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Kommentar:Bärendienst Bürgerbegehren

Vom Bau des Gymnasiums kann die Gemeinde Herrsching nur profitieren

Die Verärgerung von Landrat Karl Roth und Bürgermeister Christian Schiller über die Gegner des Gymnasiumsbaus im Herrschinger Mühlfeld ist nur allzu verständlich. Um ein Bürgerbegehren gegen die 2015 getroffene Standortwahl zu starten, wird mit alten und längst widerlegten Argumenten das Gewerbegebiet an der Seefelder Straße als Alternative ins Feld geführt. Andernfalls drohe "ein Millionengrab im Mühlfeld" behaupten die Initiatoren, die anvisierten 70 Millionen Euro Baukosten reichten sicher nicht aus.

Dass aber ein Bau im Norden des Orts für den Landkreis und die zu zehn Prozent finanziell beteiligte Gemeinde billiger käme, ist nicht wirklich zu erwarten. Im Gegenteil: Roth geht von Mehrkosten in Höhe von mindestens zehn Millionen Euro aus, falls die Entscheidung für den bisherigen Standort fallen gelassen würde. Auch die mit einem Bürgerentscheid verbundene Verzögerung des Baus und der für Herbst 2022 geplanten Aufnahme des Schulbetriebs käme die Allgemeinheit teuer zu stehen: Jedes Jahr steigen die Baukosten automatisch um eine siebenstellige Summe, und die Kommunen müssen weiter Gastschulbeiträge für 550 Gymnasiasten zahlen, die derzeit täglich aus dem Landkreis hinauspendeln müssen.

Vor allem aber könnten die Initiatoren des Bürgerbegehrens ihrer Heimatgemeinde einen Bärendienst erweisen. Mit dem Areal unterhalb des Hechendorfer Bahnhofs steht für den Schulbau auch eine ernstzunehmende Alternative bereit. Für Herrsching wäre das eine verheerende Niederlage: Mit dem Gymnasium ist ja nicht nur ein langfristiger Imagegewinn verbunden, auch die Vereine und das soziale Leben im Ort profitieren von den Bildungs- und Sporteinrichtungen der Schule. Zudem wäre sie ein Segen für die wirtschaftliche Entwicklung Herrschings: Einzelhandel, Gastronomie und Gewerbe könnten sich täglich auf 800 Schüler sowie etwa 100 Lehrer und Mitarbeiter als potenzielle Neukunden freuen. Apropos freuen: Wenn alles liefe wie geplant, könnten die jetzigen Erst- bis Drittklässler die ersten Schüler des neuen Gymnasiums werden, hofft Jens Waltermann, Vorsitzender des Fördervereins für ein zweites Gymnasium im westlichen Landkreis. Zur Standortfrage beziehen die Eltern eindeutig Position: "Wer ja sagt zum Bürgerbegehren, sagt nein zum Gymnasium", heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Fördervereins zum Schulstart.

© SZ vom 11.09.2019
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