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Kommunalwahl in Herrsching:Sich selbst derbleckt

Robert Brack (vorne) hat den Text für die "Kirchtürme" Christina Reich (Mitte), Hubertus Höck (links) und Michael Bischeltsrieder geschrieben.

(Foto: Astrid Becker)

Die CSU übt sich im Wahlkampf in Satire

Ein Bürgerbegehren in Herrsching? "Unmöglich", finden die dritte Bürgermeisterin von Herrsching, Christina Reich, Michael Bischeltsrieder und Hubertus Höck. Freilich äußern sich die Drei, die für die CSU Herrsching kandidieren, nicht privat so, sondern in ihren jeweiligen Rollen als Kirchtürme, die sich fünf vor zwölf über die Zukunft der Gemeinde Herrsching auslassen. Das politische Derblecken in dieser Form hat sich ein vierter Kandidat, Robert Brack, für die Wahlkampfveranstaltung seines Ortsverbands einfallen lassen - und damit unmittelbar an die Tradition der Kirchturmgespräche angeknüpft, die es seit vielen Jahren in der Gemeinde gibt, etwa bei der Weihnachtsfeier des TSV Herrsching.

Und so unterhalten sich also die katholischen Kirchtürme Nikolaus und Martin mit dem "Campanile" der evangelischen Erlöserkirche. Zum Beispiel über die anstehenden Wahlen, die so gar keine Besonderheit mehr sind, weil es so viel zu wählen gibt, Bundestag, Landtag oder auch bei der Europawahl: "Und wenns gar nimmer wissen, was ma wählen kanntert, dann machas hoit a Bürgerbegehren", stellt Campanile alias Höck fest - und ist damit mitten in dem Thema, das in Herrsching zu allerlei Verwerfungen führt: die beiden Bürgerbegehren gegen den Standort des geplanten Gymnasiums am Mühlfeld, über deren Zulässigkeit nach der Ablehnung des Gemeinderats nun die Verwaltungsrichter befinden müssen. Dass dieses Thema nun ausgerechnet in einer Wahlkampfveranstaltung der CSU Herrsching auf satirische Weise angesprochen wird, beweist zumindest ein gewisses Maß an Selbstironie: Schließlich sind die Initiatoren dieser Begehren selbst CSU-Mitglieder wie Gerhard Knülle zum Beispiel oder sitzen für diese Partei sogar noch im Gemeinderat wie Willi Welte und Klaus Pittrich. Die beiden letzteren werden aber nicht mehr antreten - was Brack in seinem Derblecken aber nicht anspricht. Vielmehr spinnt er Zukunftsvisionen, zum Beispiel über Olympia, um das sich die Ammerseegemeinde doch bewerben könnte - mit einer Rodelbahn durchs Kiental und einer Beschneiungsanlage auf dem Königsberg. Aus dem geplanten Gymnasium wird ein Wintersportinternat, aus dem Widdersberger Weiher eine Eishockeyanlage, und Biathlon findet am See statt - um so das Gänseproblem zu lösen. Auch für den jetzigen Bürgermeister Christian Schiller gibt es Pläne: Er soll wegen seines Entertainertalents Stadionsprecher werden. Nur was ist, wenn irgendwer etwas gegen diese "genialen Ideen" habe, fragt Campanile. Gibt es dann ein Bürgerbegehren? Nein, kommen schließlich alle Drei überein. Denn das ist in Herrsching ja "unmöglich".

© SZ vom 13.02.2020
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