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Krailling:Der Priestermangel hat Folgen

Krailling: alter Wirt neuer Pfarrer Johannes von Bonhorst

Unkonventioneller Auftritt: Pfarrer Johannes von Bonhorst fährt gerne Motorrad.

(Foto: Nila Thiel)

Pfarrer Johannes von Bonhorst verteidigt den Zusammenschluss von Pfarreien

Von Isabella Bauer, Krailling

Pfarrer Johannes von Bonhorst ist zurück im Würmtal. Der Geistliche aus Pasing war der Heimat stets verbunden, auch im Beruf: Bis 2004 war er Pfarrer in Gauting, bis 2011 dann in Wolfratshausen. Anschließend verschlug es ihn etwas weiter weg, nach Teisendorf im Berchtesgadener Land. Jetzt ist der Seelsorger in St. Elisabeth in Planegg tätig und leitet den Aufbau eines Pfarrverbandes, der für die Katholiken in Planegg, Krailling und Stockdorf zuständig ist. Bonhorst steht somit vor der Aufgabe, den Zusammenschluss der Gläubigen dreier Kirchengemeinden zu organisieren. Beim Kraillinger Kulturmittag mit mehr als 50 Besuchern hat er die Gelegenheit genutzt, um zu erklären, warum ein Pfarrverband seiner Ansicht nach nötig und richtig sei, auch wenn die Stockdorfer dadurch ein Stück Eigenständigkeit verlieren.

Der Seelsorger hat Erfahrung mit Pfarrverbänden, auch in Teisendorf war er Leiter eines solchen Zusammenschlusses. "Ein Pfarrverband ist eine Weiterentwicklung, die wegen des Priestermangels und der abnehmenden Zahl der Gläubigen unvermeidbar ist", sagt Bonhorst. Der Pfarrer erweist sich mit dieser Einstellung als Realist. Er bestätigt, dass eine solche Entwicklung vorgegeben gewesen sei. Man werde sich mit der Zeit arrangieren, glaubt er. Der Prozess des Wandels, der jetzt auch im Würmtal begonnen hat, trage grundsätzlichen Veränderungen Rechnung. Die gesamte katholische Kirche kämpfe mit Priestermangel und Mitgliederschwund. "Damit die Kirche zukunftsfähig bleibt, muss die alte Logistik in eine neue Struktur überführt werden", meint Bonhorst.

Die Aufgaben eines Priesters sind vielfältig; dazu zählen Liturgie, Sakramente und Einzelseelsorge. Hinzu kommt die Arbeit in zwei organisatorischen Gremien: Zum einen ist der Pfarrer Teil des Pfarrgemeinderats. Zusätzlich fällt die Arbeit in der Kirchenverwaltung an, die ausschließlich aus Verwaltungsaufgaben wie Haushaltsführung, Gebäudepflege und -erhaltung, Personalführung und Leitung des Pfarramts besteht. Bonhorst zieht den Vergleich mit einem kleinen mittelständischen Unternehmen. Die Zahl an Verpflichtungen wird außerdem in der Ausführung durch eine wachsende Zahl von Vorschriften erschwert.

Pfarrer müssten einer Doppelfunktion in Fachbereich und Verwaltung gerecht werden. Bonhorst stellt aber klar: "Nicht jeder gute Seelsorger ist auch ein guter Leiter". Ein Pfarrverband könne da Abhilfe schaffen, denn er biete Möglichkeiten, die Geistlichen zu entlasten. So sei geplant, eine Verwalter anzustellen, um das Tagesgeschäft auszugliedern und den Vorstand zu entlasten. Die dadurch gewonnene Zeit könnte für die pastorale Tätigkeit genutzt werden, versichert Bonhorst. "Die heutige Zeit ist eine Herausforderung, man kann nicht immer jammern, wir müssen auch Chancen sehen", ermahnt der Geistliche die Zuhörer im Gasthof Alter Wirt.

Bonhorst tritt auch in Dialog mit der Gemeinde: Kinder- und Jugendarbeit möchte der neue Planegger Pfarrer durch spezielle Angebote wie Familiengottesdienste fördern. Gefragt nach der schwindenden Zahl junger Menschen, die in der Kirche präsent sind, antwortet Bonhorst: "Wir müssen die zunehmende Hektik der Gesellschaft zur Kenntnis nehmen. Die Beschleunigung in den Familien führt auch dazu, dass weniger Zeit und Raum für Gottesdienste besteht." Man könne diese Entwicklung auch in den Schulen sehen. Obwohl der Religionsunterricht so professionell sei wie noch nie, seien religiöse Fragen bei den Jugendlichen viel weniger stark verankert. Auch hier hofft Bonhorst in der Zukunft auf Veränderungen. Mehr problemorientierte Fragestellungen im Lehrplan würden auch mehr Interesse bei den Schülern wecken, da ist er sicher.

Man müsse den Fakten eben ins Auge blicken, dafür spricht sich Bonhorst wiederholt aus. Die Zusammenarbeit der Ökumene ist gut, der neue Priester möchte sie so weiterführen wie bisher; als Christen säßen beide Kirchen bei allen Fragen im selben Boot.

© SZ vom 06.11.2015
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