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Krailling:Protest gegen Sendemast am Sportplatz

Handymast auf dem Kraillinger TV-Gelände

Wenige hundert Meter entfernt vom Sportgelände des TV Planegg-Krailling steht seit Ende Juni ein neuer Mobilfunkmast. Die Anwohner der Siedlung am Hackerberg befürchten nun erhöhte Strahlenbelastungen.

(Foto: Franz X. Fuchs)

Als unzumutbar empfinden einige Bewohner am Hackerberg in Krailling die neue Mobilfunkanlage unmittelbar neben dem Vereinsgelände des TV Planegg-Krailling und haben ein weiteres Strahlengutachten in Auftrag gegeben

Die 50-Jährige kann ihre Wut kaum in Worte fassen: "Unzumutbar", "makaber", "optisch eine Katastrophe": Gemeint ist der neue Mobilfunkmast am Kraillinger Sportplatz, welcher Ende Juni mit den ersten Sendern ausgestattet wurde. "Für uns, die nur wenige hundert Meter entfernt wohnen, ist das eine Katastrophe", sagt die Kraillingerin. Sie will nicht mit ihrem Namen in der Zeitung genannt werden, weil sie berufliche Nachteile befürchtet, wenn sie als "Auftreiberin" in Erscheinung tritt, wie sie sagt. Für sie steht jedoch fest: "Der Mast muss weg!" Unterstützung erhält sie von ihren Angehörigen und einigen Mitbewohnern der Anlage.

Die Gemeinde indes ist froh, einen Platz gefunden zu haben, "wo er am wenigsten stört", wie Bürgermeisterin Christine Borst (CSU) sagt. 13 Varianten hat das Umweltinstitut vor drei Jahren als Ersatz für den Standort in der Bergstraße untersucht, jener am Sportplatz habe sich schließlich "als der beste" erwiesen, wie Gutachter Hans Ulrich sagt. Zwar wäre der Mobilfunkanbieter mit seiner Anlage gern in der Bergstraße geblieben, die Kommune aber wollte einen verträglicheren Standort. Das sei auch gelungen, beteuert Ulrich. "Die Strahlenbelastung für die umliegende Besiedelung sinkt um ein Drittel", sagt der Physik-Ingenieur.

Das bezweifelt die Kraillingerin. Schließlich käme die neue Sendetechnik LTE hinzu. Überhaupt leuchtet ihr nicht ein, weshalb der Kraillinger Westen vom Sportplatz aus mit einem Mobilfunknetz versorgt werden muss. "Ein Standort an der Sanatoriumswiese oder am Bauhof würde das Gebiet doch viel besser abdecken." Sie fürchtet, dass hohe Kosten für Abschirmmaßnahmen auf die Bewohner der Siedlungen am Hackerberg zukommen, die sich vor der Mobilfunkstrahlung schützen wollen. 5000 bis 10 000 Euro kämen pro Wohnung zusammen. Um zu klären, wie stark die Belastung tatsächlich ist, haben Eigentümer-Beirat und Hausverwaltung zuletzt ein Ingenieurbüro mit einer Messung beauftragt.

Bleibt die optische Belastung. "Ein Monster", sagt die 50-Jährige, die die Balkone für "unbenutzbar" hält. "Warum hat man den Mast nicht in den Wald gesetzt?", fragt sie. Eine Verschiebung habe man damals im Gutachten tatsächlich geprüft, sagt Ulrich. Allerdings sei das aus Gründen des Naturschutzes nicht möglich gewesen. Ulrich betont, dass die Standortsuche für Mobilfunkanlagen stets ein Kompromiss sei. "Es gilt, einen gerechten Ausgleich zu schaffen." Die Bürger sollen möglichst wenig belastet werden, der Mobilfunkanbieter soll aber keine Möglichkeit haben, gegen die Planung der Gemeinde zu klagen. Die Kraillingerin will keinen Kompromiss erkennen: "Wir fühlen uns unverstanden und alleine gelassen."