Kommunalwahl in Berg:"Zsammhalten"

Lesezeit: 3 min

Der Leitspruch des neuen Bürgermeisters Rupert Steigenberger ist nicht auf die Corona-Krise beschränkt. Auch wenn momentan alles in der Schwebe ist, will er am Seeabstieg und der Erweiterung der Kinderkrippe in Biberkor festhalten

Interview von Sabine Bader, Berg

Aufkirchen:  Rupert Steigenberger

Rupert Steigenberger ist in Berg geboren und aufgewachsen. Was seine künftige Arbeit als neuer Bürgermeister angeht, setzt er auf gegenseitiges Vertrauen und darauf, dass die Parteien und Gruppierungen in Berg weiterhin gut zusammenarbeiten.

(Foto: Nila Thiel)

Der Beruf des Bürgermeisters ist für Rupert Steigenberger unbestritten Neuland, doch er betritt es gut vorbereitet. Ist der Architekt doch nicht nur der erklärte Wunschnachfolger des langjährigen Rathauschefs Rupert Monn, sondern er verfügt auch selbst über eine Jahrzehnte lange Erfahrung als Gemeinderat. 29 Jahre lang gehörte Steigenberger dem Gremium an, davon sechs Jahre als Dritter Bürgermeister. Von Mai an wird er nun die Sitzungen des Gemeinderats als neuer Berger Rathauschef leiten. Die SZ sprach mit dem 53-Jährigen über seine Pläne, Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft.

SZ: Herr Steigenberger, haben Sie einen Leitspruch, nach dem Sie in diesen Tagen handeln?

Steigenberger: Ja, den hab' ich. Er heißt schlicht: "Zsammhalten!" Das ist der Leitspruch, den uns unser 2007 gestorbener Pfarrer Monsignore Alfons Wimmer mit auf den Weg gegeben hat.

Zsammhalten, jetzt in der Corona-Krise oder ... ?

Nein generell. Jetzt wird es uns nur bewusster, aber in der Vergangenheit war das auch schon ein Motto, das mich begleitet hat. Wenn ich mich daran erinnere, dass die Zeit im Gemeinderat viel konstruktiver geworden ist in den letzten 20 Jahren unter Bürgermeister Rupert Monn. Da hat sich sehr Vieles verbessert im Vergleich zu früher. Ich denke, dass das Zsammhalten mittlerweile auch ein Leitspruch im Gemeinderat geworden ist. Wenn man zusammenhält, kann man für die Gemeinde viel mehr erreichen.

Wie schaut Ihr Zeitplan für die nächsten Wochen aus?

Naja, ich habe in Moment Osterurlaub. Den nutze ich, um mein Büro in München aufzuräumen und alles so fertig zu machen, dass mein Nachfolger problemlos meine Bereichsleitung übernehmen kann. Die Stelle ist aktuell ausgeschrieben und wird Mitte Mai besetzt. In der Zwischenzeit bin ich natürlich auf der zweiten Hochzeit unterwegs: im Rathaus. Dort bereite ich mit Rupert Monn und Geschäftsleiter Eric Fiedler meine Übernahme des Bürgermeisteramts vor. Dazu wird unter anderem auch die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderats gehören, die wegen des Abstandsgebots in Sachen Corona in der Oskar-Maria-Graf-Schule in Aufkirchen stattfinden soll.

Berg will ein Rathaus für 15 Millionen bauen, ein neues Feuerwehrhaus in Höhenrain errichten und ein Sportgebäude für den MTV. Dabei werden die Gewerbesteuern nach der Corona-Krise wohl rückläufig sein. Muss man da neu nachdenken?

Man wird alles auf den Prüfstand stellen müssen. Wir waren immer der Meinung, dass wir in Berg eine solide Haushaltspolitik machen sollten. Natürlich kann ein Fall wie Corona die Gemeinde auch dazu zwingen, Schulden aufzunehmen, aber wenn es irgendwie geht, wollen wir das vermeiden. Doch jetzt alles anzuhalten und nichts mehr zu planen, wäre auch kontraproduktiv. Wenn Corona wieder vorbei ist, braucht auch die heimische Wirtschaft Aufträge. Wir werden die Projekte, die momentan laufen, und Verpflichtungen, die wir eingegangen sind, auch zu Ende bringen. Alle neuen Vorhaben werden wir zwar planen, aber, ob und wann wir sie umsetzen, wird sich erst zeigen, wenn wir die kompletten Auswirkungen von Corona auf die Gemeinde- und Kreisfinanzen kennen. In Moment ist das alles in der Schwebe.

