Kommunalwahl 2026Sieben Bürgermeisterkandidaten in Starnberg

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Eine Plakatwand mit den Konterfeis verschiedener Bewerber: Am Sonntag, 8. März 2026, finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. In der Stadt Starnberg bewerben sich sechs Männer und eine Frau um das höchste kommunalpolitische Amt der Kreisstadt.
Eine Plakatwand mit den Konterfeis verschiedener Bewerber: Am Sonntag, 8. März 2026, finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. In der Stadt Starnberg bewerben sich sechs Männer und eine Frau um das höchste kommunalpolitische Amt der Kreisstadt. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Trotz vielfältiger Probleme scheint der Chefposten im Starnberger Rathaus begehrt zu sein: Sechs Männer und eine Frau bewerben sich um das höchste kommunalpolitische Amt der Kreisstadt.

Von Peter Haacke, Starnberg

Das Amtszimmer des Bürgermeisters von Starnberg gilt als einer der attraktivsten Arbeitsplätze Oberbayerns – zumindest was den Ausblick betrifft: Von der obersten Etage des Rathauses aus genießt man einen anheimelnden Blick auf See und Alpenkette. Das mag den Job im Rathaus vielleicht ein wenig erträglicher werden lassen. Doch die knapp 25 000 Einwohner zählende Kreisstadt wird, ebenso wie viele andere Kommunen auch, zunehmend von finanziellen und strukturellen Problemen geplagt.

Nach Jahren des Überflusses, in denen in der Stadt der Millionäre zwar einiges auf den Weg, manches andere aber auch nicht vorangebracht wurde, hat der Stadtrat schon seit geraumer Zeit Mühe, einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. Hinzu kommen die üblichen Probleme: Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum, Mangel an Gewerbeflächen, sinkende Einnahmen, steigende Ausgaben, marode Infrastruktur, Verödung der Innenstadt. Insbesondere zwei Komplexe beschäftigen die Starnberger schon seit Jahrzehnten: der geplante Bau des B2-Tunnels und die Seeanbindung – beides Relikte aus der Amtszeit von CSU-Bürgermeister Heribert Thallmair (1969-2002). Sie haben bis heute tiefe politische Verwerfungen in der Stadt hinterlassen.

Bei den Kommunalwahlen am Sonntag, 8. März, bewerben sich neun Parteien und Gruppierungen in Starnberg, sieben Kandidaten buhlen um das Amt des Bürgermeisters, so viele wie nie zuvor. Neben Amtsinhaber Patrick Janik (CSU, UWG) bewerben sich Frank Hauser (SPD), Anke Henniger (FDP), Severin Kistner (Grüne), Michael Landwehr (WPS), Eugen Stückle (BLS) und Ulrich Haase (AfD). Angesichts dieser Konkurrenz wird es mit großer  Wahrscheinlichkeit auf eine Stichwahl hinauslaufen, sofern kein Kandidat oder keine Kandidatin im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Die Entscheidung fiele dann 14 Tage später, also am Sonntag, 22. März.

Patrick Janik, CSU und UWG

Patrick Janik gewann 2020 gleich im ersten Anlauf die Bürgermeisterwahl in Starnberg.
Patrick Janik gewann 2020 gleich im ersten Anlauf die Bürgermeisterwahl in Starnberg. (Foto: Georgine Treybal)

Amtsinhaber genießen oft einen Wahlbonus. Und so verwundert es nicht, dass auch Rechtsanwalt Patrick Janik, 49, selbstbewusst an seine Wiederwahl glaubt. Er ist seit Mai 2020 Starnbergs Bürgermeister, seinerzeit unterstützten ihn CSU, UWG, SPD und Bürgerliste (BLS). Als ausschlaggebend für seinen Erfolg erwies es sich damals, dass seine Amtsvorgängerin die Stadt gleich mehrfach in die Schlagzeilen gebracht hatte. Viele der Hinterlassenschaften, Altlasten und Probleme konnte aber auch Janik bislang nicht beseitigen. Er steht für eine „Politik der ruhigen Hand“. Als seine größten Verdienste gelten die Befriedung des bis dahin chronisch zerstrittenen Stadtrats, ein Stillhalteabkommen mit der Deutschen Bahn um eine millionenschwere Klage und eine realistische Perspektive für das marode Hotel „Bayerischer Hof“. Janik kandidiert für CSU und UWG erneut nur für den Bürgermeisterposten, nicht aber als Stadtrat. Bei den Kommunalwahlen 2020 erzielte die CSU als stärkste Fraktion (acht Mandate) 26,8 Prozent der Stimmen, die UWG (drei Mandate) erreichte 11,2 Prozent.

