KommentarPosten mit Aussicht

Die Grünen hätten von dem Stellvertreteramt in Gauting in der Zukunft profitiert

Von Michael Berzl

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Natürlich wäre das eine nette Geste gewesen, den Grünen, die im Gautinger Gemeinderat fast so stark sind wie die CSU, einen Vize-Posten zu gönnen. Ein Zeichen der Versöhnung nach dem Wahlkampf, ein Signal - mehr aber auch nicht. Der Gemeinderat ist nicht die Bundesregierung, es geht nicht um den Proporz in einer großen Koalition, nicht um den Posten des Vize-Kanzlers und Finanzministers mit großem politischem Gewicht und Machtbefugnissen. Sondern um den Stellvertreter, der zum Gratulieren kommt, wenn die Rathauschefin Brigitte Kössinger gerade nicht kann. Dass nichts wird aus der Idee, den Beinahe-Bürgermeister Hans Wilhelm Knape wenigstens zum Vize-Bürgermeister zu machen, war allen Beteiligten schon vor Dienstag klar, weil die Eine-Hand-wäscht-die-andere-Verhandlungen im Vorfeld gescheitert waren.

Den Gautinger Jubilaren dürfte es ziemlich egal sein, wer zum Höflichkeitsbesuch erscheint, um eine Aufmerksamkeit aus dem Rathaus vorbeizubringen. Mehrheitsverhältnisse sind für einen Vereinsfunktionär eher nachrangig, wenn es darum geht, wer bei einem Festabend das Grußwort der Gemeinde überbringt. Hauptsache, er redet nicht zu lange oder wenigstens unterhaltsam.

Mehr als für die Wähler ist es für die Grünen selbst von Interesse, wer welchen Posten in den nächsten sechs Jahren ausüben darf. Die vorherige Bürgermeisterin Brigitte Servatius hatte sich vor ihrer Wahl an die Rathausspitze als Stellvertreterin Bekanntheit verschafft. Wie beliebt der wiedergewählte Vize Jürgen Sklarek im Ort ist, zeigt allein schon sein hervorragendes Wahlergebnis. Sollte Knape mit einer zweiten Kandidatur liebäugeln, würden ihm sechs Jahre als Stellvertreter nicht nur wichtige Erfahrungen in der Verwaltung bringen.

© SZ vom 14.05.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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