Wie soll es mit der Grundschule in Krailling weitergehen? Diese Frage treibt die Gemeinde seit Jahren um. In der vergangenen Woche hat die Gemeindeverwaltung auf Wunsch des Gemeinderates eine Art Projekt-Chronologie veröffentlicht, basierend auf Beschlüssen und Ergebnissen aus dem Gemeinderat und dem „Arbeitskreis Schule“ aus den vergangenen sieben Jahren. Das Schulhaus und die Turnhalle sind 60 Jahre alt und stark renovierungsbedürftig. Zudem entspricht die Schule in der Raumaufteilung nicht mehr dem aktuellen pädagogischen Stand. Doch wie können die Gebäude in Zeiten leerer Kassen saniert werden?
Eigentlich war die Renovierung sämtlicher Altbauten und die Erweiterung des Klassenzimmertrakts um neue Räume und eine Aula bereits 2017 beschlossene Sache. Die Kosten dafür wurden in einer Machbarkeitsstudie auf rund 16,6 Millionen Euro geschätzt. Die Architekten und künftigen Nutzer der Schule - darunter auch Hort, Musikschule und Mittagsbetreuung - kamen kurz darauf zu dem Ergebnis, dass ein Erweiterungsbau benötigt würde, um alle Bedürfnisse zu decken. Dafür wurde ein Investitionsvolumen von 30,9 Millionen Euro errechnet. Damals sah die finanzielle Situation der Gemeinde noch vielversprechend aus: „Hintergrund der Planung waren die 2017 in Aussicht gestellten hohen (Gewerbe-) Steuereinnahmen, die damals eine umfassende und schnelle Generalsanierung möglich erscheinen ließen“, heißt es in der Chronologie.
Bereits 2019 stoppte der Gemeinderat diese Planung aufgrund der sich stetig verschlechternden Steuereinnahmen. Zudem sollten die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl 2019 und der Kommunalwahl 2020 abgewartet werden. Ein „Arbeitskreis Schule“ sollte die Möglichkeit einer Erbpacht für einen Neubau auf der Sanatoriumswiese prüfen, Alternativen suchen und Finanzierungsmöglichkeiten prüfen. Man verständigte sich mit dem Gemeinderat darauf, das Raumprogramm auf das Notwendigste zu reduzieren und die Anpassung an neue Lernkonzepte zu prüfen - etwa an das Münchner Lernhauskonzept. Dann passierte lange nichts.
Schließlich hatte Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux (FDP) die Idee des sogenannten Ringtauschs: Die Gemeinde nimmt einen Kredit auf und baut ein neues Rathaus auf dem Manhart-Grundstück in der Ortsmitte. Auf dem frei werdenden Grundstück entsteht anschließend ein neues Schulhaus - und das aktuelle Schulgrundstück wird teuer an einen Investor verkauft, um den Kredit wieder zu tilgen. Die Idee scheiterte im Gemeinderat.


Im vergangenen Jahr traf das Gremium letztmals die Entscheidung, die Grundschule auf dem bestehenden Grundstück zu sanieren. Zur Finanzierung solle die Gemeinde Flächen in entsprechendem Umfang veräußern und eine Kreditaufnahme prüfen. Wie Bürgermeister Haux betont, müsse die Gemeinde ein mögliches Finanzierungskonzept mit der Kommunalaufsicht abstimmen. Eine valide Gegenfinanzierung sei die Voraussetzung für eine Kreditaufnahme. Der Immobilienverkauf hat für den Rathauschef darum oberste Priorität.
Parallel hat der Gemeinderat das ursprünglich mit der Sanierungsplanung beauftragte Büro um ein erneutes Angebot gebeten. Dabei soll die Prüfung der Förderfähigkeit einer abschnittsweisen Sanierung im Vordergrund stehen. Haux rechnet damit, dass die Ergebnisse bis zum Herbst vorliegen. Derweil steckt die Gemeinde weiter Geld in das marode Schulhaus. Aktuell erhält die Schule im Verbund mit Rathaus und Caritas-Kita eine neue, extern gelegene Pelletheizung. „Es kommt immer wieder etwas Unvorhergesehenes dazu“, so Haux. Knapp eine Million Euro habe die Gemeinde in den vergangenen fünf Jahren in den Gebäudeunterhalt gesteckt. Für dieses Jahr sind 1,3 Millionen Euro im Haushalt eingeplant, das Dach der Turnhalle muss erneuert werden.