Frank Hauser, SPD

Frank Hauser kandidiert für die SPD zum zweiten Mal nach 2014 als Starnberger Bürgermeister.
Frank Hauser kandidiert für die SPD zum zweiten Mal nach 2014 als Starnberger Bürgermeister. (Foto: Privat)

Die Sozialdemokraten gehen wieder mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen, Bewerber ist Frank Hauser: Er war 2014 schon einmal SPD-Bürgermeisterkandidat und landete seinerzeit mit 5,4 Prozent der Stimmen auf dem letzten Platz. Der 54 Jahre alte Volkswirt bewarb sich erstmals 1996 für den Stadtrat, saß zwölf Jahre im Kreistag und ist seit Mai 2025 nach zehn Jahren Pause als Nachrücker für Tim Weidner wieder Mitglied des Stadtrats. Hauser nimmt für sich eine Politik „mit Anstand, Haltung und ehrlicher Arbeit“ in Anspruch. Inhaltlich plädiert er für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, eine maßvolle wirtschaftliche Entwicklung und Investitionen in Bildung. Zudem sollen Energie, Wasser und Gesundheit in öffentlicher Hand bleiben durch eine Gründung von Stadtwerken. 2020 erzielte die SPD (zwei Mandate) einen Stimmenanteil von 6,1 Prozent.

Anke Henniger, FDP

Möchte an liberale Glanzzeiten anknüpfen: Anke Henniger, Bürgermeisterkandidatin der FDP.
Möchte an liberale Glanzzeiten anknüpfen: Anke Henniger, Bürgermeisterkandidatin der FDP. (Foto: Privat)

Starnberg war einmal eine Hochburg der Liberalen, aber diese Zeit ist schon seit Jahrzehnten vorbei. Dennoch glaubt Anke Henning, 59, als Spitzenkandidatin der FDP unverdrossen an ihre Chance als Bürgermeisterin. Die gebürtige Bochumerin und Mutter dreier Kinder im Alter von 14 bis 23 Jahren lebt seit 20 Jahren in Starnberg und arbeitet als Redakteurin in einem Starnberger IT-Unternehmen. Seit fünf Jahren ist sie Stadträtin, Co-Ortsvorsitzende, Gewerbereferentin sowie Mitglied im Vorstand der Liberalen Frauen Oberbayern. Im Wahlkampf setzt sie auf einen Dreiklang mit klassischen Starnberger Themen: „Smarter Verkehr“, „Lebendige Innenstadt“ und „Schöner zum See“. 2020 erzielte die FDP einen Stimmenanteil von 5,4 Prozent. Nach einem Zerwürfnis mit Marc Fiedler, der 2024 zur UWG wechselte, hatten die Liberalen nur noch ein Mandat.

Severin Kistner, Grüne

IT-Betrater Severin Kistner von den Grünen hofft auf viele Stimmen bei den Kommunalwahlen.
IT-Betrater Severin Kistner von den Grünen hofft auf viele Stimmen bei den Kommunalwahlen. (Foto: Privat)

Als Neuling in der Kommunalpolitik und „Zugezogner“ hat Severin Kistner einen frischen Blick auf Starnberg. Der 35-Jährige zog 2022 nach Wangen, mittlerweile lebt er im Stadtzentrum und ist Bürgermeister- sowie Stadtratskandidat der Grünen auf Platz 2. Sein Engagement begann am Wahlkampfstand, dann wurde er Beisitzer und Sprecher des Ortsverbands. Beruflich kommt Kistner aus der IT-Beratung. Er möchte sein digitales Know-how in die Kommunalpolitik einbringen für eine moderne, bürgernahe und effiziente Verwaltung. Schwerpunkte setzt er auf Digitalisierung, Infrastrukturentwicklung und nachhaltige Stadtmodernisierung. Sein Ziel: Starnberg zu einer Stadt machen, die Innovation, Lebensqualität und Zusammenhalt lebt. 2020 zählten die Grünen mit 21,7 Prozent Stimmenanteil als zweitstärkste Fraktion im Stadtrat (sechs Mandate) zu den großen Gewinnern der Kommunalwahl.

