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Kostspielige Hilfe:Abgezockt

Hohe Rechnung vom Schlüsseldienst - Was Kunden tun können

Immer wieder versuchen unseriöse Schlüsseldienste mit Wucherpreisen abzuzocken.

(Foto: Christin Klose/dpa)

Schlüsseldienst verlangt von Rentnerin 185 Euro für das Öffnen der Haustür

Und schon ist es passiert: Die Wohnungstür ist zugefallen, der Schlüssel steckt von innen und der Bewohner ist ausgesperrt. Das widerfuhr jetzt nachmittags an einem Werktag auch einer Rentnerin aus Feldafing, deren Vermieter übers Branchenbuch einen angeblichen "Schlüsseldienst Bauer" in Starnberg informierte, der im Internet mit "günstigen, transparenten Preisen und schneller Hilfe" potenzielle Kunden anlockt. "Doch erst nach etwa eineinhalb Stunden kam ein Mann mit einem maroden hellen Lieferwagen ohne Aufschrift und mit Kölner Kennzeichen vorbei und verlangte für die Türöffnung 196 Euro", ärgert sich die Feldafingerin über die Abzocke, bei der unseriöse Schlüsseldienste oft noch mit viel höheren Wucherpreisen die Notlagen ausnutzen.

Im Feldafinger Fall drohte der Handwerker sofort wieder wegzufahren, woraufhin die 73-Jährige den gewährten "Sonderpreis" von 185 Euro zahlte - dafür, dass in Sekunden die Haustür mit der Kante einer abgeschnitten Plastikflasche recht simpel geöffnet wurde. Die Frau erhielt von der Servicekraft eine dubiose "Handwerkerservice"-Quittung ohne Adresse. Sie fühlte sich betrogen und genötigt. Als die Mieterin sich später über zwei Handynummern beim namentlich genannten "Schlüsseldienst Bauer" über den weit überhöhten Preis beschweren wollte, erhielt sie von einer Telefondame nur die Auskunft, dass sie diesen Schlüsseldienst nicht kenne.

Diesen Anbieter gebe es auch gar nicht in Starnberg, sagt der Chef eines alteingesessenen Schlüsseldienstes in der Kreisstadt. Er hätte inklusive Anfahrt von der Feldafingerin nur 80 Euro an einem Werktag tagsüber für eine Türöffnung verlangt. Dieser Preis entspricht laut Verbraucherzentrale den branchenüblichen Rechnungen. Der Starnberger Schlossermeister empört sich über die "schwarzen Schafe" und unseriösen Notdienste, die man auch daran erkenne, dass sie in Anzeigen und im Internet keine Adressen angeben und auch kein Ladengeschäft vorweisen können.

Inzwischen hat die Rentnerin, die sich versehentlich ausgeschlossen hatte, die Polizei informiert. "Ich will damit auch andere Menschen vor dieser Abzockermasche warnen", sagt die Seniorin. Das sei auch richtig so, sagt Polizeihauptkommissar Siegfried Kuhn von der Starnberger Inspektion. Diese Methode von Schlüsselnotdiensten sei "leider ein bekanntes Problem" und die Dunkelziffer hoch. Man werde überprüfen, ob der Servicemitarbeiter mit Kölner Kennzeichen auch in weiteren Fällen aufgefallen sei und vorgegeben habe, für einen "Schlüsseldienst Bauer" tätig zu sein, so Kuhn.