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Kommunalwahl in Seefeld:Der Mediator

Klaus Kögel sorgt sich um die Gräben, die sich durch den Gemeinderat und die Bevölkerung ziehen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die CSU schickt den Hechendorfer Manager Klaus Kögel ins Rennen

Ein Thema treibt Klaus Kögel besonders um. Es ist die Zerstrittenheit im Gemeinderat, seit ein neues Rathaus per Bürgerentscheid abgelehnt wurde und sich eine Bürgerinitiative gegen einen Klinikstandort im Aubachtal gegründet hat. Die Fronten ziehen sich auch durch die Bevölkerung. "Das macht mir Sorgen, das müssen wir auflösen", sagt der 61-Jährige, der für die CSU neuer Bürgermeister von Seefeld werden will.

Das Ausgleichende liegt ihm, "ist wohl mein Naturell", meint er. Im Laufe seines langen Berufslebens habe er so viele Konflikte erlebt, die meisten unnötig. Die Ausbildung zum Wirtschaftsmediator war die logische Konsequenz. Kögel studiert zunächst Jura, schwenkt nach dem ersten Staatsexamen zum Fach Kommunikation und Marketing um. Mehr als 30 Jahre lang ist er in Führungspositionen in der Automobilbranche tätig, bis er 2017 ins Management eines Kälte- und Klimatechnikunternehmens wechselt. Seit Anfang des Jahres ist er "freigestellter Angestellter", er will Zeit haben für den Wahlkampf. "Wenn ich was mache, dann richtig", sagt er.

Kögel ist in Krailling aufgewachsen, hat später 23 Jahre in Wörthsee gewohnt. Vor etwa acht Jahren zog die Familie - Ehefrau Gundi, drei mittlerweile erwachsene Kinder und eine Enkeltochter - nach Hechendorf. "Ein Glücksfall", dass sich dort ein bezahlbares Grundstück fand.

Wahlkampf bedeutet für Klaus Kögel: reden, reden, reden. Ob beim Klinkenputzen, an Infoständen, auf dem Wochenmarkt, bei Podiumsdiskussionen oder Stammtischen. Die Resonanz sei fast immer positiv, sagt er. An seiner Heimatgemeinde Seefeld schätzt er die hohe Lebensqualität, die er gerne ausbauen, aber zumindest erhalten möchte. Als begeisterter Sportler - er schwimmt, wandert, fährt Ski, spielt Tennis, joggt und radelt - hat Kögel das Ziel, Seefeld zur fahrradfreundlichsten Gemeinde im Landkreis zu machen. Nicht nur der Gesundheit wegen, sondern vor allem aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes. Als einziger der vier Kandidaten spricht sich Kögel in seinem Wahlprogramm konkret gegen Gewerbe im Aubachtal bei Gut Delling aus. Wegen der explizit ausgewiesenen Landschaftsschutzflächen und der schützenswerten Flora und Fauna sei es "nicht geeignet, dort Gewerbeflächen auszuweisen und Betriebe anzusiedeln", heißt es. Ein neues Rathaus, ein Sportplatz für den TSV Hechendorf, genossenschaftlichen Wohnungsbau und eine nachhaltige Verkehrsentlastung von Drößling sind weitere Themen auf der Agenda.

Sollte Klaus Kögel am 29. März - eine Stichwahl ist so gut wie sicher - Bürgermeister von Seefeld werden, gilt es also zunächst, Brücken zu bauen. Die Erfahrung als Mediator hat er. Eine Erfahrung, die er auch zu Hause manchmal gut brauchen kann. Diskussionen daheim können schon mal hitzig sein, denn Ehefrau Gundi ist Mitglied der Grünen und kandiert jetzt auf der Liste Grüne/SPD/BI Eichenallee. Der Ehe hat es offensichtlich nicht geschadet: "Wir sind seit mehr als 30 Jahren glücklich verheiratet", sagt Klaus Kögel.

© SZ vom 28.02.2020 / csn
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