bedeckt München 15°

Kommunalwahl 2020:Vom Chefsessel auf den Spielplatz

Anna Elisabeth Neppel hat in ihren zwölf Jahren als Bürgermeisterin von Andechs Durchsetzungskraft bewiesen und Problemprojekte wie das neue Kinderhaus und die Sporthalle der Orff-Schule vollendet. Nun freut sie sich auf darauf, ihre Enkelkinder zu betreuen und zu reisen

Von Blanche Mamer, Andechs

Heftige Windböen ziehen über Erling und verwirbeln die Frisur von Bürgermeisterin Anna Elisabeth Neppel. Sie hat es sich nicht nehmen lassen, zu Fuß zum Schulgelände zu gehen, wo Mitte Oktober das neue Kinderhaus und die Sporthalle eingeweiht worden waren. "Ich bin schon sehr glücklich, dass alles geklappt hat und die Gebäude fristgerecht fertig wurden", sagt sie, lacht und streicht sich die Haare aus der Stirn.

Es hat schließlich lang genug gedauert und war auch nur deshalb finanziell möglich, weil das angrenzende Grundstück verkauft wurde und dort nun Doppelhäuser entstehen. Jedenfalls war noch zu Beginn ihrer zweiten Amtszeit 2014 nicht klar, ob das Projekt jemals Realität werden könnte: Sie hatte es 2008 von ihrem Vorgänger, dem amtierenden Landrat Karl Roth, quasi geerbt; die Pläne, das gesamte Grundstück für Schulzwecke zu nutzen, stammten sogar aus den 1990er Jahren und mussten modifiziert werden. Zufrieden ist Neppel mit der Ausführung in Holzbauweise und der geglückten Einfügung in das hügelige Gelände. Es tue gut, so ein wichtiges und langwieriges Vorhaben abgeschlossen an den Nachfolger übergeben zu können, sagt sie.

Bürgermeisterin Anna Neppel geht in den Ruhestand

Geschafft! Anna Elisabeth Neppel vor dem neuen Kinderhaus.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Nach zwei Amtsperioden als Rathauschefin und davor 12 Jahre als Gemeinderätin der Bürgergruppe wird die 69-Jährige nicht mehr kandidieren. Allerdings will sie noch einmal für den Kreistag antreten - auf der Liste der Freien Wähler. Den Kreisvorsitz der Obst-und Gartenbauvereine will sie ebenfalls aufgeben, sie schaut sich bereits nach einer potenziellen Nachfolgerin oder einem Nachfolger um.

Richtig stolz ist Neppel auf Umbau und Sanierung der Alten Schule in Machtlfing in eine Kinderkrippe und Übungsräume für Chor und Theaterfreunde sowie als Schlechtwetter-Unterkunft für den Waldkindergarten. "Der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes war damals schon sehr umstritten, doch heute sind alle glücklich, dass wir das durchgeboxt haben", findet Neppel. Auch die Entscheidung für die kombinierte Nutzung werde nun von allen Seiten gelobt, vor allem aber von den Machtlfingern. Mit dem Projekt hatte sie keinen leichten Stand im Gemeinderat, obwohl sie weit mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten auf ihrer Seite wusste und 2014 sogar von zwei Dritteln wieder gewählt worden war. "Es ist ein wunderbares Ergebnis, das mich auch sehr beflügelt hat. Doch jetzt ist genug. Ich will nun vor allem Oma sein und meine zwei Enkelkinder richtig kennenlernen. Meine ältere Tochter lebt in Potsdam und freut sich, wenn ich sie öfters besuche und zeitweise entlaste."

Neppel beim Garteln am Rathaus mit Hedwig Aumann (links).

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Neppel hat zwar nicht all ihre Vorhaben verwirklich können, doch die meisten auf einen guten Weg gebracht. Ein schwieriges Unterfangen war beispielsweise das sogenannte "Gewerbegebiet Frieding-Nord". Die Planung, die das Dorf Frieding - ihren Wohnort seit 1985 - stark verändert hätte, wurde abgespeckt und umfasst jetzt knapp 15 Hektar. Der fertige Entwurf wird in einer Bürgerinformationsveranstaltung am 2. März vorgestellt. Neppel bedauert sehr, dass sie das Projekt nicht mehr ganz abschließen wird. Dafür sieht es beim Gewerbegebiet Rothenfeld sehr gut aus. Zwei Grundstücke seien noch nicht bebaut und einige Betriebe noch am Investieren, doch die Gewerbesteuereinnahmen steigen. "Mir sind auch die Arbeitsplätze und die Ausbildungsangebote wichtig. Viele Mitarbeiter sind von hier und aus den Nachbarorten. Dasselbe gilt für unsere beiden wichtigsten Betriebe, die Klosterbrauerei und die Molkerei Scheitz, mit jeweils rund 200 Beschäftigten", betont die Bürgermeisterin. Die beiden Unternehmen, die Andechs europaweit zur Marke gemacht haben, hätten neu gebaut und ihre Produktionsanlagen auf den modernsten Stand gebracht. Sie beschäftigten ebenfalls vorwiegend Leute aus der Region.

