Konzert:Liebe und sonst gar nichts

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Seefeld Schloss, Konzert

Facettenreich: Ekaterina Isachenko und Alina Shakirova (rechts) mit Pianistin Elena Arnovskaya (links).

(Foto: Arlet Ulfers)

Ekaterina Isachenko, Alina Shakirova und die Pianistin Elena Arnovskaya begeistern im Seefelder Sudhaus ihr Publikum mit Arien und Duetten aus Opern von Verdi bis Wagner

Von Reinhard Palmer, Seefeld

So ein Abend mit Arien und Duetten aus Opern "Con Passione" garantiert ein Wechselbad der Gefühle. Auch wenn Sopranistin Ekaterina Isachenko schon Recht hatte in ihrer lässigen Moderation: Es geht immer nur um das eine: um die Liebe, die glückliche und unglückliche, verschmähte, verratene, irrtümliche, unmögliche Die Dramen überwiegen. Vor allem, wenn bei den Duetten nicht etwa die Rolle des Geliebten besetzt ist, sondern die der besorgten Dienerin oder gar der böswilligen Erzrivalin wie in Verdis "Aida", wo Prinzessin Amneris und Sklavin - und Prinzessin - Aida um den Feldherrn Radamès buhlen. Zumal, wenn Alina Shakirova mit ihrem tiefen, dunklen Mezzosopran wunderbar zwischen fürsorglicher Einfühlsamkeit und Zorn mit vielen Facetten dazwischen differenziert. Ein großartiges Duo, das die Pianistin Elena Arnovskaya am Flügel einfühlsam begleitete. Rechtzeitig zu diesem Konzert hatte der Verein Kultur im Schloss Seefeld glücklicherweise die Optimierung der Sudhaus-Akustik ein bedeutendes Stück vorangebracht, sodass selbst dramatische Höhepunkte mit dreifach russischem Temperament störende Nebeneffekte zum Genuss wurden.

Dennoch: Man hätte sich bessere Absprachen im Vorfeld und eine kundigere Notenumblätterin am Flügel gewünscht, um nicht immer wieder von Slapstick-Einlagen am Nebenschauplatz abgelenkt zu werden. Das war schade, denn Isachenko wie Shakirova vermochten die szenische Illusion jeweils überzeugend herzustellen, ja sogar ein Gefühl fürs bildliche Szenario zu vermitteln. Zumal die publikumsscheue Arnovskaya auch am Flügel wunderbare Stimmungen ausbreitete. Das war wichtig, denn das Programm ging quer durch mehrere Länder, Schulen und alle möglichen dramaturgischen Ausprägungen des zentralen Themas.

Da kontrastierte etwa die Arie der Leonora aus "La forza del destino" von Verdi, von Isachenko hymnisch groß und aufgewühlt gesungen, mit der Lyrik Shakirovas in der Arie der Dalila "Mon cœr" aus "Samson und Dalila" von Camille Saint-Saëns. In "Acerba voluttá, dolce tortura" wütete Shakirova mit eruptivem Temperament, angesichts des Verlustes ihres Geliebten an die Schauspielerin Adriana Lecouvreur. Auch Isachenko fühlte sich sichtlich wohl in den an Dramatik und emotionalen Nuancen reichen Rollen. Als Imogene aus "Il pirata" von Vincenzo Bellini spürte sie in "Col sorriso d'innocente" überzeugend den Zwischentönen im komplexen Spiel nahender Entscheidung zwischen Leben und Tod des Gatten nach.

Romantik kam im Grunde nur einmal ausgiebig zum Zug. Und das überraschenderweise aus der Feder von Richard Wagner. Die Oper "Das Liebesverbot" (oder: "Die Novize von Palermo") hatte er im Alter von etwa 22 Jahren als "große komische Oper" komponiert, schon damals mit eigenem Libretto. Noch ganz der romantischen Tradition verhaftet, ist die Oper für Wagners Werk heute ohne Bedeutung. Isachenko stellte als Isabella mit "Kennst du das Leid ... O, war dein Herz" einen schwärmerischen Wagner vor, in dem man den späteren genialen Gauner noch nicht einmal erahnen kann. Es gab aber auch heitere Momente. Etwa in Giacomo Puccinis Duett "Scuoti quella fronda di ciliego" aus "Madame Butterfly" zwischen der Geisha Cio-Cio San alias Butterfly und ihrer Dienerin Suzuki, das den letzten Moment der Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang ihrer Liebe festhält. Shakirova begeisterte auch mit einer resolut rhythmisierten und kokettierenden Arie der Preziosilla "Al suon del tamburo" aus Verdis "La forza del destino". Das mitreißendste Duett, einen "Bolero" von Saint-Saëns, hoben sich Isachenko und Shakirova fürs Finale auf.

Dennoch konnten sie das in den Zugaben noch toppen: Shakirova in der Habanera der Carmen und Isachenko in einer furiosen Vivaldi-Arie.

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