Kommunalwahl in Dießen:Vier Fürsprecher

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Kommunalwahl in Dießen: Sandra Perzul und Florian Zarbo am Abend der Stichwahl - kurz bevor die ersten Ergebnisse auf dem Laptop in der Volksschulaula erschienen.

Sandra Perzul und Florian Zarbo am Abend der Stichwahl - kurz bevor die ersten Ergebnisse auf dem Laptop in der Volksschulaula erschienen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Sandra Perzul verdankt die Wahl zur Bürgermeisterin auch den unterlegenen Kandidaten

Von Armin Greune, Dießen

"Zarbo wählen! Wen sonst?" Mit diesem Plakattext haben die Freien Wähler Dießen den Bürgermeisterwahlkampf bestritten. Die rhetorische Frage haben die Bürger dann im zweiten Wahlgang klar mit Sandra Perzul beantwortet: Die Kandidatin der Dießener Bürger (DB) erhielt in der Stichwahl 55,8 Prozent, ihr Konkurrent 44,2 Prozent der Stimmen. Viel knapper war das Resultat im ersten Wahlgang, als Zarbo zwar unangefochten die Spitze einnahm, sich dahinter aber Sandra Perzul und Gabriele Übler (Grüne) einen nervenaufreibenden Kampf um den zweiten Platz lieferten. Lange lag Übler knapp vorn; erst als der letzte Briefwahl-Stimmkreis ausgewertet wurde, zog Perzul doch noch vorbei.

Viele Beobachter der Dießener Kommunalpolitik glauben, dass Zarbo in der Stichwahl bessere Karten gehabt hätte, wenn seine Gegnerin Übler statt Perzul geheißen hätte. Es wäre wohl fraglich gewesen, ob die übrigen Kandidaten der ersten Runde sich so einheitlich hinter die Grünen-Bewerberin gestellt hätten, wie sie für Perzul Position bezogen. Welches Gewicht dieser Empfehlung zukam, zeigt sich daran, dass den vier Unterstützern vor 14 Tagen fast so viele Wähler das Vertrauen geschenkt hatten wie Zarbo (26,2 Prozent) und Perzul (21,4) zusammen: Übler (21,0), Roland Kratzer (CSU, 12,1), Hannelore Baur (SPD, 9,0) und Volker Bippus (UBV, 5,2) erreichten in der Summe 47,3 Prozent.

Auf der anderen Seite stellen die Freien Wähler künftig mit sechs Sitzen die stärkste Fraktion im Dießener Gemeinderat, obwohl sie im Wahlkampf nicht gerade mit sachbezogenen Themen auffielen. Ihre zentrale Veranstaltung war ein "Polit-Dixie-Frühschoppen", zu dem laut Ankündigung "Mandys Gaudi-Blosn zur Unterhaltung" aufspielte: "Florian Zarbo stellt sich in den Musikpausen vor, präsentiert seine Ansätze für junge, moderne Politik und seine Heimatentwicklung für die Zukunft. Dazu laden die FW zu Frühschoppen, Bier und Weißwürscht ein." Die Plakatparole "Ergebnisse zählen. Zarbo wählen" könnte sich für den Beworbenen als Rohrkrepierer erwiesen haben; denn gerade mit kommunalpolitischen Ergebnissen kann der erst 25-jährige Kandidat als Newcomer ja gar nicht aufwarten. Man darf also gespannt sein, wie sich Florian Zarbo im künftigen Gemeinderat profilieren wird. Gut möglich, dass er in sechs Jahren erneut Anlauf nimmt, um seinen erklärten Kindheitstraum, Dießener Bürgermeister zu werden, Wirklichkeit werden zu lassen.

Die designierte Rathauschefin Perzul konnte am Sonntag wegen der Corona-Krise nur sehr bescheiden feiern. Nach der Auszählung traf man sich mit Fraktionskollegen und Freunden vor der Aula der Schule bei einem mitgebrachten Kasten Bier, auch Landrat Thomas Eichinger gratulierte dort mit Blumen. Daheim wurde in der Kleinfamilie angestoßen und "viel telefoniert, geschrieben und gemailt. Der Rest kommt noch," sagt Perzul: Wenn die Lokale wieder öffnen, will sie mit den Mitstreitern "schön essen gehen". Am Montag aber hat sie der Alltag wieder eingeholt. Als Pressesprecherin der Agentur für Arbeit fuhr sie vormittags nach Weilheim, um den Arbeitsmarktbericht zu formulieren. Dort muss man nicht nur Perzuls Abgang verschmerzen: Geschäftsführer Frank Zellner ist am Sonntag zum Peißenberger Bürgermeister gewählt worden.

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