Die Pläne der Molkerei Scheitz, einen Turm im Stil des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser zu errichten, hatten allerdings viel Aufregung ausgelöst. Das Vorhaben kam weder beim Kloster Andechs noch bei den alteingesessenen Erlingern gut an. Gebaut wurde dann ohne markanten Turm. Neppel sagt: "Das hat sich alles gut gelöst, die Gebäude in den Hundertwasser-Farben sind etwas ganz Besonderes." Zufrieden ist sie damit, dass der Bebauungsplan fürs Wieninger Schlösschen fertig wurde. Auch das war keine leichte Sache, das 3,5 Hektar große Gelände auf dem Moränenrücken hatte dem Max-Planck-Institut in Seewiesen gehört und Wissenschaftlern wie Konrad Lorenz, Irenäus Eibl-Eibesfeldt und Jürgen Aschoff als Forschungsstätte gedient. Das Herrenhaus werde erhalten, unten am Hang seien vorwiegend Einfamilienhäuser geplant, auf dem Plateau Mehrfamilienhäuser, in denen Wohnungen für Max-Planck-Mitarbeiter reserviert werden sollen. Derzeit werden die ersten Bauanträge behandelt.

Es gibt einige Projekte, die Neppel nicht mehr abschließen konnte. In Vorbereitung sind die Pläne der VR-Bank, an der Herrschinger Straße ein neues Gebäude für Wohnen und Gewerbe zu bauen. Fest steht, dass dort ein Hausarzt seine Praxis eröffnen wird, ebenso ein Tierarzt und ein Physiotherapeut. "Was ich auch gern noch gemacht hätte, ist ein Anbau für die Grundschule, wenn 2025 die Ganztagsschule kommt", sagt Neppel. Auch die Erweiterung des denkmalgeschützten Rathauses musste zurückgestellt werden, ebenso die Erweiterung des Friedhofs, die wegen Altlasten verschoben wurde.

Eine Tagespflege auf dem Grundstück hinter dem Haus Erling ist in Vorbereitung: Gespräche mit der Maro-Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen laufen. Gebaut werden sollen neben der Tagespflege zirka 30 geförderte Wohnungen. Auch der Neubau des Feuerwehrhauses in Frieding mit Räumen für die Landjugend muss warten. Dabei liegt Frieding ihr besonders am Herzen. Das Dorf sei ihr zur Heimat geworden.

Andechs  Machtwechsel im Rathaus

2008: Anna Neppel erhält von ihrem Vorgänger Karl Roth Amtskette und Rathausschlüssel als neue Andechser Bürgermeisterin.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Anna Neppel stammt ursprünglich aus Burghausen an der Salzach und war als Hauswirtschafts- und Ernährungsberaterin im Fünfseenland und in Weilheim tätig. Sie freue sich schon auf die Freizeit, auf mehr Zeit für ihren Garten, mehr Zeit für Reisen, fürs Wandern und Segeln. Auf die Insel Rügen würde sie gern fahren und in alle Städte in der Toskana. Und nach Barcelona, denn da war sie noch nicht. Vor allem aber freue sie sich auf ihr Oma-Sein. Neppel betont aber auch, sie sei gern Bürgermeisterin. Vor allem die Vielfalt der Aufgaben habe sie gereizt. "Dass man so viele verschiedene Bereiche bearbeitet, dass man sich ständig informieren muss und vielen Menschen zuhört, das hat mir gefallen. Und ich finde, das hält einen jung." Zwei Aufgaben warten noch auf sie. Bei der 60-Jahr-Feier zur Wiederbegründung der Burschenschaft im Juni wird sie die Schirmherrschaft übernehmen. Zudem wird sie am Wochenende vom 12. Juni den Besuch aus der Partnerstadt Kamnik in Slowenien organisieren. Neben 48 Vertretern aus Slowenien haben sich auch knapp 70 Besucher aus der zweiten Partnerstadt Amras in Tirol angemeldet. Es bleibt also noch einiges zu tun, bevor sie den Ruhestand genießen kann.

Als Nachfolger fürs Bürgermeisteramt bewirbt sich bislang Robert Klier, 47, von der Bürgergruppe. Klier unterrichtet an der Fachschule für Bautechnik und Meisterschule für das Bauhandwerk in München. Der parteilose Stefan Diebl, 50, der von der CSU nominiert und von den Grünen unterstützt wurde, hat seine Kandidatur am Dienstag zurückgezogen.

© SZ vom 08.01.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite