Die Starnberger Kliniken gehören zu den besten in Deutschland. Dies ergab die jüngste Zertifizierung durch die „Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen“ (KTQ). Bereits seit 2004 unterzieht sich das Starnberger Klinikum dieser freiwilligen Prüfung, die alle drei Jahre erneuert wird. 2015 kam die Klinik in Penzberg hinzu, 2022 Seefeld und Herrsching. Erstmals wurden in diesem Jahr alle vier Standorte im Konzernverbund geprüft.
Der Erfüllungsgrad betrug 88,7 Prozent, obwohl sich die Rahmenbedingungen seit 2004 „extrem geändert“ hätten, wie KTQ-Geschäftsführer Roland Neubauer am Dienstag in einem Pressegespräch bei der Vorstellung der Ergebnisse betonte. „Damit zählen die Starnberger Kliniken mit allen Standorten zu den 10 besten in Deutschland“, erklärte er. Laut dem Holding-Geschäftsführer Thomas Weiler ist der aktuelle Prozentsatz bislang noch nie erreicht worden. Nach seinen Angaben lagen die Werte vor vier Jahren noch bei etwas mehr als 70 Prozent. Aktuell würden Einzelwerte, beispielsweise bei der Patientenversorgung, sogar bei 90 Prozent liegen. Er bezeichnete die Beurteilung daher nicht ohne Stolz als „ein extrem erfreuliches Ergebnis“.
In dem Verfahren werden 48 Qualitätskriterien abgefragt, darunter Erreichbarkeit, Aufnahmebedingungen, Wartezeiten, operative Prozesse, Hygienedaten, Labor und Transfusionsmedizin, aber auch Sicherheitskonzepte, Brandschutz, Krankenhausalarm und -Einsatzplanung. Für das interne Alarmierungssystem zum Schutz von Patienten, Besuchern und Mitarbeitenden bekamen alle vier Standorte zudem das Prüfsiegel „DAKEP Zertifikat“ der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Krankenhaus-Einsatzplanung.
In der Praxis bedeutet das, dass über die Handy-App „FF-Agent“ sofort Alarm ausgelöst wird. Bei der Krankenhauseinsatz- und -alarmplanung geht es nicht nur um Brandschutz, sondern auch darum, wie man mit besonderen Situationen umgeht, beispielsweise bei Hackerangriffen, Gasaustritten oder Terroranschlägen.

Die Mitarbeiter werden regelmäßig für diese Situationen geschult, sogar Verwaltungsmitarbeiter würden einbezogen. Es gebe beispielsweise unvorbereitete Probealarme. Weiler lobte dabei das Engagement der Mitarbeiter – insbesondere in der Notfallmedizin. Die Starnberger Kliniken hätten die Zeit genutzt und Dinge eingeführt, die die Politik noch nicht vorschreibe, erklärte dazu Neubauer. So sei das Klinikum beispielsweise schon sehr weit mit der Einführung der elektronischen Patientenakte.
Für die Zertifizierung wurden 150 Mitarbeiter neun Tage lang befragt.
Der Qualitätsbeurteilung geht normalerweise eine Selbstbewertung voraus, in der man sich laut Weiler „schonungslos betrachtet“. Anschließend wird die KTQ beauftragt, um zu überprüfen, ob die Selbstbetrachtung den Tatsachen entspricht. „Es ist ein kontinuierlicher Selbstverbesserungsprozess“, sagte Weiler. Allerdings werde es mit jeder Zertifizierung schwieriger, die Quote zu erreichen.
Für die Zertifizierung wurden 150 Mitarbeiter neun Tage lang befragt. „Die Bereitschaft mitzumachen war enorm. Das spricht für die Zufriedenheit der Mitarbeiter“, berichtete Neubauer. Dies liege nicht zuletzt an Angeboten, wie beispielsweise moderate Gebühren für Mitarbeiterparkplätze. „Das sind Rahmenbedingungen, wo sich Mitarbeiter wohlfühlen.“ Doch nicht nur wegen des guten Rufs gehen nach Angaben des Holding-Geschäftsführers bei den Starnberger Kliniken trotz Fachkräftemangels noch immer ausreichend Bewerbungen ein. Natürlich liege das auch an der schönen Umgebung. Nach seinen Erfahrungen kommen aber später auch wieder Absagen, weil Mitarbeiter im Pflegebereich oft keine bezahlbaren Wohnungen finden.
Am Rande der Veranstaltung wurde bekannt, dass Geschäftsführer Peter Lenz das Starnberger Klinikum bereits Anfang des Jahres verlassen hat. Jasmin Taube hat die Geschäftsführung seither interimsmäßig übernommen, bis ein Nachfolger gefunden ist. Mit der Suche sei man schon sehr weit, versicherte Weiler. Auf die Gerüchte, wonach die Holding mit den vier Kliniken langfristig auf einen Standort zusammengezogen werden soll, reagierte Weiler verhalten: Dafür seien noch viele Schritte nötig, sagte er, es sei noch nichts entschieden.

