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Kommunalwahl im Landkreis Starnberg:Zerfetzt, zertreten und geklaut

Plakatwand in Gauting

Nicht viel übrig geblieben ist von den Wahlplakaten auf einer Plakatwand der Gemeinde Gauting.

(Foto: Stephan Ebner/oh)

Die Parteien im Landkreis klagen über zerstörte Wahlplakate. Einige haben nun Anzeige erstattet.

Stefan Frey ist stocksauer. Sein riesiges Wahlkampfbanner am südlichen Gilchinger Kreisel ist gestohlen worden. Der Dieb musste dafür die Kabelbinder durchschneiden, mit denen das vier mal zwei Meter große Banner auf einem Hänger befestigt war. "Das ärgert mich wahnsinnig", sagte der CSU-Landratskandidat am Dienstag, nachdem er den Verlust festgestellt hatte. Die Teile - er hat insgesamt zehn - seien nämlich richtig teuer. Insgesamt 700 Euro musste Frey dafür bezahlen, "von meinem eigenen Geld". Sollte der Unbekannte das Banner wieder zurücklegen, will er es dabei belassen. "Ansonsten werde ich Strafanzeige stellen."

Wahlplakat

Dem Landratskandidaten Stefan Frey ist ein großes Banner von einem Hänger gestohlen worden.

(Foto: Privat)

Wütend und entsetzt sind auch die Kandidaten und Ortsverbände in Herrsching: Abgerissene und zerfetzte Wahlplakate gehören hier zur Tagesordnung - bei allen gleichermaßen, unabhängig von der Couleur. "Wir müssen täglich neu plakatieren", sagt beispielsweise die Dritte Bürgermeisterin von Herrsching, Christina Reich (CSU). Auch Bürgermeister Christian Schiller, der als Parteifreier antritt, weiß ähnliches zu berichten: "Auch bei mir ist schon etwas abgerissen worden." Die Grünen wehren sich mittlerweile gegen die Zerstörungswut auf ihre Weise: "Wir improvisieren jetzt mit unseren alten Leerplakaten." Auf weißem Grund haben sie einfach das Schlagwort "Klima" geklebt. Das erklären sie mit einem Hinweis und verbinden diesen mit dem Appell, ihre Plakate und die der anderen doch bitte hängen zu lassen: "im Sinne einer fairen Demokratie".

Plakate aller Parteien werden in Herrsching abgerissen.

(Foto: Privat)

Bei einer Bitte an die Zerstörer hat es Gautings Vizebürgermeister und Mifü-Kandidat Jürgen Sklarek nicht belassen. Er hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Von ihm sind etwa zehn Plakate entweder abgerissen, umgedreht oder gestohlen worden. Dies sei in der Ammerseestraße, Bahnhofstraße und im Ortsteil Buchendorf passiert, berichtet Gautings Polizeichef Ernst Wiedemann. Er weist aber darauf hin, dass sicher nicht alle Beschädigungen, Schmierereien oder Diebstähle von Wahlplakaten angezeigt werden. Die Taten werden als Sachbeschädigung behandelt, wobei den Tätern laut Gesetzbuch bis zu zwei Jahren Haft oder eine Geldstrafe drohen.

"Ein bisschen Schwund ist immer", ist die Erfahrung des CSU-Kandidaten Stephan Ebner aus vergangenen Wahlkämpfen. Aber diesmal ist der Schwund nach seinen Beobachtungen schon auffällig groß. Etwa 80 Plakatständer habe der Gautinger Ortsverband aufgestellt; dazu kommen 13 Plakatwände der Gemeinde, auf denen die Parteien und Gruppierungen ebenfalls Werbung machen dürfen. Regelmäßig müsse nachgeklebt werden, berichtet Ebner. Etwa alle drei Tage seien Mitglieder des Ortsverbands unterwegs, um nachzuschauen; pro Runde müssten zehn bis zwölf Plakate ersetzt werden. Am vergangenen Wochenende wurde eine komplette Metallwand der Gemeinde, die auf der sogenannten Postwiese steht, komplett abgeräumt. Dort hingen nur noch Papierfetzen.

Übel mitgespielt wurde auch dem CSU-Bürgermeisterkandidaten in Gilching, Harald Schwab. Auf einem großen Plakat an der Sonnenstraße schnitten Unbekannte sein Konterfei aus. Ein kleineres Plakat an der Ecke Römerstraße und Landsberger Straße wurde mit "Nein danke"-Graffiti übersprüht. Plakatständer der Gilchinger SPD sollen in Richtung Bahngleise geworfen worden sein.

Zerstörte Wahlplakate; Kandidaten in Fetzen

Plakate werden überklebt oder gleich ganz zerstört.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Grünen in Dießen haben Anzeige "gegen Unbekannt" erstattet. Laut Polizei waren ihnen drei Plakate in Mühlstraße, Prinz-Ludwig-Straße und Frontorstraße bereits im Januar entwendet worden. Zudem wurde ein Wahlplakat der Öko-Partei in der Grünhütlstraße ramponiert.

In Wörthsee würden immer wieder Plakate mit Aufklebern verunstaltet, sagt Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Eines ihrer Porträts sei mit einem Bärtchen verschmiert worden, ein Plakat des CSU-Kandidaten Thomas Ruckdäschel an der Etterschlager Straße sei bereits zweimal zusammengetreten worden. Das sei schon ärgerlich, weil die Aufkleber ständig entfernt und Plakatständer abgeholt, repariert und wieder aufgestellt werden müssten.

Die Berger haben ihre eigene Art des Wahlkampfs: Die Gruppierungen Einigkeit und Bürgergemeinschaft platzieren statt der üblichen Plakate große Transparente mit ihrem gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten Rupert Steigenberger auf den Wiesen. Sie sind alle noch da. Die Sperrholzkühe der QUH baumeln an den Gartenzäunen. Auf Plastik-Transparente verzichtet die Gruppierung aus Nachhaltigkeitsgründen. Einzig CSU-Kandidat Robert Schmid klagt über abgehängte Plakate mit seinem Konterfei und scherzt: "Vielleicht bin ich ja so schön, dass die Mädchen sie mitnehmen.

© SZ vom 19.02.2020 / abec, bad, csn, deu, rzl
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