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Kommunalwahl im Landkreis Starnberg:Frau von Bürgermeister will Bürgermeisterin werden

Seefeld FWG,  Petra Gum

Sie hat sich diesen Schritt gut überlegt: Petra Gum will für die Freien Wähler Bürgermeisterin von Seefeld werden.

(Foto: Georgine Treybal)

Nach 30 Jahren tritt Wolfram Gum nicht mehr in Seefeld an. Nun bewirbt sich seine Frau Petra - allerdings für eine andere Partei.

Sie ist nervös, hat ein bisschen Lampenfieber. Verständlich. Schließlich geht es um viel an diesem Dienstagabend. Dabei ist Petra Gum Auftritte gewohnt, ob vor Schulklassen, vor Lehrern oder Eltern. Aber jetzt steht sie vor einer Gruppe Männern und Frauen, die sie überzeugen muss, dass sie die Richtige ist. Die Richtige für das Amt des Seefelder Bürgermeisters. Es hätte kein Lampenfieber gebraucht. Petra Gum wird mit 32 von 33 Stimmen Bürgermeisterkandidatin der Freien Wählergemeinschaft (FWG) Seefeld.

Gum? Ja, Gum. Petra Gum ist die Ehefrau des amtierenden Gemeindechefs Wolfram Gum, und sie will in seine Fußstapfen treten. Freilich nicht für die CSU, der ihr Mann angehört. Sie ist aus dem Ortsverband ausgetreten, erzählt die 50-Jährige. Zum einen, weil sie die überraschende Abwahl des Vorstands im Februar alles andere als anständig fand, ausgeheckt zwar nur von einer kleinen Gruppe innerhalb des Ortsverbands, "aber mit diesen wollte ich nichts gemein haben". Zum anderen sehe sie mehr Gemeinsamkeiten mit der FWG, "und Ortspolitik ist nicht Parteipolitik".

Petra Gum wird 1969 in Pottenstein in der Fränkischen Schweiz geboren. Das Fränkische ist ihr auch nach fast 30 Jahren in Oberbayern noch anzuhören. Sie ist ehrgeizig, beginnt schon mit Anfang 20 ihren Schuldienst. 1995 wechselt sie an die Grundschule Seefeld. Sie wird Koordinatorin und Fachberaterin für Förderlehrer, Beauftragte für Migration an der Schule, zwischendurch Lesebeauftragte und Multiplikatorin für Hochbegabte und hat 15 Jahre lang das Schultheater geleitet. Über das Schultheater haben sich Petra und Wolfram Gum auch kennengelernt. Die Lehrerin hatte sich ziemlich aufgeregt, weil es die Gemeinde Seefeld im reichen Landkreis Starnberg nicht schaffe, in ihrem Mehrzwecksaal funktionierende Scheinwerfer für eine Schulaufführung zur Verfügung zu stellen. Wolfram Gum hörte das, und die toughe junge Frau gefiel ihm. Beim dritten gemeinsamen Mittagessen machte er ihr einen Heiratsantrag - und sie sagte Ja. Das war vor 21 Jahren.

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Da war ihr Mann schon Bürgermeister. "20 Jahre bin ich die Lehre gegangen, durfte mitfühlen, mitfiebern, mitstreiten und mitentscheiden", sagt sie und sieht das durchaus als eine Qualifikation für das Amt an. Sie stehe mit Leidenschaft hinter der Entwicklung des Ortes, aber alles unterliege dem Wandel, schwierige Aufgaben stünden bevor. Sie möchte den Menschen zuhören, will wissen, was läuft und weiß genau, dass nicht immer alle ihrer Meinung sein werden, sollte sie Bürgermeisterin werden. "Aber ein Regenbogen ist nur so schön, weil er so viele Farben hat", sagt sie.

Sie habe lange über eine Kandidatur nachgedacht, erzählt Petra Gum. Zweifelte, weil sie keine Juristin ist, und ist gleichzeitig überzeugt, dass eine weibliche Sicht und Seite dem Ort nicht schaden würde. Ihr Mann habe sie bestärkt, und die Kinder Lara, 20, und Christopher, 18, sind überzeugt: "Mama, du rockst das." Sohn und Tochter sind bald zum Studieren aus dem Haus. "Ich bin 50 und brauche eine neue Aufgabe", sagt sie. Sie habe sich viele Gedanken gemacht, wie es mit Seefeld weitergehen soll. Der Flyer mit dem Wahlprogramm der FWG wird vom 20. September an verteilt.

Die Hoffnung, den künftigen Seefelder Bürgermeister stellen zu können, war für die FWG noch nie so groß. Nach 30 Jahren stellt sich der amtierende Gemeindechef nicht mehr zur Wahl, das Rennen ist völlig offen. "Wir brauchen keine Juristin, wir bauchen jemanden, der mit den Menschen umgehen kann", bestärkt FWG-Vorsitzender Peter Schlecht seine Kandidatin, die auch auf Platz eins der Gemeinderatsliste steht.

Für alle, die meinen, mit Frau Gum werde die Politik von Herrn Gum weitergeführt, hat die selbstbewusste Pädagogin die Antwort schon parat: "Das können nur die sagen, die mich nicht kennen. Denn die, die mich kennen, würden das nicht sagen."

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