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Krailling:Tief unten

Tiefe Töne im Salon; Tiefe Töne im Salon

Expressive Klangmalerei: Udo Schindler (links) und Dine Doneff beim kühnen Improvisieren.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Kontrabassist Dine Doneff und Hausherr Udo Schindler zaubern im Kraillinger Salon für Klang und Kunst

Von Reinhard Palmer, Krailling

Zwei Namen, ein Kontrabassist: Als Mazedonier heißt der Gast im Kraillinger Salon für Klang & Kunst Dine Doneff, als Grieche Kostas Theodorou. Und als er spielte, klang es bisweilen, als stünde da ein mehrköpfiges Ensemble neben Gastgeber Udo Schindler, der sich mit Klarinette, Bassklarinette, Kontrabassklarinette und Euphonium auf seine Kontrabasstiefen einließ. 2013 war Doneff erstmals im Fünfseenland bekannt geworden - als Stipendiat der Feldafinger Villa Waldberta. Unter dem Namen Theodorou war er damals als griechischer Gitarrist zu Gast. Gitarre war sein erstes Instrument, doch Doneff ist heute wie Schindler ein Multiinstrumentalist.

In der Ad-hoc-Improvisation am Kontrabass griff Doneff immer wieder zu Pattern, die sich rhythmisiert in Grooves verwandelten und durchaus etwas Swingendes an sich haben konnten. Sie fesselten nicht nur mit ihrem mitreißenden Antrieb, sondern auch mit der spieltechnischen Umsetzung, in der Doneff seine Fingerfertigkeit und Strich-Zupf-Zaubereien geschickt ausspielte.

Auf die Kombinationen aus gestrichenen, geschlagenen, mit der Griffhand dazu gezupften, perkussiv am Korpus erzeugten oder nervös auf die verschiedenste Weise gesprenkelten Tönen, Themen und Strukturen reagierte Schindler auf zweierlei Weise: Bisweilen ging er auf Doneffs Ordnungen ein, half, die Texturen enger zu weben, pointierte ihre Rhythmik. So auch in den Grooves, die dann um so kraftvoller und intensiver vorantrieben.

Nicht selten spielte Schindler aber auch gegen das ordnende Element an. Mit seinen klangexperimentellen Blastechniken und Lippenansätzen stand er Doneff in der Klangexotik in nichts nach. Mit zunehmender Intensität ließ sich Doneff davon inspirieren und tauchte mit in die losgelöste, eher expressive Klangmalerei ein. Dem dramaturgischen Bogen folgend konnten sich da ordentliche Tonberge auftürmen, die nach Erklimmen ihres Gipfels schließlich in wilder Kakophonie auseinander bröckelten, ihre Energie verpuffen ließen, um das Feld einer neuen Idee zu überlassen.

Doneff hatte für diesen musikalischen Disput einen Trumpf im Ärmel: ein wohl selbst gebautes Instrument, ein wassergefülltes Metallgefäß mit einer mittig angebrachten Holzflöte als Griff. Das Ganze umrundet von am Gefäß festgeschweißten, unterschiedlich langen Metallstäben, die gestrichen zauberhaft-magische Töne erzeugten, mit geblasenen Flötentönen warm angereichert. Ein reizvolles Kontrastelement zu der kraftvoll-soliden Unterlage der tiefen Instrumente, auch wenn diese über Flageoletts und besondere Spielvarianten bisweilen durchaus in lichte Höhen wandern konnten.

Das Ganze war schon eine eher kraftvolle, energetische Angelegenheit, vor allem, wenn Schindler den Raum mit Kontrabassklarinettentönen zum Vibrieren brachte oder am Euphonium spannungsgeladene, dichte Tonschwärme umherflirren ließ. Mächtige Substanz baute Doneff indes mit Doppelgriffen sowie rasanten repetitiven Motiven auf, die sich in der Wiederholung über längere Strecke mit enormer Energie aufzuladen vermochten. So konnte sich durchaus eine maschinelle Wirkung einstellen, die aber aus ihrer Eindringlichkeit wiederum etwas Meditatives und aus ihrer Monotonie etwas Schwebendes gewann. Es gab daneben aber auch sinnierende Momente mit zarteren, brüchigen Ausprägungen: luftige Bläserklängen und obertönende Kontrabassvisionen, wenn Doneff die Saiten hinter dem Steg strich oder sie mit dem Bogen in kreisenden Bewegungen gerade nur berührte.

Als Zugabe schworen sich beide Musiker auf eine pfiffige Humoreske ein und stachelten sich dabei gegenseitig zu spitzfindiger Rhetorik an. Da wurde im Kraillinger Salon klanggezaubert, geklopft und gewinselt bis zum neumusikalischen, wilden Auf und Ab, das sich schließlich zu einem kraftvoll-monotonen Groove einpendelte. Überraschend bis zum letzten Ton.

© SZ vom 02.02.2017
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