Artenschutz"Ich komme da regelrecht in einen Flow"

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Sabine Schmid-Zeller organisiert seit drei Jahren den Schutz der Amphibienwanderung in Krailling.
Sabine Schmid-Zeller organisiert seit drei Jahren den Schutz der Amphibienwanderung in Krailling. privat

Sabine Schmid-Zeller hilft in den kommenden Wochen wieder tausenden Amphibien in Gut Hüll über die Straße.

Interview von Carolin Fries, Krailling

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Der Zaun steht, morgens und abends heißt es nun die kommenden vier bis sechs Wochen: Raus an die Straße und Kröten, Frösche und Molche absammeln und über die Straße zu ihrem Laichgewässer tragen. Sabine Schmid-Zeller, 53, organisiert die Kraillinger Einsatzgruppe seit drei Jahren und dokumentiert die Amphibienwanderung für den Bund Naturschutz zudem. Im vergangenen Jahr hat die medizinische Angestellte mit ihrer Truppe mehr als 2000 gerettete Tiere melden können.

SZ: Artenschutz kann bequemer sein als im Dunkeln am Straßenrand Kröten aufzusammeln. Warum machen Sie das?

Sabine Schmid-Zeller: Es ist total beeindruckend, was da abends los ist. So viele Molche, Kröten, Braunfrösche, Springfrösche, Gras- und Moorfrösche kommen über die Felder angekrabbelt, dieses Naturschauspiel ist einfach ergreifend. Ich komme da regelrecht in einen Flow, wenn ich im Mondschein helfe, diese Arten zu schützen und zu erhalten.

Wie genau sieht die Arbeit denn aus und wie viele Leute helfen mit?

Wir sind eine überschaubare Gruppe von zwei jungen Männern in der Ausbildung und zwei Frauen, alles erfahrene Krötensammler. Eine Person geht morgens um sechs die Zäune ab, abends gegen zehn sind immer zwei in Warnwesten und mit Stirnlampen unterwegs. Die meisten Tiere sitzen in den knapp 20 bis 25 Eimern am Zaun, die wir bündig in die Erde eingegraben haben. Aus denen nehmen wir die Amphibien, geben sie in unsere mitgebrachten Eimer und tragen sie über die Straße bis zum Laichgewässer. Wenn viel los ist, muss man mehrmals gehen - man kann die Eimer ja nicht ganz voll machen. Es kann also schon mal eineinhalb Stunden dauern. In der Fischerfeldstraße beim Erlebnisweiher haben wir keinen Zaun, dort sammeln wir auf dem Hin- und Rückweg zusätzlich noch. Für die Statistik erheben wir außerdem, wie viele Tiere welcher Art wir antreffen.

Was sagt die Statistik?

Dass es durch unser Engagement wieder mehr Amphibien werden. Das macht mich richtig stolz. Vor zwei Jahren haben wir etwa 880 Tiere gerettet, im vergangenen Jahr waren es 2066. Der Zaun bei Gut Hüll ist einer der längsten im Landkreis und die Zahlen zeigen, wie wichtig die Zäune sind.

Wie reagieren die Autofahrer?

Manche fahren langsam vorbei oder halten sogar an und erkundigen sich, was wir machen. Viele aber fahren schnell und rücksichtslos vorbei. Damit das für uns nicht gefährlich wird, sind deshalb die warnenden Blinklichter und Hinweisschilder der Gemeinde wichtig. Außerdem leuchten wir mit unseren Taschenlampen die Straße aus, damit die Autofahrer uns bemerken und die Geschwindigkeit reduzieren können.

Welche Amphibien sind Ihre besonderen Lieblinge?

Die Springfrösche haben schon eine besonders schöne Zeichnung, immer unterschiedlich und interessante Fleckungen. Sie kommen außerdem nicht so häufig vor. Ich mag aber auch die zarten Bergmolche mit ihren orangefarbenen Bäuchen und die Erdkröten-Männchen - wenn die im Licht der Taschenlampe neugierig ihre Hälse strecken, schaut das witzig aus.

Fassen Sie die Tiere mit der bloßen Hand an?

Nein, wir tragen Handschuhe. Die menschlichen Bakterien sollten nicht auf die Tiere übertragen werden. Außerdem können natürlich auch die Frösche und Kröten Keime und Pilze übertragen.

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