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Konzert:Ohne Umschweife zur Sache

Klar und direkt: David Schultheiß, Dmitri Vinnik (im Hintergrund), Clemens Gordon und Rupert Buchner (von links).

(Foto: Arlet Ulfers)

Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters und der Pianist Dmitri Vinnik überzeugen beim Kleinen Sommerfestival mit Klavierquartetten von Beethoven, Brahms und Schumann

Klavierquartette neigen schon wegen der Besetzung zu sattem Klang. Die Gegenüberstellung von Streichern und Klavier bietet auch eine Fülle an Möglichkeiten, was die musikalische Formung betrifft. Für das Kleine Sommerfestival in der Gautinger Remise wählten Pianist Dmitri Vinnik und die Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters, David Schultheiß (Violine, im Orchester 1. Konzertmeister), Clemens Gordon (Viola) und Rupert Buchner (Violoncello) noch dazu drei Werke von nahezu sinfonischen Dimensionen aus. Einzig die Zugabe, der "Tango Pathétique" von Peter Kiesewetter, ein Gelegenheitswerk, kam mit humorvollen Spielereien schlank und leicht daher. Seit seiner Parkinson-Erkrankung und erst recht seit seinem Tod 2012 werden Kiesewetters spannungsgeladenen und eindringlichen Kompositionen kaum noch gespielt.

Ganz anders die drei großen Klavierquartette, die nicht verschiedener sein könnten. Beethovens frühes Es-Dur-Klavierquartett op. 16 steht noch weitgehend unter Mozarts Eindruck und kam in Gauting nach düster-schwerer Einleitung adäquat galant und beschwingt daher. Das c-Moll-Werk op. 60 von Brahms ist das mühsam aus einem früheren Fragment gepellte Bekenntnis eines Selbstmordkandidaten, was gleich zu Beginn mit Seufzerschwere deutlich wurde. Man möge ihn "im Werther-Kostüm" in der Notenausgabe abbilden, schrieb Brahms an den Verleger, um seine damals dramatische Verfassung zu verdeutlichen. Schumanns Klavierquartett Es-Dur op. 47 entstand indes in dessen Kammermusikjahr 1842 wie im Rausch innerhalb kürzester Zeit und ist eine Kreation von betörender Schönheit. Was besonders für den langsamen Satz an dritter Stelle gilt, den das Ensemble mit schwärmerischer Hingebung zelebrierte. Das Denken in orchestraler Homogenität war bei Schumann generell von großem Nutzen, ist sein organisches Hervorgehen doch geradezu die ausschlaggebende Qualität, ausgenommen im Scherzo, das mit seinem geisterhaften Dahinhuschen mehr Spuk denn greifbare Form ist.

Die vier Musiker verstanden es, mit bravouröser Selbstverständlichkeit die jeweiligen Charakteristika der Sätze deutlich und transparent herauszuarbeiten. Keine Experimente, dafür aber absolute Klarheit und Direktheit in der Rhetorik, dabei mit einem guten Gespür fürs richtige Maß in den Ausprägungen. Das wurde schon bei Beethoven deutlich, wo es um ein feinsinniges Changieren zwischen Heiterkeit und dramatisierender Moll-Eintrübung ging. Vinnik erhob das perlende Wirbeln im Klavierpart auch nur behutsam über die homogene Streichersubstanz.

Diese Geschmeidigkeit war bei Brahms nicht immer gefragt. Sperrige Passagen betonten auch in der Interpretation des Quartetts den persönlichen Hintergrund des Komponisten. Und das ruhelose Scherzo füllte sich zum Bersten mit Spannung. Die scheinbar beruhigenden Zäsuren zuckten nervös. Erst die Kantilene und die empfindsamen Rücknahmen im Andante gönnten dem Publikum eine Verschnaufpause, bevor sich die Melancholie der Finalsatzmelodie versöhnlich zeigte und der Satz sich nur gemäßigt verdüsterte. Das Ensemble beherrscht die Inszenierung der Abschlüsse sehr effektvoll. Auch bei Brahms nahmen sich die Musiker weit zurück, um auf die kraftvollen Schlussakkorde möglichst große Aufmerksamkeit zu lenken. Lang anhaltender, begeisterter Applaus.