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Kommentar:Letzte Chance

Mit ihren Hotelplänen am See tut sich Tutzing schwer

Von Manuela Warkocz

Tutzing setzt alles daran, am See wieder ein Hotel zu bekommen. Und befindet sich dabei in einer Zwickmühle. Klar, der alte Seehof neben dem Schloss war einst eine Attraktion. So ein massiges Gebäude wie das 2003 abgerissene Hotel kann man dort heute aber nicht mehr hinklatschen. Zu nah die Nachbarn, recht klein das Grundstück mit 7000 Quadratmeter. Ein schickes, kleines Boutiquehotel für eine exklusive Klientel rechne sich aber nicht, war über die Jahre immer wieder zu hören. Erst im Juni machte die Stuttgarter Beraterfirma Drees & Sommer unmissverständlich in einer umfangreichen Analyse deutlich, dass ein Hotel mindestens 139 Zimmer haben müsste, besser noch 159, um rentabel zu laufen. Das nahm der Gemeinderat schweigend zur Kenntnis.

Nur um am Dienstag dem Entwurf für einen Bebauungsplan zuzustimmen, der maximal 89 Hotelzimmer vorsieht. Zimmerchen, muss man eher sagen. Denn 22 Quadratmeter sind heutzutage nun wirklich kein Luxus, zumal da ja noch etwas Bäderartiges weggeht, was dann wohl auch eher eine Nasszelle ist. Von Suiten, die sich Gäste eines gehobenen Hauses am Starnberger See erwarten dürften, ist überhaupt nicht die Rede. Da reißen es auch Zimmer mit Galerie - ohne Tageslicht unter dem Dach - nicht raus. Natürlich ist es schön, wenn Tutzing sich durch öffentliche, ansprechend gestaltete Freiflächen einen ortsplanerischen Gewinn am See verspricht. Womöglich noch öffentlich nutzbare Plätze in der Hoteltiefgarage und einen Wellnessbereich für jedermann.

Aber wie attraktiv ist das für einen Hotel-Investor? Also, wer soll dieses Traumschloss bezahlen? Der Preis für das Grundstück dürfte sich allein zwischen acht und zehn Millionen Euro bewegen. Dazu kommen, wie Fachleute aus der Branche schätzen, 25 bis 30 Millionen Euro Baukosten. Eine attraktive Rendite ist da bei einem Hotel, das vielleicht als Familienresort Anklang finden könnte, schlecht zu erzielen. Bislang ist von einem Interessenten auch noch nichts zu hören. Dazu kommt, dass oberhalb an der Bräuhausstraße ein Hotel der Hotelgruppe Bari Group B. V. bereits genehmigt ist - mit etwa 6500 Quadratmeter Geschossfläche deutlich größer als das geplante Haus am Seehof-Gelände. Einzig die gegenwärtige Corona-Lage könnte für die Hotelpläne von Vorteil sein. Immobilien außerhalb der Städte sind gefragt, der Run auf Liegenschaften am Starnberger See hat noch einmal angezogen. Vielleicht findet sich jemand, der Geld sicher und ohne Renditeerwartung in ein hübsches Objekt am See steckt. Es dürfte die letzte Chance für ein Hotel an dieser Stelle in Tutzing sein.

© SZ vom 12.11.2020
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