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Krailling:Diesel und Kerosin für den Notfall

Krailling Oils mit Markus Neubauer

Mit dem Geflecht an Rohren in der Pumpstation des Kraillinger Tanklagers kennt sich Markus Neubauer aus.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Das Tanklager bunkert im Auftrag der Bundesrepublik mehr als 100 Millionen Liter Treibstoff. Ende Juni sollen die Tanks gefüllt sein.

Noch rollen die Kesselwagen ins Kraillinger Tanklager und bringen weiteren Treibstoff. Der Erdölbevorratungsverband (EBV) der Bundesrepublik nutzt die riesigen, meist unterirdisch gebauten Depots im Kreuzlinger Forst, um dort einen Teil seiner Notreserven einzulagern. Bis Ende Juni sollen die Tanks gefüllt sein, kündigt Markus Neubauer, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Krailling Oils Development (KOD), an. Danach beginnen Arbeiten an dem Gleis, das jetzt noch für die Zulieferung benötigt wird.

Seit April schieben sich die Eisenbahnwagen mit Diesel und Kerosin auf das 240 Hektar große Gelände. Mehr als 100 Millionen Liter Treibstoff sollen im Auftrag der Bundesrepublik für den Notfall eingelagert werden. Zwei Jahre lang habe man sich um einen Vertrag mit dem EBV bemüht, um in Krailling Ölreserven lagern zu können, berichtete Neubauer. Diese Geschäftsbeziehung biete finanzielle Sicherheit; der Vertrag laufe zunächst zehn Jahre. Laut gesetzlicher Grundlage muss der Staat Reserven für 90 Tage bereithalten. Insgesamt hat das Tanklager Kapazitäten für 125 Millionen Liter Treibstoff, die meisten der 32 Tanks liegen unter der Erde. Für die langfristige Lagerung sei das optimal, erklärt Neubauer. "Durch die gleichbleibende Temperatur bildet sich kein Kondenswasser, die Qualität leidet nicht".

Dazu kommt das Tagesgeschäft mit Heizöllieferanten aus der Region. Der Garchinger Energieversorger Kreuzmayr nutzt fünf der Drei-Millionen-Liter-Tanks und versorgt Tankstellen und Heizölhändler im Münchner Westen und Süden. "So gibt es eine natürliche Umwälzung, und die Ware wird frisch gehalten", sagt Neubauer. Heizöllieferanten können sich nun weite Fahrten sparen, weil sie nicht mehr frühmorgens zu den Raffinerien bei Ingolstadt fahren müssen, um Nachschub zu holen. Damit auch das Kerosin nicht an Qualität verliert, beliefert ein Unternehmen in regelmäßigen Abständen den Münchner Flughafen.

"Wir sind sehr zufrieden", sagt Neubauer über die Entwicklung des Tanklagers. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung habe zugenommen, findet der KOD-Geschäftsführer, der selbst in Krailling wohnt. Der vorherige Eigentümer, die Victoria-Gruppe, hatte in Krailling tschechische Staatsreserven eingelagert; bis heute gibt es Rechtsstreitigkeiten über die Menge der Bestände. "Da mussten wir schon Bedenken ausräumen", sagt Neubauer. Die Eigentümergesellschaft G1 Krailling Real Estate und die KOD wollen nun weiter in die Betriebstechnik investieren. Unter anderem würden Pumpen und Schieber modernisiert, die schon lange nicht mehr dem heutigen Stand der Technik entsprechen.

Krailling Oils mit Markus Neubauer

Die Treppe führt in eine Tiefe von mehr als 20 Metern.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Von 29. Juni an soll auf einer Strecke von etwa drei Kilometern das Gleis erneuert werden, das vom öffentlichen Anschluss in Freiham bis zum Tanklager führt. Das Einfahrtstor befindet sich nahe Germering unmittelbar bei einer Brücke über die Lindauer Autobahn. Schienen, Schwellen und Schotterbett werden erneuert, etwa acht Wochen werden die Arbeiten laut Neubauer dauern. "Die Züge sollen leiser werden", sagt er mit Blick auf die angrenzende Wohnbebauung in Germering.

Die Gleise auf dem Gelände werden unterdessen für ein Nebengeschäft genutzt. Derzeit stehen dort Waggons, die für die Bayerische Oberlandbahn bestimmt sind. Sprayer haben sich das zunutze gemacht, um die Züge mit sogenannten Tags zu beschmieren. Die Betreiber des Tanklagers haben wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs Strafanzeige erstattet. Nach Angaben der Gautinger Polizei liegt die Tatzeit zwischen Freitagmittag und Dienstagnachmittag. KOD-Geschäftsführer Neubauer kündigte an, das Gelände künftig intensiver zu überwachen, Kameras zu installieren und den Sicherheitsdienst personell zu verstärken.

© SZ vom 05.06.2020
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