Krailling:Wünschen ist erlaubt

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Krailling: Das Kraillinger Tanklager ist 240 Hektar groß und verfügt über ein stillgelegtes Schienennetz - das weckt Begehrlichkeiten.

Das Kraillinger Tanklager ist 240 Hektar groß und verfügt über ein stillgelegtes Schienennetz - das weckt Begehrlichkeiten.

(Foto: Nila Thiel)

Krailling stellt einen Bebauungsplan für das Tanklager auf - in der Hoffnung, damit einen Verladebahnhof verhindern zu können.

Von Carolin Fries, Krailling

Anstatt zu warten, was andere auf dem Gelände des Kraillinger Tanklagers womöglich vorhaben, hat die Gemeinde jüngst klar gemacht, was sie dort haben will - und was nicht. Der Grund für die im Eilverfahren vom Gemeinderat erstellte Wunschliste sind Überlegungen eines Privatunternehmens, dort einen Verladebahnhof zu betreiben. Den kann die Gemeinde freilich nicht pauschal verbieten - auch wenn sie das gerne würde. Doch die Liste, die formal in einen Bebauungsplan fließt, soll helfen, die Güterstation im Kreuzlinger Forst zu verhindern - weil sie mit den Plänen der Gemeinde womöglich nicht zusammenpasst.

Das ist gar nicht so einfach, denn die Planungen der Metrans, eines Tochter-Unternehmens der Hamburger Hafen und Logistik (HHLA), liegen noch nicht auf dem Tisch. Bekannt ist lediglich, dass Güter von Lastwagen auf Züge gehievt werden und die alte Gleisverbindung nach Gauting reaktiviert werden soll. Nach Angaben des Unternehmens sind mehrere Gutachten in Arbeit, darunter Schallgutachten, Untersuchungen zum Artenschutz und eine eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung. Genug jedoch, dass nicht nur Krailling, sondern auch die Nachbargemeinden Germering und Gauting alarmiert sind und Starnbergs Landrat Stefan Frey (CSU) vor den Dimensionen warnt. Ablehnung kommt zudem von Landtags- und Bundestagabgeordneten. Doch die entscheidende Frage wird sein: Welches Gewicht werden kommunale Wunschlisten und Stellungnahmen von Politikern haben, wenn letztlich die Regierung von Oberbayern in einem Raumordnungsverfahren über die Zukunft des Tanklagers entscheidet?

Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux (FDP) sagt, die Gemeinde verfolge konsequent den seit 2016 eingeschlagenen Weg, das Gelände zu einem Ökoenergiepark zu entwickeln. 2018 mit einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme, 2021 mit einem Struktur- und Nutzungskonzept. Und nun eben mit einem Bebauungsplan und einer entsprechenden Änderung des Flächennutzungsplans. Konkret sichert die Gemeinde damit die bestehenden Gebäude auf dem Gelände ab, welche für den Betrieb des Tanklagers benötigt werden. Denn damit ist die Gemeinde ziemlich zufrieden. Die Krailling Oils Development GmbH (KOD) lagert Treibstoffe in den unterirdischen Tanks ein, die 123 Millionen Liter fassen. Regelmäßig verlassen Tankzüge oder -laster das Gelände, alles in verträglichem Rahmen. Oberirdisch grast eine Mufflonherde, die wilde Vegetation wird behutsam behandelt.

Krailling: Die unterirdischen Tanks auf dem Gelände fassen etwa 123 Millionen Liter Treibstoffe.

Die unterirdischen Tanks auf dem Gelände fassen etwa 123 Millionen Liter Treibstoffe.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Doch Eigentümer ist die Kraillinger G1 Real Estate GmbH. Dass diese auf der Fläche an der Lindauer Autobahn noch mehr vor hat, ist kein Geheimnis. 2018 pachtete ein Unternehmen eine Fläche, um dort nagelneue Audis zwischenzuparken. Das Landratsamt untersagte die Nutzung. Zwischenzeitlich hätten Betreiber eines Vergnügungsparks Interesse angemeldet, hieß es. Und auch als Windpark war die private Fläche bereits im Gespräch. Nun gibt es neue Ideen. Gut möglich, dass auch diese im Sand verlaufen. Doch was, wenn nicht?

Krailling will einen Radweg entlang des Tanklagers nach Germering bauen

Auf der Wunschliste der Gemeinde steht ein Radweg entlang des Tanklagers in Richtung Germering. Außerdem ein Besucherzentrum, welches die Geschichte des Geländes beleuchtet. Möglicherweise soll hierher auch einmal ein örtliches Unternehmen ausweichen können. Vor allem aber will die Gemeinde die wertvolle Natur im Kreuzlinger Forst erhalten. Sollte eine zusätzliche Nutzung erforderlich sein, dann kann sich die Gemeinde vorstellen, dass auf dem Gelände Autobatterien zerlegt oder aber regenerative Energien gespeichert werden wie beispielsweise Wasserstoff. Womöglich wäre man auch mit einem kleinen Briefverteilzentrum einverstanden, für das die Post angefragt hat, die bis 2024 den Standort in Gauting aufgeben muss. Mitte Mai soll der Gemeinderat dazu mehr erfahren. Die Post, hieß es zuletzt, sei nicht der Wunschkandidat für das Gelände. Aber inzwischen ist klar: Alle Wünsche werden wohl nicht in Erfüllung gehen.

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