Konzert:Bravouröses Heimspiel

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Konzert: Spannend: Violinist Louis Vandory, Pianistin Helena Lüft und Cellist Heinrich Klug (von links) beim Auftritt im Kulturhaus Gauting.

Spannend: Violinist Louis Vandory, Pianistin Helena Lüft und Cellist Heinrich Klug (von links) beim Auftritt im Kulturhaus Gauting.

(Foto: Arlet Ulfers)

Altmeister Heinrich Klug führt mit den Jungstars Louis Vandory und Helena Lüft im Gautinger Bosco Musik der Zarenzeit auf

Von Reinhard Palmer, Gauting

Mit seinen Kinderkonzerten, die er 1977 als Solocellist der Münchner Philharmoniker ins Leben rief, hat Heinrich Klug über die Jahrzehnte unzählige musikalisch begabte, früh preisgekrönte Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu Professionalität begleitet. Immer wieder auch gibt er Kammermusikkonzerte mit jungen Instrumentalisten, die er schon seit ihrer Kindheit kennt. Sein Heimspiel im Gautinger Bosco konnte der Buchendorfer daher mit zwei hochbegabten Nachwuchskünstlern bestreiten, die auf dem besten Weg sind, sich in der Klassikszene ganz oben zu etablieren. Der Geiger Louis Vandory, Noch-Meisterschüler von Julia Fischer, ist mit erst 22 Jahren schon ein gefragter Kammermusikpartner renommierter Musiker und als Solist mit der Dresdner Philharmonie, den Münchner Symphonikern und dem Prager Kammerorchester erfolgreich aufgetreten. Weit gezogene Spannungsbögen und sensibel differenzierte Klanggestaltung verleihen seinem Spiel selbst in den zartesten Rücknahmen eine außergewöhnliche Ausdruckskraft.

Wie Fischer ist auch der Pianist Adrian Oetiker in Gauting daheim. Die erst 16-jährige Helena Lüft ist seine Jungstudentin, zugleich Schülerin einer 11. Gymnasialklasse. Ihre Sicherheit sowohl im Auftreten als auch am Instrument ist erstaunlich. Dank ihrer großartigen Fingertechnik erstaunte sie vor allem mit großer Flexibilität und Ausdrucksvielfalt in der spieltechnischen Differenzierung. Das ist im Klaviertrio von entscheidender Bedeutung, hat das Klavier doch gegenüber den beiden Streichern den Hauptanteil daran, die drei Stimmen zur Ensemble-Homogenität zu verbinden. Da gehört viel Einfühlsamkeit dazu. Gerade darin zeigte sich Lüft in der Reife ihrem Alter weit voraus.

Wer Heinrich Klug engagiert, bekommt auch einen redefreudigen Moderator. Nachdem das Programm zum Thema "Musik zur Zarenzeit" aus vielen kleineren Stücken bestand, war das salonmäßige Konzept mit Plauderei durchaus stimmig. Zumal die meisten Komponisten der russischen Schule von Sankt Petersburg aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Konzertbesuchern nicht immer so geläufig sind. Vor allem der im Zentrum stehende Klaviervirtuose Anton Rubinstein, der 1892 in Dresden-Kleinzschachwitz einst gegenüber von Klugs Geburtshaus gewohnt hatte.

Das Repertoire des Pianisten war so groß, dass er Unmengen an musikalischen Ideen abgespeichert hatte und in seinen zahlreichen Kompositionen kaum noch etwas Neues erfand. Eklektizismus kennzeichnet seine Werke; Rubinstein trug in den Stücken das Beste seiner Vorbilder zusammen. In den Duos für Violine, respektive Violoncello und Klavier, etwa in "Mélodie" op. 3/1+2, "Salonstück" op. 11/1 oder "Einsamkeit" op. 11/4, ist das deutlich nachvollziehbar. Mit Paganini vergleichbar schrieb Rubinstein aber auch Bravourstücke für Klavier, mit denen er selbst brillieren konnte. Lüft nahm die Herausforderung an und begeisterte in der Polonaise "Souvenir de Dresde" op. 116 wie im "Valse caprice" mit Virtuosität bei gestalterischer Klarheit. In den Werken weiterer Komponisten der Zarenzeit hatten es die Musiker leichter, Homogenität herzustellen. Das "Trio pathétique" von Michail Glinka hätte man allerdings gerne am Stück gehört, war es doch in dieser Interpretation insgesamt ein gut ausbalanciertes Werk zwischen schmissiger Dramatik, zarter Romantik, und Ausdruckstiefe.

Verschattete Melancholie wie wuchtige Fülle kennzeichnen ebenso die russische Schule, die der rote Faden im Programm war. "Chant triste" op. 56/3 von Anton Arensky übersetzte Klug in ein stilles, sinnierendes Leiden am Cello über einem leisen Pochen am Klavier, das Lüft zu großer Intensität steigerte. Ähnlich leidenschaftlich empfahl sich Rubinstein-Schüler Pjotr Tschaikowski, in "Mélodie" op. 42/3 mit einem empfindsam parlierenden Vandory, der in dessen "Scherzo" op. 42/2 erregt dahinwirbelte. Auch Sergei Rachmaninow durfte nicht fehlen. Er gab Lüft noch einmal die Möglichkeit, mit weit gespannter, sentimentaler Melodik über einer Tremolo-Begleitung mit ihrem bravourösen Spiel zu begeistern. Ein spannender wie abwechslungsreicher Konzertabend mit Wiederholungszugabe.

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