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Kommunalwahl in Weßling:Sturm macht's

Michael Sturm will Themen wie Energiepolitik und bezahlbaren Wohnraum anpacken, aber sich auch als Corona-Krisenmanager bewähren.

(Foto: Arlet Ulfers)

Kandidat der Freien Wähler wird neuer Bürgermeister

Der Slogan auf seinen Wahlplakaten war unmissverständlich: "Sturm macht's". Und Michael Sturm hat es tatsächlich gemacht: Mit 65,57 Prozent der Stimmen hat sich der Kandidat der Freien Wähler deutlich bei der Stichwahl zum Bürgermeister durchgesetzt. Er kann im Mai die Nachfolge von Michael Muther antreten. Andreas Lechermann (CSU) hat 34,43 Prozent der Stimmen bekommen.

20 Wahlhelfer hatten die 3227 Stimmzettel in rund zwei Stunden ausgezählt. Besonders erfreulich: Die Wahlbeteiligung konnte in Weßling nochmals gesteigert werden. Während am 15. März 73,3 Prozent der Bürger - das waren 3103 - zur Wahl gegangen waren, waren es bei der Stichwahl sogar 76,31 Prozent, also 124 Bürger mehr. Insgesamt waren 4229 Weßlinger wahlberechtigt. "Ich bin froh, dass die Entscheidung so eindeutig gefallen ist", erklärte Sturm, der den Abend gemeinsam mit Ehefrau und den beiden erwachsenen Söhnen zuhause ausklingen lassen wird.

Eine große Überraschung war der Ausgang der Stichwahl nicht. Bei der Wahl am 15. März hatte Sturm als einer von fünf Bewerbern 33,9 Prozent der Stimmen bekommen. Gegenkandidat Andreas Lechermann (CSU) kam auf 27,2 Prozent. Nachdem die Grünen eine Wahlempfehlung für Sturm abgegeben hatten, waren dessen Chancen deutlich gestiegen. Schließlich hatten bei der Gemeinderatswahl fast 30 Prozent der Weßlinger "grün" gewählt.

"Ich hätte es mir anders erhofft", erklärte Andreas Lechermann. Für die nächsten Jahre hat er aber bereits einen "Plan B" parat. "Ich mache jetzt die Ausbildung zum Techniker", erklärte der Installateur. Im Gemeinderat wird er sich zwar weiterhin für die CSU engagieren, aber er schloss es "zu hundert Prozent" aus, in sechs Jahren nochmals als Rathauschef anzutreten. Auch als Zweiter Bürgermeister wird er nicht zur Verfügung stehen. Wer das werden könnte, darüber will sich Sturm in den nächsten Tagen mit den Gemeinderatsfraktionen beraten. Auch im Rathaus wird Sturm bereits ein paar Weichen stellen. "Die Verantwortungen in der Verwaltung müssen klarer definiert sein". Viel Einarbeitungszeit wird Sturm nicht benötigen. Der 53-Jährige sitzt seit 18 Jahren im Gemeinderat und ist seit sechs Jahren Vize-Bürgermeister der Gemeinde. In dieser Funktion hat er Muther bereits öfter vertreten. Zugute wird Sturm auch seine Erfahrung als Unternehmer mit 15 Mitarbeitern kommen. Allerdings wird er im Rathaus rund 100 Mitarbeiter führen müssen.

Was seine Firma betrifft, so wird sie ohne den bisherigen Chef weiterlaufen. "Die Nachfolge ist geregelt", erklärte Sturm. Lange hatte er gezögert, ob er seine Firma mit dem Rathaus tauschen sollte. Nur wenige Stunden bevor die Bewerbungsfrist für die Kandidatur abgelaufen war, hatte er doch noch seinen Hut in den Ring geworfen, wohl wissend, dass seine Chance angesichts seines Bekanntheitsgrades nicht schlecht waren.

Für die nächsten sechs Jahre hat Sturm bereits eine "To-do-Liste" aufgestellt. Die Kinderbetreuung soll ausgebaut werden. Umwelt, Mobilität und Energiepolitik sind Themen, aber auch bezahlbarer Wohnraum, der beispielsweise über Baugenossenschaften oder innovative Ideen geschaffen werden könnte. Außerdem soll ein Konzept für das Bahnhofsareal, aber auch für die Nachnutzung der alten Schulgebäude aufgestellt werden und natürlich geht es auch darum, die Interessen Weßlings beim Abfallwirtschaftsverband, der eine neue Anlage bei Mischenried plant, durchzusetzen. Angesichts der Corona-Pandemie wird die Agenda wohl angepasst werden müssen. Hier werde er als Krisenmanager gefragt sein.

© SZ vom 30.03.2020

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