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Medizin:Landkreis plant 80 Millionen Euro für neue Klinik ein

Die Krankenhäuser in Seefeld und Herrsching sollen zusammengelegt werden - in einem Neubau oder auf dem Gelände der Schindlbeck-Klinik. In Starnberg entstehen eine Kinder-Intensivstation, ein Kreißsaal sowie ein Dialysezentrum.

Es ist nur eine Zeile im Finanzplan des Landkreises, doch die hat es in sich: 80 Millionen Euro sind dort für die Zusammenlegung des Klinikums Seefeld mit der Schindlbeck-Klinik in Herrsching bis 2025 aufgeführt. Der Landkreis erwägt demnach, in den kommenden Jahren beide Krankenhäuser in einem Neubau unterzubringen. Der Chef der Starnberger Klinik-Holding, Thomas Weiler, bestätigt auf Anfrage der SZ, dass die Summe dafür eingeplant worden ist - die Höhe sei allerdings als "Worst Case" zu sehen, wie er sagt. Denn sie inkludiere nur staatliche Fördergelder in Höhe von 50 Prozent, 40 Millionen Euro müsste in diesem Fall der Kreis selbst aufbringen. In der Realität allerdings würden die Fördergelder wahrscheinlich höher ausfallen. Für die jetzige Klinik in Seefeld dürfte dies mittelfristig das endgültige Aus bedeuten.

Schon als der geplante Kauf der Herrschinger Schindlbeck-Klinik vom US-amerikanischen Myriad Genetics im Sommer dieses Jahres bekannt wurde, hatte sich Landrat Karl Roth (CSU) zur Zukunft der beiden Häuser geäußert. Damals sagte er, dass beide Standorte "auf jeden Fall" die nächsten fünf bis sieben Jahre parallel weiterbetrieben würden, "wir suchen aber nach der besten zukunftsfähigen Lösung". Eine Variante, die damals noch zur Debatte stand, die jetzige Klinik in Seefeld an- und umzubauen und sie mit Hilfe der Schindlbeck-Klinik und der damit verbundenen Gesamtbettenzahl wirtschaftlich führen zu können, scheint nun vom Tisch zu sein. Denn Holding-Chef Weiler spricht nurmehr von zwei Szenarien: Einen kompletten Neubau in Herrsching oder Seefeld - oder von einer Verlegung der jetzigen Klinikleistungen in Seefeld zur Schindlbeck-Klinik in Herrsching.

Herrsching Schindlbeck Klinik

Für die Investitionen der Holding, zu der unter anderem die Klinik Herrsching gehört, sind neue Kredite nötig.

(Foto: Georgine Treybal)

Auch dafür müsste gebaut werden. Der auf dem Areal zur Verfügung stehende Platz reicht aber früheren Aussagen Roths zufolge nicht aus. Zwei Grundstücke müssten wohl dazugekauft werden, hatte er in diversen Gesprächen angekündigt. "Es hängt also alles auch davon ab, wo wir Baurecht bekommen und ob wir überhaupt die Grundstücke dafür bekommen", so auch Weiler. Am Ende würden aber weder Landkreis noch Holding darüber entscheiden, wie es mit der Gesundheitsversorgung im Westen genau weitergeht, sondern wie hoch die Fördermittel ausfielen, die der Freistaat für die jeweiligen Varianten zur Verfügung stelle, glaubt der Holding-Chef.

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Doch zunächst muss erst einmal der Kaufvertrag mit Myriad unterzeichnet werden. Wann dies der Fall sein wird, vermag derzeit niemand zu beantworten - bis spätestens Ende des Jahres dürfte der Deal jedoch abgeschlossen sein. Denn dafür hat der Landkreis einen Nachtragshaushalt für 2019 aufgestellt - mit einer zusätzlichen Neuverschuldung in Höhe von 27 Millionen Euro.

Im Starnberger Krankenhaus stehen Millioneninvestitionen schon bald bevor. Klinikchef Weiler hat im Kreisausschuss eine Finanzplanung mit einem Volumen von 60 Millionen Euro vorgestellt. Dafür sollen unter anderem eine neue Intensivstation, eine neue Kinderklinik und ein neues Parkhaus gebaut werden.

Seefeld: Chirurgische Klinik; Dr. Rudolf Frank

Der Umbau des Klinikums in Seefeld scheint vom Tisch zu sein.

(Foto: Nila Thiel)

Allein das Parkhaus mit 300 Stellplätzen ist mit 9,5 Millionen Euro veranschlagt und ist das erste von mehreren Vorhaben, das umgesetzt wird. Der Neubau ersetzt ein Parkdeck im nördlichen Teil des Klinikgeländes, das marode ist und mittlerweile nur noch zum Teil genutzt werden kann, weil der Beton schon so stark vom Streusalz angegriffen ist. Ende des Jahres wird es ganz geschlossen, kündigte Weiler an. Auf der sogenannten Pferdewiese am anderen Ende der Oßwaldstraße entsteht gerade eine Ausweichfläche mit etwas mehr als 100 Plätzen. Wer die Parkplatznot rund um das Klinikum kennt, weiß wie dringend notwendig diese Interimslösung ist.

Größter Posten in Weilers Finanzplanung ist eine neue Intensivstation mit Dialyse und nephrologischer Praxis mit insgesamt zehn Plätzen. Das zweistöckige Gebäude soll direkt neben dem Eingangsbereich entstehen. Dafür muss eine Baumgruppe mit bis zu 400 Jahre alten Eichen geopfert werden. Bis zum Baubeginn vergehen aber mindestens noch zwei Jahre.

Die Klinik-Holding plant außerdem die Erweiterung der Kinderklinik um zwölf Plätze mit einer Intensivstation für Neugeborene und Kreißsaal für sieben Millionen Euro, ein dreistöckiges Verwaltungsgebäude mit Tiefgarage für 6,5 Millionen und eine zentrale Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte für zehn Millionen, in die dann auch die Kliniken in Seefeld und Penzberg ihre Geräte zum Sterilisieren schicken. Der Anteil des Landkreises an den Investitionen ins Krankenhaus summiert sich auf knapp 50 Millionen Euro.

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In den nächsten Jahren stehen auch für die Starnberger Klinik Investitionen in Millionenhöhe bevor.

(Foto: Georgine Treybal)

Angesichts der Ausgaben für Herrschinger Gymnasium und Starnberger Fachoberschule warnte FW-Kreisrat und Feldafinger Bürgermeister Bernhard Sontheim, die Schulden könnten auf 150 Millionen Euro wachsen. Das bedeute eine Pro-Kopf-Belastung weit über dem Schnitt. Florian Duday (Grüne) scherzte: "Da brauche ich erst mal einen Schnaps nach den Zahlen, die wir heute gesehen haben."

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