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Kraillinger Jugendbeirat:Zu wenig Platz zum Chillen

Der 17 Jahre alte Simon Roelcke engagiert sich in Krailling in der Biotoppflege. Jetzt ist er zum Vorsitzenden des Jugendbeirats gewählt worden.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das neu gewählte Gremium um Simon Roelcke will attraktive Treffpunkte jenseits von Spiel- und Sportplätzen gestalten und hat dafür den Berger Weiher ins Auge gefasst

Von Leonie Daumer, Krailling

Der erste Kraillinger Jugendbeirat ist bereit zum Anpacken. Nachdem der Gemeinderat im vergangenen Sommer den Weg frei gemacht hat für eine Vertretung der Jugend und Anfang des Jahres fünf Mitglieder gewählt wurden, ist nun auch die letzte Hürde der Personalfrage genommen: In ihrer ersten, konstituierenden Sitzung wählten Feline Christ, Luisa Costa, Simon Stadelmann und David Pleyer einstimmig den 17-jährigen Simon Roelcke zu ihrem Vorsitzenden. Es ist das erste Mal, dass sich der Kraillinger politisch engagiert.

Das Wohl seiner Gemeinde liegt dem Gymnasiasten aber schon länger am Herzen: Roelcke setzt sich in seiner Freizeit für die Biotop-Pflege in Krailling ein. Auf die Wahlausschreibung hatte ihn seine Mutter aufmerksam gemacht, die selbst auch politisch aktiv ist. Jetzt organisiert und leitet Roelcke die Treffen des neuen Jugendbeirats, die viermal im Jahr stattfinden sollen und vertritt die Anliegen der Kraillinger Jugend - für den Schüler eine gute Möglichkeit, sich auch schon "in jungen Jahren in Krailling zu engagieren". Er freue sich, dass es überhaupt zu einem Jugendbeirat gekommen ist. Denn Roelcke findet, dass die Kraillinger Jugendlichen in den vergangenen Jahren "nie beachtet" wurden. Das soll sich jetzt ändern: 500 Euro haben die Mitglieder des Jugendbeirats für die Gestaltung ihrer Treffen zur Verfügung bekommen und stehen in engem Kontakt mit dem Bürgermeister. Zwei Jahre haben die Jugendlichen in ihrer Amtsperiode Zeit, um Anträge in den Gemeinderat einzubringen. Ideen hätten sie genug, sagt Simon Roelcke. Das größte Anliegen der fünf Jugendlichen: Es gibt zu wenig "Plätze zum Chillen". Zwar gebe es lauter Angebote für Kleinkinder, so Simon Roelcke, doch für die älteren Jugendlichen ständen nach der Schließung des Kraillinger Jugendtreffs nur noch die Sportplätze zur Verfügung. Er und seine Kollegen fordern deshalb Grillplätze und Feuerstellen für die Jugendlichen zum "Treffen und Entspannen" - am besten am Weiher, an dem sich die jungen Leute ohnehin gerne aufhielten.

Gerade mit Blick auf die Corona-Situation hält Simon Roelcke das Vorhaben für besonders wichtig, denn "Outdoor ist gerade besser als Indoor". Ansonsten sieht der Schüler seiner Arbeit unter den besonderen Umständen gelassen entgegen. "Wäre Corona ein paar Jahre früher gekommen, hätte es bestimmt anders ausgesehen", sagt er. Aber jetzt seien er und seine Altersgenossen schon längst an Zoom-Meetings und all die anderen gängigen Online-Programme gewöhnt: "Wir wissen ja, wie das abläuft." Simon Roelcke findet, man sollte generell mehr für die Zukunft planen und nicht "alles von Corona abhängig machen." Natürlich sei man durch die Pandemie eingeschränkt, aber in den Plänen des Jugendbeirats soll Corona "keine so große Rolle spielen." Stattdessen hat sich Simon Roelcke vorgenommen, seiner Tätigkeit Sinn zu verleihen und "nicht einfach nur da" zu sein. Seine Mitstreiter kennt Simon Roelcke schon aus der Schule, deswegen sei die Atmosphäre von Anfang an entspannt gewesen. Für sie alle sei es eine Ehre, "die ersten zu sein". Sie hoffen, dass der Jugendbeirat auch nach ihrer Amtsperiode bestehen bleibt - "am besten für immer".

© SZ vom 24.03.2021
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