Viele Aufgaben eines Vize-Bürgermeisters in einer Gemeinde wie Gauting sind nicht hochpolitisch, sondern eher folkloristischer Art. Der Stellvertreter besucht Jubilare, um ihnen zum Geburtstag zu gratulieren, wenn Schützen und Sportler gleichzeitig feiern, dann teilt man sich die Festabende eben auf. In der Urlaubszeit und bei Abwesenheit der Chefin leitet der Vize auch mal eine Sitzung. Recht viel mehr ist es nicht. Meistens ist der stellvertretende Bürgermeister lediglich ein Gemeinderat wie 29 andere auch.
Dennoch gewinnt diese Personalie in Gauting gerade eine große Bedeutung: Wird es Jürgen Sklarek, der das Vertrauen von Bürgermeisterin Brigitte Kössinger genießt, in den vergangenen sechs Jahren gut mit ihr zusammengearbeitet hat und bei wichtigen kommunalpolitischen Themen einer Meinung mit ihr ist? Oder aber Hans Wilhelm Knape, der Kandidat der Grünen, der es fast auf den Chefsessel im Rathaus geschafft hätte und daraus den Anspruch ableiten könnte, vertretungsweise dort Platz zu nehmen? Er vertritt in vielen Fragen nicht Kössingers Linie, beispielsweise beim Streit um ein Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz.
Wer in Gauting Stellvertreter wird, ist die erste Probe aufs Exempel, wie die Arbeit im Gautinger Gemeinderat die nächsten sechs Jahre aussieht. Ob es also darum geht, gegensätzliche Positionen zu versöhnen und einen Ausgleich zu finden, oder ob die Devise gilt: Mehrheit entscheidet und basta.