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Kommunalwahl in Utting:"Ich bin dafür, das alte Rathaus abzureißen"

Als bisheriger Mitarbeiter im Bauamt weiß der neue Uttinger Bürgermeister Florian Hoffmann, wie Verwaltung funktioniert

Interview von Armin Greune, Utting

Am 1. Mai löst Florian Hoffmann Josef Lutzenberger auf dem Chefsessel im Rathaus ab. Zwölf Jahre lang hatte die Grün-Alternative Liste das Bürgermeisteramt inne, vor vier Wochen aber erhielt der von Ländlichen Wählern und der CSU/Bürgerliste nominierte Kandidat 53,6 Prozent der Stimmen und schlug damit Mitbewerberin Renate Standfest (GAL) aus dem Rennen. Der 36-Jährige arbeitet bereits im Uttinger Rathaus als Verwaltungsangestellter im Bau- und Umweltamt. Für die Ländliche Wählergemeinschaft saß er von 2014 bis Jahresmitte 2017 im Gemeinderat, bis er das ehrenamtliche Mandat niederlegen musste. Die SZ sprach mit ihm über die Lage im Rathaus, die anstehende Geschäftsübergabe und die kommenden Aufgaben in der Gemeinde.

SZ: Wo erreiche ich Sie gerade am Mobiltelefon?

Hoffmann: Ich arbeite heute als Teil der Kernbesatzung im Rathaus. In jedem Dreierzimmer sitzt ein Mitarbeiter, der Rest ist im Homeoffice angeschlossen.

Sehen Sie den Bürgermeisterposten als Beförderung an?

Nein, zuvor war ich Verwaltungsangestellter, künftig bin ich Wahlbeamter. Das Verhältnis zu den übrigen Mitarbeitern verändert sich natürlich schon, für die werde ich vom Kollegen zum Vorgesetzten. Aber die mich vorher geduzt haben, können mich auch weiter duzen.

Utting CSU BM Kandidat Florian Hoffmann

Florian Hoffmann, Feuerwehrkommandant und noch Verwaltungsmitarbeiter im Uttinger Rathaus, löst Josef Lutzenberger als Bürgermeister ab.

(Foto: Nila Thiel)

Für die Geschäftsübergabe ist es bestimmt praktisch, dass ihr Amtsvorgänger im selben Haus arbeitet wie Sie, oder?

Ja, das war seit der Wahl erst mal ein kontinuierlicher Vorgang in kleinen Schritten, Josef Lutzenberger hat mich bei einigen Vorgängen spontan hinzugezogen. Nun ist er im Urlaub, aber die letzten eineinhalb Wochen vor meinen Amtsantritt wollen wir uns noch einmal intensiv um die Übergabe kümmern.

Was die Aufgabe als Chef der 13-köpfigen Rathausverwaltung angeht, starten Sie als Insider. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Das Rathaus ist viel zu klein, nicht barrierefrei und wird den Ansprüchen der Bürger nicht mehr gerecht. Es gibt kein Archiv und kein Besprechungszimmer: Da trifft man sich dann in der Küche, und in den kleinen Büros hockt man dicht aufeinander.

Für den künftigen Verwaltungssitz werden in Utting ja verschiedene Standorte diskutiert, wie etwa auch das frühere Bankgebäude in der Bahnhofstraße. Was favorisieren Sie?

Ich bin dafür, das alte Rathaus abzureißen und an gleicher Stelle einen Neubau zu errichten. Dazu müssen wir aber zuerst mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan Baurecht schaffen, denn ein Teil der Fläche liegt im Außenbereich.

Mit Post und Feuerwehr unterwegs

Florian Hoffmanns Berufsweg begann mit einer abgeschlossenen Schreinerlehre in einem Uttinger Handwerksbetrieb, ein Beruf den er nach der Dienstzeit bei der Bundeswehr nicht mehr aufnahm. Stattdessen arbeitete er mit einer Unterbrechung acht Jahre lang bei der Post, wo seine Mutter Christine Basinek noch immer als Zustellerin tätig ist. Hoffmann aber nahm im Juni 2017 eine berufsbegleitende Ausbildung zum Verwaltungsangestellten im Uttinger Rathaus auf. In der Folge musste er sein ehrenamtliches Mandat im Gemeinderat niederlegen, nachdem er drei Jahre zuvor auf der Liste der Ländlichen Wählergemeinschaft in das Gremium gewählt worden war.

In Utting ist Hoffmann vor allem für sein Engagement bei der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr bekannt, der er seit dem 14. Lebensjahr angehört. Vor einem Jahr wurde er einstimmig zum Kommandanten gewählt, nachdem er zuvor jahrelang Stellvertreter seines Vorgängers Andreas Streicher war. Hoffmann lebt seit seiner Geburt im September 1983 durchgehend in Utting, er ist ledig und kinderlos. arm

Der Rathausneubau ist ja in Utting seit mindestens eineinhalb Jahrzehnten Thema. Was hoffen Sie, bis zur nächsten Wahl in sechs Jahren erreichen zu können?

Irgendetwas werden wir jedenfalls machen müssen, sonst kriegen wir mittelfristig auch ein Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Also ich möchte bis 2026 schon einen Spaten in den Händen halten (lacht). Oder noch besser: den Rohbau sehen.

Die zweite Kernaufgabe eines Bürgermeisters ist, mit dem Gemeinderat die Kommunalpolitik zu gestalten. Welche Impulse wollen Sie da setzen?

Mir geht es ganz klar um das Miteinander im Gemeinderat. Ich sehe im Bürgermeisteramt vor allem eine Vermittlerrolle zwischen Gemeinderat und den Bürgern. Wir sollten zusammen beispielsweise zukunftsfähige Lösungen für kommunale Immobilien wie die Wohnquartiere am ehemaligen Dyckerhoff-Gelände finden. Immer nur Löcher im Altbestand stopfen, das wird auf Dauer nicht funktionieren.

Welches der bereits geplanten Vorhaben in Utting sehen Sie als vorrangig an?

Da stehen wir wegen der Coronakrise vor einer komplett veränderten Finanzsituation. Für heuer waren ohnehin keine großen Projekte vorgesehen, es geht jetzt eher darum, einzelne Maßnahmen zu verschieben. Es wird so kommen, dass wir den Rotstift in allen Bereichen ansetzen müssen - oder, wenn es der Gemeinderat so entscheidet, werden wir ein Darlehen aufnehmen. Im Haushalt ist ja keine neue Schuldenaufnahme geplant, aber Utting werden nicht nur Steuereinnahmen fehlen, sondern auch entgangene Pachtzahlungen: Die haen der Gemeindekasse 2019 mehr als 600000 Euro eingebracht, einen Großteil davon mit dem Campingplatz.

© SZ vom 16.04.2020

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