„Ein neues Format“, kündigte Moderatorin Patricia Contro den mehr als 100 Zuhörern im Festsaal des Andechser Hofs in Herrsching an. „Sie fragen, Bürgermeister und Landrat antworten!“. Was folgte, erinnerte an eine Bürgerversammlung, allerdings ohne den sonst obligatorischen Rechenschaftsbericht und ohne Partei-Reden, die Wahlkampfveranstaltungen oft schwerfällig machen.
Der erneut für das Amt des Landrats kandidierende Stefan Frey (CSU) und Herrschings parteifreier Bürgermeister Christian Schiller, der bei der Wahl am 8. März eine dritte Amtszeit anstrebt, verzichteten auf Seitenhiebe gegen politische Konkurrenz. Eigenlob kam vor, aber vergleichsweise dosiert. „Für sich werben und ein bisschen übertreiben, das gehört zum Wahlkampf dazu“, sagte Frey.
In den gut zwei Stunden kristallisierten sich zwei Themen heraus, die die Besucher besonders beschäftigten: steigende Kosten und der Verkehr in Herrsching. Gleich die erste Wortmeldung setzte den Ton. Robert Brack, ehemaliger CSU-Gemeinderat, sprach über steigende Mietnebenkosten. „Wenn die derart in die Höhe schießen, braucht man auch kein bezahlbares Wohnen mehr“, sagte er. Die Nebenkosten seien inzwischen fast so etwas wie eine zweite Miete. Als Beispiel nannte er die Gebühren der Ammersee-Wasser- und -Abwasserbetriebe, die um 50 bis 60 Prozent gestiegen seien. Auch die Müllgebühren hätten angezogen, ergänzte Frey.
Den Vorwurf eines „Selbstbedienungsladens“ wiesen Frey und Schiller jedoch zurück. Steigende Betriebs-, Investitions-, Lohn- und Materialkosten seien eine Realität, an der die Kommunen nicht vorbeikämen. „Das kostet Millionen und muss über Gebühren hereingeholt werden“, sagte der Landrat.
„Der Bund handelt kurzsichtig“, sagt Landrat Frey zur Krankenhausreform
Ein weiteres Sorgenkind waren die defizitären Starnberger Krankenhäuser. „Das war doch früher nicht so“, warf ein Bürger ein. Frey verwies auf die Gesundheitsreform, die auf Zentralisierung und Spezialisierung setze. Fallzahlen und Leistungsgruppen müssten erfüllt werden, langfristig solle es im Landkreis nur noch ein kommunales Krankenhaus geben statt der drei Standorte in Herrsching, Seefeld und Starnberg.
Heribert Merkhoffer hielt das für zu kurz gedacht. „Was machen wir im Krisenfall?“ Frey stimmte zu. „Der Bund handelt kurzsichtig“, sagte er. Kliniken würden abgebaut und in Krisen- oder Kriegszeiten fehlten dann die Betten, um Menschen zu versorgen.

Einigkeit herrschte darüber, dass angesichts der weltpolitischen Lage Vorsorge nötig sei. Das seien weitere Pflichtaufgaben, die die ohnehin klammen kommunalen Kassen belasteten. In diesem Zusammenhang kritisierte Frey den finanziellen Lastenausgleich. „Wir in Oberbayern geben zu viel ab. So fahren wir den Laden an die Wand“, sagte er. Um seine Pflichtaufgaben zu erfüllen, müsse der Landkreis 55 Prozent seiner Einnahmen von den Gemeinden über die Kreisumlage einziehen.
Diese Kritik habe er mehrfach vorgetragen. Dabei erleichtere ihm seine CSU-Parteizugehörigkeit den Zugang zu Entscheidungsträgern. „Da ruft man an, statt zu schreiben“, sagte Frey. „Parteien-Bashing“ könne er nicht nachvollziehen. Demokratie funktioniere nun einmal über Parteien. „So what, wo ist das Problem?“
Viele Wortmeldungen betrafen den Verkehr in Herrsching. Es ging um Tempo-30-Zonen, Busverbindungen, Bedarfsampeln, Schleichwege und Radverkehr. Schiller nahm die Hinweise auf. Applaus erhielt Frey für die Ankündigung, die durch das neue Gymnasium stark belastete Mühlfelder Straße auszubauen.


Beim Bahnhofsgebäude, so Schiller, scheitere die Sanierung bislang am Geld. Drei bis sieben Millionen Euro Investitionskosten stünden im Raum. „Das haben wir nicht.“ Die Gemeinde habe das Gebäude 2009 für 300 000 Euro gekauft. „Genau so viel hat 2025 die neue Toilettenanlage gekostet.“
Eine genossenschaftliche Finanzierung sieht Schiller skeptisch. Damit sie funktioniere, brauche es Renditen, die in Herrsching kaum zu erzielen seien. Gastronomie laufe nur mit Außenflächen, doch das Grundstück gehöre der Bahn. Hinzu komme kontaminiertes Erdreich: Ohne millionenschwere Bodensanierung dürfe nicht gegraben werden.

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Kritisch äußerte sich Schiller auch zur Tiefengeothermie. Der zuletzt diskutierte Bohrplatz im Herrschinger Moos liege außerhalb von Naturschutzgebiet und Biotop. Doch die Erschließung sei unklar. Vor allem fehle ein Wärmenetz, um die Energie in die Haushalte zu bringen. Ob sich das wirtschaftlich rechne, bezweifelte er. Ein Bürger widersprach. CO₂-freie Energie aus der Tiefe sei praktisch zum Nullpreis vorhanden und müsse nur verteilt werden.
Mit diesem Einwurf endete die Diskussion. Vieles blieb an diesem Abend offen, manches strittig. Das angekündigte „neue Format“ setzte auf Fragen und vermied die üblichen Wahlkampfrituale. Konkrete Antworten blieben dort vage, wo es teuer wird oder Zuständigkeiten verschwimmen. Ob bei Kliniken, Bahnhofsumbau oder Energieversorgung – die Debatte stieß immer wieder an die Grenzen finanzieller und politischer Spielräume.

