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Kommunalwahl in Feldafing:Musikalischer Genosse

Feldafing: SPD Bürgermeisterkandidat Jakob Stillmark

Jakob Stillmark hat den SPD-Ortsverein wieder aufgebaut.

(Foto: Nila Thiel)

Jakob Stillmark tritt mit einem Zehn-Punkte-Progamm an

FeldafingJakob Stillmark hat viel zu tun dieser Tage. Als wäre es nicht so schon genug: Stillmark ist Komponist, Pianist, Klavier- und Qigong-Lehrer, hat zudem erst am Dienstag das Abschlusszeugnis seines Studiums an der Musikhochschule München erhalten. Zu alldem kommen nun Podiumsdiskussionen, Klinkenputzen und Fotoshootings. Denn Stillmark möchte Bürgermeister in Feldafing werden. Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: erstens, weil Stillmark erst 25 Jahre alt ist, und zweitens, weil er für die SPD antritt. Das wirkt in Feldafing wie ein kühnes Vorhaben - zur Kommunalwahl 2014 fand sich in der Partei kein einziger Kandidat für den Gemeinderat, geschweige denn für das Bürgermeisteramt. Der Ortsverein war danach praktisch tot.

Dann zog vor dreieinhalb Jahren Jakob Stillmark nach Feldafing. Ziemlich zeitgleich, sagt er, sei er in die SPD eingetreten. Schon als Schüler in Wiesbaden, wo er aufgewachsen ist, habe er sich sehr für Politik interessiert. "In der Pubertät habe ich mit meinen Eltern so manche Diskussion geführt", sagt Stillmark - die beiden sind CDU-Anhänger. An seinem neuen Wohnort wollte er dann nicht mehr nur debattieren, er wollte etwas bewegen. Mit einer Handvoll anderer Genossen baute er die Feldafinger SPD vor knapp einem Jahr wieder auf - und wurde prompt Bürgermeisterkandidat.

"Zehn Punkte für Feldafing" hat er sich vorgenommen, die man auch auf seiner eigens für den Wahlkampf eingerichteten Facebook-Seite nachlesen kann. Ganz oben auf der Liste: Klimaschutz. Bis 2030 will Stillmark die Gemeinde klimaneutral machen. Außerdem wünscht er sich eine angemessene Gedenkstätte für das ehemalige Displaced-Persons-Lager auf dem Bundeswehrgelände. Weitere Anliegen: ein Jugendtreff, neue Anreize für Startup-Gründer. "Es braucht eine frische Perspektive für Feldafing", sagt Stillmark. Ein weiteres Anliegen ist die Kultur, Stillmark ist schließlich Musiker. Für Feldafing wünscht er sich einen Konzertsaal, "am liebsten mit einem vernünftigen Flügel". Vielleicht könne das in der Hans-Albers-Villa realisiert werden, hofft Stillmark. Zur Musik fand er durch seine Eltern, einen Opernsänger und eine Pianistin. Mit fünf Jahren saß er schon regelmäßig am Klavier, mit neun nahm er zum ersten Mal Kompositionsunterricht. Mittlerweile wurden Stillmarks Werke schon bei der Biennale in München und am Shanghai Conservatory of Music aufgeführt.

Politisch bringen ihm seine Jugend und Unerfahrenheit nicht nur Vorteile. "Es fällt uns schwerer als anderen, die Leute in der Gemeinde zu erreichen", sagt Stillmark. Trotzdem will er es in eine Stichwahl schaffen. Ob es für mehr reicht? Er sei Realist, sagt Stillmark nur. "Ich bin aber zuversichtlich, dass ich zumindest einen Sitz im Gemeinderat bekomme."

© SZ vom 19.02.2020 / chrk
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