Michael Landwehr, WPS

Plädiert für das Machbare ohne Tunnel: Unternehmensberater Michael Landwehr kandidiert für die WPS.
Plädiert für das Machbare ohne Tunnel: Unternehmensberater Michael Landwehr kandidiert für die WPS. (Foto: Arlet Ulfers)

Erstmals seit 2008 schickt die „Wählergemeinschaft pro Starnberg“ (WPS) mit Michael Landwehr, 51, wieder einen eigenen Bewerber ins Rennen um den Bürgermeisterposten. Der Unternehmensberater rückte 2022 in den Stadtrat nach. Hier fiel der U-Boot-Referent der Stadt im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger durch eher moderates und sachliches Auftreten auf. Zentrales Anliegen der Gruppierung bleibt gleichwohl die Verhinderung des B2-Tunnels: Die WPS bezeichnet sich seit jeher als „politischen Arm“ der „Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“. Landwehr ist verheiratet und hat zwei Kinder. Als wichtigste politische Ziele für Starnberg benennt er eine nachhaltige Lösung der Verkehrsprobleme ohne Tunnel sowie eine Konsolidierung der städtischen Finanzen. Die WPS eroberte vor sechs Jahren mit einem Stimmenanteil von 9,5 Prozent drei Stadtratsmandate.

Eugen Stückle, BLS

Bislang ohne kommunalpolitische Verantwortung: BLS-Bürgermeisterkandidat Eugen Stückle.
Bislang ohne kommunalpolitische Verantwortung: BLS-Bürgermeisterkandidat Eugen Stückle. (Foto: Privat)

Anders als bei der Wahl vor sechs Jahren setzt die 1989 gegründete Bürgerliste Starnberg (BLS) – Motto: „Bürgernah und bodenständig“ – diesmal nicht auf Patrick Janik, sondern auf Eugen Stückle, 58, für den Chefposten im Rathaus. Der gebürtige Starnberger ist Vater dreier erwachsener Kinder, Fußballer und Elektroinstallateur mit 35-jähriger Berufserfahrung als Offizier bei der Bundeswehr. Auf der kommunalpolitischen Starnberger Bühne ist Stückle Neuling: Bei der BLS engagiert er sich seit 2020, seit knapp einem Jahr ist er Vorsitzender der Gruppierung. Deren Profil hat sich gewandelt: Die BLS als erste politische Vereinigung mit Schwerpunkthema „Umfahrung“ schreibt sich nunmehr einen Interessenausgleich in der Stadt auf die Fahnen. Vor sechs Jahren erzielte die Gruppierung 5,8 Prozent der Stimmen, was ihr zwei Mandate im Stadtrat einbrachte.

Ulrich Haase, AfD

AfD-Ortsvorsitzender Ulrich Haase ist Geschäftsführer eines Handwerker- und Dienstleistungsbetriebs.
AfD-Ortsvorsitzender Ulrich Haase ist Geschäftsführer eines Handwerker- und Dienstleistungsbetriebs. (Foto: AfD Starnberg)

Erstmals tritt die „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Starnberg mit elf Kandidaten – zehn Männer und eine Frau – für den Stadtrat an, Bürgermeisterkandidat ist Ulrich Haase. Pressevertreter waren bei der Aufstellungsversammlung nicht eingeladen. Haase ist Vorsitzender des erst im Mai 2025 gegründeten Ortsverbands Starnberger See, dem neben der Kreisstadt auch die Gemeinden Tutzing, Feldafing, Pöcking und Berg angehören. Er ist Geschäftsführer eines Handwerksbetriebs im Pöckinger Ortsteil Maising, der Dienstleistungen rund ums Haus anbietet. Politisch ist er öffentlich bislang kaum in Erscheinung getreten.

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