Kommentar:Effizienz und Tranzparenz

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Die Debatte um Wohnungsbau in der Ortsmitte Tutzings ist zwar langwierig, aber auch ein Musterbeispiel dafür, wie Kommunalpolitik funktioniert

Von Linus Freymark

Nun ist es also vollbracht, die Planungsgrundlage für das Gebäude an der Hauptstraße 39 im Ortskern von Tutzing steht: Ein dreigeschossiges Gebäude mit ausgebautem Dachgeschoss und Gewerbeflächen im Erdgeschoss soll dort entstehen. Der Gemeinderat hat den Plänen am Dienstag zugestimmt, die Bedenken einiger Gremiumsmitglieder hinsichtlich der Höhe konnten ausgeräumt werden. Das Gebäude wird nun einen Meter niedriger als ursprünglich geplant, die Nutzfläche verringert sich dadurch jedoch nicht.

Die Entscheidung sowie deren Zustandekommen ist erfreulich. Tutzing braucht dringend Wohnungen, auch im Zentrum fehlt es an bezahlbaren Bleiben. Und da wäre es schade wenn nicht sogar unverständlich gewesen, wenn die Gemeinderäte letztlich für eine Reduzierung der Höhe zulasten der Nutzfläche gestimmt hätten. Denn so nachvollziehbar die Bedenken gegenüber markanten Gebäuden im Ortskern oftmals sind: In Tutzing waren sie unbegründet. Das geplante Gebäude hätte sich auch in ursprünglicher Fassung gut in die umliegenden Häuserreihen integriert. Selbst die Kirchtürme von St. Josef wären gemäß der Simulationen weiterhin sichtbar gewesen.

Angesichts dessen könnte man die Einwände einiger Gemeinderäte gegen den ersten Entwurf als kommunalpolitisches Aufplustern abtun, das die Planungen scheinbar sinnlos verlangsamt hat. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Entscheidungsfindung von Tutzing ist ein Musterbeispiel dafür, wie Kommunalpolitik im Idealfall funktioniert. Demokratische Entscheidungsprozesse finden stets im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Transparenz statt. Einerseits muss man vorankommen und Beschlüsse fassen. Andererseits müssen die Beweggründe ausreichend erklärt werden, um möglichst viele Menschen mitzunehmen. In Tutzing ist beides gelungen. Man hat sich die Einwände der Kritiker angehört und ist auf sie eingegangen, indem man einen neuen Entwurf mit reduzierter Höhe erarbeitete, dem auch die bisherigen Skeptiker zustimmen konnten. Das Ergebnis: Eine konstruktive Debatte mit einem am Ende einstimmigen Beschluss für das Bauprojekt, für den kein einziger Quadratmeter kostbarer Nutzungsfläche geopfert werden musste. Natürlich werden außerhalb des Gemeinderats nicht alle Tutzinger mit dem Entwurf glücklich sein. Aber in einer Demokratie geht es nicht darum, es allen recht zu machen, sondern möglichst Vielen - und genau das scheint in Tutzing nach anfänglicher Skepsis gelungen zu sein.

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