Kraillinger Geschäftsleute protestieren gegen den geplanten Bau eines Krematoriums im Gewerbegebiet im Kreuzlinger Forst. Das Gemeinschaftsprojekt des Starnberger Bestatters Valentin Zirngibl und der Ahorn-Gruppe in Berlin ist seit gut einem Monat bekannt. Nun beklagen die Inhaber von Betrieben in der Nachbarschaft einen „Vertrauensbruch“. Sie befürchten eine Wertminderung für ihre Grundstücke und fordern in einer gemeinsamen Erklärung, den Standort für die Einäscherungsanlage zu überprüfen.
Das Krematorium soll auf dem früheren Sportplatz im Westen des Gewerbegebiets neben dem Sitz der Firma Eos und gegenüber einer Hackschnitzelheizung entstehen. Das Grundstück hat die Gemeinde bereits verkauft. Auch die Flächen für zwei weitere Neuansiedlungen in der „Kraillinger Innovationsmeile“ (KIM) sind vergeben: an eine Firma, die bisher in Gilching ihren Sitz hat und Strech-Limousinen vermietet, und an einen Hüpfburgverleih aus Puchheim, der ebenfalls umziehen will.
Die jeweiligen Geschäftsführer sind gar nicht begeistert über die künftige Nachbarschaft und haben den Protestbrief unterschrieben, ebenso wie Helene Langer, Chefin der Eos-Grundstücksgesellschaft. Darin wird dem Kraillinger Bürgermeister „ein fragwürdiger Prozess mit kompletter Intransparenz“ vorgeworfen, da sie erst aus der Presse von den Plänen für ein Krematorium erfahren hätten.
Als Vorbild nennen sie Penzberg, wo beim Friedhof ebenfalls ein Krematorium geplant ist, allerdings mit einer deutlich geringeren Kapazität und „und in enger Abstimmung mit den Anliegern“, wie die Kraillinger Kritiker schreiben.

Angebot der SZ:Wählen Sie den Whatsapp-Kanal für Ihren Landkreis
Die Süddeutsche Zeitung bietet Whatsapp-Kanäle für alle Landkreise rund um München an. Das Angebot ist kostenlos. So abonnieren Sie die Kanäle.
Haux erklärt dazu: „Bei Grundstücksverkäufen können wir grundsätzlich nicht vorab Ross und Reiter nennen.“ Das sei nicht üblich und auch nicht notwendig. Zumal in dem Fall die Verhandlungspartner das auch nicht wollten. Zirngibl und der Bestatterverbund in der Ahorn-Gruppe hatten für das Zehn-Millionen-Projekt in Krailling ein Joint-Venture mit dem Namen „Novum 1 Projekt GmbH“ gegründet. Am Tag nach der Sitzung des Bauausschusses, der das Vorhaben mehrheitlich gebilligt hat, wurden die Pläne in einer Pressekonferenz publik gemacht. Demnach sollen in Krailling bis zu 40 Einäscherungen pro Tag möglich sein.
Für ein viertes Grundstück auf dem früheren Sportplatz wird noch ein Käufer gesucht. Laut Bürgermeister Haux haben sich schon mehrere Interessenten gemeldet, doch denen seien die Preise in Krailling zu hoch gewesen. Nun ist auch noch bekannt, dass es sich um eine Parzelle in der Nachbarschaft eines Krematoriums handelt. Das dürfte Verkaufsverhandlungen nicht einfacher machen.

