimmer" des jeweiligen Arztes. In Form einer Videokonferenz, bei der sich Arzt und Patient live sehen und hören, können dann Diagnose und Behandlungsoptionen besprochen werden. Die Videosprechstunde wird laut Klinik auf Basis der TÜV-zertifizierten Software Clickdoc abgehalten, die maximale Sicherheits- und Datenschutzstandards erfülle. Eine spezielle Software oder App sei nicht nötig - einzige Voraussetzungen seien eine stabile Internetverbindung, Kamera, Lautsprecher und Mikrofon. Nutzen kann man das Angebot über Smartphone, Tablet, Laptop oder Desktop-PC, je nachdem, welches Gerät dem Patienten zur Verfügung steht. Für eine Sprechstunde berechnet die Klinik eine Gebühr von 5,60 Euro, unabhängig von der Dauer.

Klar ist aber auch, dass die Video-Sprechstunde den Regelbetrieb nicht ersetzen kann. Wie hoch, beziehungsweise gering die Auslastung der Betten derzeit ist, wollte das Benedictus-Krankenhaus nicht sagen. Geschäftsführerin Anne-Katrin Kirchner hofft aber auf einen baldigen neuen Erlass, der es möglich macht, planbare Operationen wieder anlaufen zu lassen. "Dabei wird es selbstverständlich sowohl auf unseren Normalstationen als auch im Bereich der Intensivmedizin weiterhin strikt getrennte Bereiche für Covid-19- und alle anderen Patienten geben, in denen auch eine entsprechende Anzahl an Betten für den Fall einer ,zweiten Welle' freigehalten wird", so die Geschäftsführerin.

© SZ vom 09.05.2020

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