Krailling Tollwood auf dem Land

Das Kult-Art-Festival überzeugt durch Vielfalt und seine ganz entspannte Atmosphäre. Nur beim Sommerabend der Kabarettisten ist es anders: Da wird der CSU kräftig eingeschenkt

Von Otto Fritscher, Krailling

Erstmals gab es beim Kult-Art-Festival auch ein Oldtimer-Treffen.

(Foto: Nila Thiel)

Gautings Bürgermeisterin Brigitte Kössinger hatte es geahnt: "Heute Abend werden wir leiden müssen", sagte die CSU-Politikerin vor dem "Sommerabend der Kabarettisten" zum Auftakt des Kraillinger Kult-Art-Festivals. Und in der Tat mussten die CSU-Anhänger unter den 800 Besuchern im ausverkauften Festzelt schon mal schlucken. Etwa als Satiriker Thomas Schreckenberger Ministerpräsident Markus Söder als Beweis dafür heranzog, "dass man in Bayern das Thema Inklusion bis ganz nach oben durchzieht". Großartig seine Parodie auf Angela Merkel als Klaus Kinski. "Warum kommt der Seehofer noch nach Berlin, wo es in Bayern doch so schöne Pflegeheime gibt", oder: "Dobrindt, wenn man schon so heißt wie ein Abführmittel." Doch neben dem Säbel wurde auch das Florett geführt, etwa von Lisa Fitz, die in Krailling zur Schule gegangen ist und als Lokalmatadorin mit großem Beifall begrüßt wurde: "Die SPD - das ist ja ein Zustand wie der HSV", oder kurz und bündig: "Macron - en marche; SPD - im Arsch." Und doch noch ein Seitenhieb auf die Schwarzen: "Als ich noch in Krailling gewohnt habe, hatte die CSU noch 99,9 Prozent." Zum Kochen brachte Musikkabarettist und Parodist Chris Böttcher das Zelt. Er kann Grönemeyer fast besser als Grönemeyer, vor allem wenn Böttcher selbst schwadronierende Texte dichtet.

Lustig indes die Songs von Liedermacher Roland Hefter. Etwa "Des werd' scho' no, aber bei der Nationalmannschaft hat das Lied halt nicht funktioniert." Ganz unglaublich das Duo "Knedl und Kraut", hinter dem sich die Garmischer Daniel Neuner und Toni Bartl verbergen. Welche kruden, selbstgebastelten Instrumente sie auf die Bühne schleppen, ist alleine schon eine Schau. Etwa ein Rechen, dem Zinken fehlen, ein Kehrbesen und eine Champagnerflasche, die in die Lederhose gesteckt wird. Oder eine Schublatarre, eine Mischung aus Schublade und Gitarre, dazu eine Luftpumpe, und fertig ist das kleine Orchester.

Der Staffellauf gehörte ebenso dazu wie ein Flohmarkt am Sonntag. Und natürlich abends die Auftritte der Kabarettisten und Bands im Festzelt.

(Foto: Nila Thiel)

Erstmals gab es heuer eine Almhütte, die Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst organisiert hatte. Als gemütlichen Treffpunkt nach den Auftritten der Kabarettisten und Bands. "Das hat sich sonst immer schnell verlaufen", erinnerte sie sich. Die Idee scheint zu klappen. Schon der Auftakt in der Almhütte war gemütlich, während draußen ein Wolkenbruch niederprasselte, gab Borst, die das Festival die ersten sieben Jahre als Unternehmerin, und dann die nächsten zehn Jahre als Bürgermeisterin organisiert hat, Anekdoten zum besten. Etwa von den komplizierten Verträgen mit den Künstlern. Zum Beispiel mit Haindling-Frontmann Hans-Jürgen Buchner vor einigen Jahren. Der habe darauf bestanden, dass hinter der Bühne ein Bügeleisen und Bügelbrett parat stehen müssten. Was den Veranstaltern aber nicht einsichtig war. "Dann kam er mit einem schwarzen, zerknitterten Anzug in einer Plastiktüte, und sagte, bitte bügeln", erinnert sich Borst. Mit vereinten Kräften gelang es, schnell noch ein Bügeleisen aufzutreiben.

Geboten werden ein Kinderprogramm und die Buden der Kunsthandwerker.

(Foto: Nila Thiel)

Heuer zeigten sich die Künstler ganz entspannt, so wie die Atmosphäre beim Kult-Art überhaupt. Wie bei einem Tollwood auf dem Lande konnte man zwischen den Ständen der Kunsthandwerker flanieren, am Flohmarkt herumgruscheln, beim Staffellauf mitmachen oder am Sonntag erstmals Oldtimer bewundern. Etwa den hellblau-weißen Bulli, Baujahr 1964, den Andi Haseneder mit seiner Familie aus Farchach stolz dem Publikum präsentierte. Zwei Dutzend Oldies, zumeist aus der Gegend, waren da. Aber es könnten noch ein wenig mehr sein, da ist noch Luft nach oben. Genauso wie beim Bierausschank, den erstmals nicht Gemeindemitarbeiter besorgten, sondern ein privater Unternehmer. Lange Schlangen in den Pausen - da musste so mancher durstig nach Hause gehen.