Die Frau ist am 14. Juni in ihrem Haus in Krailling ermordet worden. Laut Polizei soll der 36-jährige Ehemann die mehrfache Mutter mit zahlreichen Messerstichen getötet haben. Das 29 Jahre alte Opfer, das sich offenkundig von ihrem Mann trennen wollte, hatte wegen häuslicher Gewalt ein Kontaktverbot gegen ihn erwirkt, das acht Tage vor der Bluttat gerichtlich bestätigt wurde. Doch der 36-Jährige, der wie sein Opfer aus Jemen stammt, hielt sich nicht an die Anweisungen. Zum diesjährigen Totensonntag gedenkt der Frauennotruf im Landkreis Starnberg der ermordeten Frau und mahnt, dass ein Femizid wie in Krailling ein Gewaltverbrechen sei, vor dem Frauen besser geschützt werden müssten.
Ein Femizid sei die „äußerste Eskalationsstufe geschlechtsbezogener Gewalt, die durch ungleiche Machtverhältnisse und Dominanzverhalten motiviert“ sei, erklärt Cordula Trapp, Geschäftsführerin der Beratungsstelle Frauennotruf. Femizide würden oft von männlichen Partnern oder Ex-Partnern begangen – insbesondere in Situationen, die mit einer Trennung zusammenhingen. Eine Wegweisung durch die Polizei oder ein gerichtliches Kontakt- und Näherungsverbot seien zwar hilfreiche Mittel, Frauen zu schützen, könnten aber so eine Tat nicht verhindern, betont Trapp.

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Denn um solche sogenannten Hochrisikofälle zu vermeiden, sei es notwendig, dass Polizei, Justiz und Beratungsstellen frühzeitig und effektiv zusammenwirkten, erläutert Trapp und sagt: „Nur wenn alle Verantwortung übernehmen und aktiv an Lösungen arbeiten, kann Gewalt gegen Frauen nachhaltig verhindert werden.“ Dazu will der Frauennotruf als Verein „Frauen helfen Frauen“ ein starkes Signal setzen.
Eine Lösung könnte das Tragen einer elektronischen Fußfessel sein, die vom Familiengericht angeordnet wird, um besonders gefährdete Frauen rechtzeitig zu warnen. Ein entsprechender Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht unter anderem auch vor, Täter zu Anti-Gewalttrainings zu verpflichten und Verstöße gegen Gewaltschutzanordnungen, wie das Näherungsverbot, künftig schärfer zu ahnden. Die Justiz soll zudem Auskünfte aus dem Waffenregister anfordern können, um Gefährdungen noch besser zu erkennen. Das geplante Gesetz folgt damit dem Vorbild von Spanien. Mithilfe dieser Maßnahmen wurde dort die Sicherheit von Frauen deutlich erhöht.

Diese Beschlüsse seien grundsätzlich zu begrüßen, „aber nur ein Baustein“ in dieser Gewaltproblematik, sagt Elke Leicht-Krohn, Diplom-Sozialpädagogin und Mitarbeiterin des Frauennotrufs im Landkreis. Sie hält noch mehr Schulungen auf diesem Gebiet bei Polizei, Ämtern und Familiengerichten für erforderlich. Überdies müssten mehr Wohnungen geschaffen werden, in die betroffene Frauen ziehen könnten. Der Bedarf ist jedenfalls groß, denn nach Auskunft des Frauennotrufs sind im laufenden Jahr schon mehr Beratungen erfolgt als im vergangenen Jahr, in dem der Verein in 235 Fällen geholfen hat, unter anderem bei sexueller und psychischer Gewalt, Stalking und anderen Demütigungen.
Polizei begrüßt elektronische Fußfessel
Auch der Gautinger Polizeichef Andreas Ruch, der mit dem Kraillinger Fall zu tun hatte, begrüßt die elektronische Fußfessel als „dringend erforderlich“, um derartige Verbrechen zu verhindern. In Bayern sind nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) im vergangenen Jahr 40 Frauen und Mädchen bei einem Femizid getötet worden - aus Hass, wegen ihres Geschlechts und weil sie aus Sicht der Täter als weniger wert gelten.
Der Femizid von Krailling hat viele Menschen über das Würmtal hinaus erschüttert. Nach dem Mord haben Unbekannte rote Kerzen aufgestellt und ein Transparent mit der Mahnung in der Ortsmitte aufgehängt: „Keine wird vergessen – Stoppt Femizide“. Das Plakat hing einige Wochen in Krailling. Bürgermeister Rudolph Haux (FDP) unterstützte die Botschaft, denn die brutale Bluttat hatte die Menschen aufgewühlt. Es sei eine sehr positive Aktion mit Signalwirkung gewesen, betont der Frauennotruf, der am Sonntag der Mutter und ihrer Kinder gedenkt. Deren Vater befindet sich in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess.