Wie sieht Ihre Prioritätenliste aus?

Der Seeabstieg in Unterberg, das MTV-Gebäude, die Erweiterung der Kinderkrippe in Biberkor und einige Straßenbaumaßnahmen, die begonnen wurden, werden wir wie geplant finanzieren und fertigstellen. Priorität hat für mich auch, dass wir unser Rathaus weiter planen. Denn das Planen braucht Zeit, und in dieser Phase werden noch nicht die großen Summen fließen.

Wenn Sie ein paar Wünsche frei hätten, wie sähe Berg nach ein paar Jahren unter Rupert Steigenberger aus?

Wenn Corona unsere Finanzen nicht zu extrem belastet, dann wünsche ich mir, dass das Sportheim des MTV fertig ist, dass wir den ersten genossenschaftlichen Wohnungsbau auf den Weg gebracht haben und die Mehrzahl der Haushalte einen Glasfaseranschluss hat. Ich hoffe, dass der Radweg von Allmannshausen nach Weipertshausen fertig, die Wohnanlage am Osterfeld bewohnt und Mörlbach an den Kanal angeschlossen ist. Und ich wünsche mir, dass wir ein neues Rathaus haben und auch positive Lehren aus der Corona-Krise ziehen konnten . . .

. . . die da wären?

Nun, wir sehen gerade, dass die Menschen bereit sind, auf Einiges zu verzichten, wenn es um die Gesundheit geht und um ihre Lebensgrundlagen. Es wäre meine Hoffnung, dass sich diese Erkenntnis auch im Hinblick auf den Klimaschutz durchsetzt.

Sollte jeder, wie Sie, ein E-Auto fahren?

Nein, das passt nicht für jeden. Wir müssen schauen, dass wir vielschichtig arbeiten. Wir haben zum Beispiel in der Gemeinde mit den Windrädern angefangen, anderorts passt vielleicht Photovoltaik besser oder Biogas. Wir sollten schauen, dass wir einen Beitrag dazu leisten, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Das fängt bei jedem einzelnen an und hört beim Verkehr und bei der Energieerzeugung im großen Maßstab auf. Es muss an unheimlich vielen Stellschrauben gedreht werden, um die Klimaziele zu erreichen.

Gibt es eigentlich etwas, was Sie sich von ihrem Vorgänger für Ihre künftige Arbeit abschauen wollen?

Was ich an Rupert Monn immer bewundert habe, ist, dass er es stets verstand, zu vermitteln und Frieden zwischen den politischen Gruppierungen zu stiften. Das würde ich gerne auch so hinkriegen. Ich hoffe, dass der Gemeinderat mir vertraut - darauf aufbauend, dass ich ihn immer gut und richtig informieren werde. Das will ich mir gerne von Rupert Monn abschauen.

Bäuerliche Herkunft

Rupert Steigenberger wird 1967 geboren und hat zwei ältere Geschwister. Seine Eltern stammten beide aus Bauernhöfen - der Vater aus einem bäuerlichen Anwesen in Berg, die Mutter aus einem Hof in Schlesien. Sein Vater ist Schreinermeister, der Sohn Rupert studiert Architektur. Nach dem Staatsexamen wird er zunächst Abteilungsleiter am Bauamt Technische Universität München. Es folgen berufliche Stationen als Technischer Betriebsleiter im Klinikum rechts der Isar, in der Bayerischen Staatsbauverwaltung und am Hochschulbaureferent an der Regierung von Oberbayern. Seit vier Jahren ist er Bereichsleiter für den Bundesbau und stellvertretender Amtsleiter am Staatlichen Bauamt München 1. Steigenbergers Ehefrau Gertrud-Maria ist Fachlehrerin an der Fünfseenschule in Starnberg. Das Paar hat zwei erwachsene Söhne: Johannes und Simon. Seit seinem 14. Lebensjahr ist Rupert Steigenberger in die Freiwillige Feuerwehr Berg und zählt dort heute zu den dienstältesten aktiven Mitgliedern. bad

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