Der Wahlkampf ums Bürgermeisteramt in Starnberg ist eröffnet: Beim ersten öffentlichen Aufeinandertreffen von sechs der insgesamt sieben Bewerber auf Einladung der „Klimainitiative Starnberg“ – der AfD-Kandidat fehlte – ergab sich am Freitagabend eine kurzweilige, wenn auch thematisch leicht überfrachtete Veranstaltung. Einen direkten verbalen Schlagabtausch lieferten sich die Kandidaten im kleinen Saal der Schlossberghalle nicht, dazu waren das eher ungewohnte Format der Veranstaltung, die Vorgaben und Beschränkungen aber auch nicht angetan.
Die Veranstalter hatten ihre „besondere Gesprächsrunde“ unter das Motto „Zukunft Starnberg – Klima, Lebensqualität und Verantwortung“ gestellt – ein weites Feld. Die Statements der Kandidaten blieben auf zwei Minuten limitiert, Sanduhr und Gong beendeten konsequent die jeweiligen Redebeiträge. Für ausschweifende Einlassungen und Positionen zur Lokalpolitik blieb somit allerdings kaum Raum, eine tiefergehende inhaltliche Debatte innerhalb der fünf Themenblöcke war nicht gegeben. Für eine erste Orientierung zur Wahl am Sonntag, 8. März, und zum Kennenlernen der jeweiligen Kandidaten empfanden die meisten Zuhörer die Veranstaltung im „Fishbowl-Format“ dennoch als hilfreich.
Wer hat das Zeug für den Starnberger Bürgermeisterposten, wie ticken die Kandidatinnen und Kandidaten? Wie präsentieren sie sich, wer kann mit Sachkenntnis und Spontaneität punkten? Wie halten es die Bewerber mit Klimaneutralität, Wärme- und Mobilitätswende, Bauwende und Risikomanagement? Und was sollte oder könnte man tun, um besser für den Klimawandel in Starnberg gewappnet zu sein? Die Moderatorinnen Manuela Pelg und Elisabeth Carr stellten dazu einen „ehrlichen und aussichtsreichen Gesprächsabend ohne leere Versprechungen und Schönfärberei“ in Aussicht.
Diszipliniert hielten sich die Teilnehmer weitgehend an die Vorgaben: Amtsinhaber Patrik Janik (CSU, UWG) sowie seine Herausforderer Anke Henniger (FDP), Frank Hauser (SPD), Severin Kistner (Grüne), Michael Landwehr (WPS) und Eugen Stückle (BLS) verzichteten in gegenseitigem Respekt weitgehend auf persönliche Attacken, Unterbrechungen oder Abschweifungen. Vom Zuspruch zeigten sich die Veranstalter überrascht: Ein gemischtes Publikum mit rund 170 Interessierten – darunter amtierende wie ehemalige Kreis- und Stadträte sowie aktive Unterstützer der jeweiligen Kandidaten – folgte der gut zweistündigen Veranstaltung geduldig und ohne störende Zwischenrufe im hoffnungslos überfüllten kleinen Saal der Schlossberghalle.

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Die sechs Bewerber ums höchste kommunalpolitische Amt der Stadt zeigten sich angesichts des thematischen Spektrums unterschiedlich auf ihren Auftritt vorbereitet. Anke Henniger etwa, schon seit Anfang Dezember im Wahlkampf-Modus, ging unmittelbar vor der Veranstaltung noch einmal die wichtigsten Aspekte ihres Auftritts durch. Für ihre Statements erntete sie mehrfach verhaltenen Applaus, etwa zum Thema Klimaneutralität bis 2035 („Bei der Mobilität müssen wir Gas geben“) oder zur Bauwende. Kistner und Stückle, beide noch ohne Erfahrung in kommunalpolitischen Gremien, schlugen sich zwar wacker, vermochten mit ihren Beiträgen aber nur wenige Impulse zu setzen.
Unverhofft tauchte auch ein Klassiker im Wahlkampf auf, obwohl die B2-Tunnelfrage längst nicht mehr in Starnberg entschieden wird. Stückle bekräftigte ebenso wie Henniger und Landwehr seine ablehnende Haltung zum Bau des Tunnels und plädierte für eine Verlegung der Bundesstraße 2 auf die Westumfahrung. Beim Thema Wärme- und Energieplanung brachte Stückle („Ich bin auch kein Fachmann“) neben Nahwärme und Geothermie die Seethermie ins Spiel. Kistner möchte die Stadtverwaltung effizienter gestalten und unterstellte, man habe mit der Wärmeplanung „ein bisschen spät angefangen“, was Janik umgehend als „Falschinformation“ geißelte: Für das geplante „Moosaik“-Quartier im Norden der Stadt liege eine CO₂-freie Wärmeplanung vor, die bis 2028 verlangte Planung für Starnberg sei nahezu abgeschlossen.
Eloquenter präsentierten sich Bürgermeister Janik sowie Michael Landwehr, die jeweils in angemessener Kürze unaufgeregt und zielgenau Stellung nahmen. Schwerer tat sich hingegen Frank Hauser: Bei der Warm-up-Frage „Welche App auf Ihrem Handy würde uns überraschen?“ verweigerte der SPD-Kandidat die Auskunft: „Das sage ich Ihnen nicht.“ Bei der Frage zur Realisierung der Starnberger Energiewende rang der ehemalige Kreisrat und Bürgermeisterkandidat von 2014 merklich um Worte, beim abschließenden „Elevator-Pitch“ über eine Minute – also eine extrem kurze, prägnante Vorstellung wie in einem Fahrstuhlgespräch – wiederholte er die Darstellung seiner Person.
Die Klimainitiative will Fragen und Antworten auf ihrer Homepage veröffentlichen
Dem besonderen Format der Veranstaltung blieb es geschuldet, dass die Statements der Bürgermeisterkandidaten kaum hinterfragt wurden. Die vier Experten – Irmgard Franken (Bund Naturschutz), Marlene Greinwald (Energiegenossenschaft Fünfseenland), Oliver Berger (Energiewendeverein) sowie Architekt Helm Andreas Heigl – arbeiteten ihren vorbereiteten Fragenkatalog ab, zu einer echten Diskussion mit konträren Standpunkten kam es nicht.
Weil sich auch das Publikum per Handy und QR-Code einbringen konnte, ergaben sich am Ende der Veranstaltung rund 170 Fragen, die noch allesamt auf der Homepage der „Klimainitiative“ beantwortet werden sollen. Das Bonmot zum Abschluss des Abends blieb dem Amtsinhaber vorbehalten: Unter dem Aspekt der „Nachhaltigkeit“ stellte sich Janik die Frage, warum man denn einen neuen Bürgermeister wählen sollte, wenn der alte doch noch gut sei.
Weitere Orientierungshilfe zur Wahl des Starnberger Bürgermeisters im direkten Vergleich gibt es noch zweimal: Zu Podiumsveranstaltungen mit den Bewerbern um den Chefsessel im Starnberger Rathaus lädt der Familienbeirat am Mittwoch, 11. Februar, in die Volkshochschule ein. Die Heimatzeitung Starnberger Merkur hat für Dienstag, 24. Februar, eine Podiumsdiskussion angekündigt. Ob auch der siebte Bürgermeisterkandidat, AfD-Bewerber Ulrich Haase, daran teilnehmen wird, ist unklar.

