Kraillinger GrundschuleUnd jetzt auch noch Asbest unterm Teppich

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Die Kraillinger Grundschule ist schon lange ein Sanierungsfall.
Die Kraillinger Grundschule ist schon lange ein Sanierungsfall. Franz Xaver Fuchs
  • In den Faschingsferien wurden in Räumen der Kraillinger Grundschule Reste eines asbesthaltigen Klebers unter einem Teppich entdeckt.
  • Die betroffenen Räume einer Krabbelgruppe wurden abgesperrt, für die restliche Schule besteht keine Gefahr.
  • Der Asbestfund rückt den jahrelangen Sanierungsstau der Schule in den Fokus, seit 2018 liegt ein Schadstoffgutachten vor.
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In einem Nebenraum der Kraillinger Grundschule wurden Reste eines schadstoffhaltigen Klebers gefunden. Die Krabbelgruppe, die dort untergebracht war, kann umziehen und für die Schüler besteht keine Gefahr. Doch im Gemeinderat ist die Aufregung groß – schließlich hätte die Schule eigentlich längst saniert werden sollen.

Von Annette Jäger, Krailling

Asbest, Schule, Kinder – das ist ein Dreiklang, der Alarm auslöst. So ist es gerade in Krailling zu beobachten. In den Faschingsferien wurden Asbestreste in Räumen der Grundschule entdeckt, die durch die Krabbelgruppe genutzt werden. Die Information darüber hat Sorgen unter Eltern ausgelöst, sie rufen im Rathaus an, auch von verängstigen Kindern ist die Rede. Bürgermeister Rudolph Haux (FDP) hat den Asbestfund in einer Pressemitteilung selbst öffentlich gemacht. Der Vorgang rückt wieder einmal den Sanierungsstau in der Schule in den Fokus und damit Versäumnisse des Gemeinderats.

Wie sicher sind die Kinder in der Grundschule Krailling? Darauf wollte ein Bürger in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstag dann doch Antwort aus erster Hand haben. Bürgermeister Haux berichtete, dass die Nachricht des Asbestfunds „eine Welle losgetreten“ habe, alle seien „in Sorge“. Doch er betonte, dass die betroffenen Räume, die sich unterhalb der Turnhalle befinden, abgesperrt seien und keine Gefährdung des restlichen Schulhauses gegeben sei.  Die Krabbelguppe „Würmzwergerl“ kann spontan bei der Caritas im Bürgerhaus Hubertus unterkommen.

Eigentlich sollte in den Räumen der Krabbelgruppe in den Ferien nur Schimmelbildung unter dem Waschbecken beseitigt werden, dann entschied man sich, auch den alten Teppich in den vier Gruppenräumen zu erneuern. Dabei entdeckte man Reste eines asbesthaltigen Klebers unter dem Teppich, der von einer früheren, unsachgemäßen Entfernung von Bodenplatten übrig geblieben war. Einfach den Teppich wieder drauflegen, war keine Option und auch nicht zulässig, wie Haux in der Sitzung betonte. Asbesthaltige Materialien unter bereits sanierten Böden dürften weder überdeckt noch versiegelt, sondern müssten fachgerecht entsorgt werden, hatte die Gemeinde schon in ihrer Pressemitteilung verkündet. Die Räume wurden daraufhin abgesperrt.

Seit 2018 liegt ein Schadstoffgutachten vor

Dass die Grundschule, die Anfang der 1960er-Jahre gebaut wurde, durch Schadstoffe belastet ist, ist keine Neuigkeit. Seit 2018 liegt ein Schadstoffgutachten vor, das unter anderem asbesthaltige Materialien nachweist. Doch der hochgiftige Baustoff gilt als ungefährlich, solange er fest verbaut und intakt ist. Gefährlich werde er erst, wenn Materialschäden aufträten und sich Fasern lösten, heißt es in der Mitteilung aus dem Rathaus. Eine professionelle Reparatur der Krabbelgruppen-Räume sei aufwendig und teuer, betonte Haux in der Sitzung. Darüber müsse der Gemeinderat entscheiden.

Dass Haux zuerst die Presse über den Asbestfund benachrichtigt hatte, anstatt den Gemeinderat und die Schule, wurde in der Sitzung von mehreren Mitgliedern des Gremiums kritisiert. Die Freie Bürgergemeinschaft Krailling (FBK) wirft ihm zudem in einer Pressemitteilung vor, das Thema „als Wahlkampfinstrument medienwirksam nach außen“ zu tragen. Das sei „unangebracht und kontraproduktiv“. Damit spielt die FBK darauf an, dass der Bürgermeister in der Vergangenheit einen Neubau der Schule favorisiert hatte.

Tatsächlich trifft der Asbestfund die Kraillinger an einer wunden Stelle. Das geht auch aus einem Brief des Elternbeirats der Schule an den Bürgermeister hervor. In dem vom Elternbeiratsvorsitzenden Andreas Zeitlberger, der auch für die FBK im Gemeinderat sitzt, unterzeichneten Schreiben wird der „eklatante Investitionsstau“ an der Schule beklagt. Seit den ersten Planungen zu einer Sanierung vor mehr als zehn Jahren sei nichts passiert, außer sich in Diskussionen „im Kreise zu drehen“. Es müssten umgehend „alle erforderlichen Mittel in das Gebäude investiert werden, um einen sicheren und gefahrlosen Unterrichtsbetrieb für unsere Kinder sicherzustellen.“

Die Schule stammt aus den 1960er-Jahren.
Die Schule stammt aus den 1960er-Jahren. Franz Xaver Fuchs

Dass die Schulsanierung eines der Projekte ist, das der aktuelle Gemeinderat nicht auf die Schiene bringen konnte, wurde auch in der Sitzung am Dienstag thematisiert. Jahrelang habe man sich nicht auf eine „klare Linie“ verständigen können, konstatierte Haux. Jetzt sei es wichtig, noch Grundlagenentscheidungen zu treffen, damit ein neuer Gemeinderat von Mai an damit weiterarbeiten könne. Auch Andrea Schulte-Krauss (Grüne) rief dazu auf, endlich „zügig voranzukommen“. Das bedeute: sanieren und dort, wo das nicht mehr möglich sei, abreißen und neu bauen.

Der Gemeinderat will sich noch im März aufraffen, ein pädagogisches Konzept auf den Weg zu bringen, dessen Raumbedarf die Grundlage für einen Sanierungsplan sein soll. Einem entsprechendem FDP-Antrag stimmte das Gremium bei einer Gegenstimme zu. Für die mit Asbest belasteten Räume der Krabbelgruppe heißt das freilich: bis auf Weiteres geschlossen.

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