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Klinik-Neubau:Herrsching noch im Rennen

Landkreis verhandelt offenbar über Fläche an Seefelder Straße

Von Astrid Becker, Herrsching

Kommt die neue Klinik doch nach Herrsching? Wenn es nach dem Gemeinderat der Ammerseegemeinde ginge, gäbe es darauf eine eindeutige Antwort: ja. Zumindest hat das Gremium in seiner Sitzung am Montag auf Antrag der Grünen-Fraktion seinen Wunsch bekräftigt, den Neubau nicht in Seefeld zu errichten, sondern auf Herrschinger Flur. Um einen konkreten Standort in der Kommune war es zwar nicht gegangen, aber in Frage käme wohl ein Areal an der Seefelder Straße, das allerdings nur teilweise der Gemeinde gehört. Weitere Flächen müsste der Landkreis noch erwerben. Die Verhandlungen dafür scheinen doch noch nicht abgeschlossen zu sein.

"Wir ziehen alle Möglichkeiten in Betracht und prüfen sie eingehend", sagt Landrat Stefan Frey (CSU). Dazu gehöre auch Herrsching. Dass dort, wie es heißt, noch immer Grundstücksverhandlungen laufen, dementiert er nicht. Es dürfte dabei um eine Fläche gehen, die damals, als es um den Neubau des Gymnasiums ging, nicht zur Disposition stand, also ein Areal, das direkt an der Seefelder Straße liegt und über das die 18 000 Quadratmeter, die der Gemeinde bereits gehören, erschlossen und erreicht werden könnten. Für den Landkreis als zukünftiger Klinik-Bauherr wäre die Herrschinger Lösung wohl ideal: Denn die Alternative, die sich derzeit in Seefeld abzeichnet, birgt Risiken. Da ist der Landschaftsschutz, den die Seefelder Grünen, die Bürgerinitiative Eichenallee und der Bund Naturschutz - nach einem ohnehin beschlossenen Ratsbegehren am 27. Juni - nun noch mit einem Bürgerbegehren verteidigen wollen und gegen die Pläne für das Areal östlich des Friedhofs Stimmung machen. Da sind die möglichen ökologische Ausgleichsflächen, die der Landkreis dafür ausweisen müsste, ohne bisher überhaupt zu wissen, wie groß diese ausfallen müssten. Bedenkenswerte Faktoren jedenfalls, die in Herrsching nicht zum Tragen kämen. Deshalb war ein Neubau dort lange favorisiert worden - scheiterte bislang aber an den fehlenden Grundstücken dafür.

Der jetzige Antrag der Herrschinger Grünen im Rat kann daher auch als Bestätigung verstanden werden, dass wieder verhandelt wird - mal ganz abgesehen davon, dass die Herrschinger Fraktion damit ihren Parteifreunden aus Seefeld Amtshilfe leistet. Die dortige Grünen-Fraktion spricht sich zwar für einen Klinik-Neubau aus, aber eben nicht auf der geplanten und aus ihrer Sicht sensiblen Fläche in Seefeld. Doch ein Neubau in Herrsching würde nur möglich sein, wenn die Grundstückseigentümer verkaufen oder sich mit dem Kreis auf Erbpacht einigen. "Wir werden bald Näheres wissen", kündigt Frey an. Eine zweite Möglichkeit in Herrsching bestünde ebenfalls noch: die mittlerweile kreiseigene Schindlbeck-Klinik zu erweitern und aufzustocken. Darüber ist bislang kaum mehr diskutiert worden - zumindest aus Sicht von Robert Schindlbeck, dessen Vater sie gegründet hat. Er hat daher das 75. Jubiläum der Klinik zum Anlass genommen, den Gemeinderat zu einem Rundgang einzuladen. Fragt man ihn nach den wahren Beweggründen, dann sagt er: "Ich habe für alle Pläne Verständnis, werde aber nichts unversucht lassen, unser Lebenswerk zu erhalten."

© SZ vom 19.05.2021
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