Klimawandel:Winter ade

Betrieb auf der Tutzinger Loipe; Wintersport im Fünfseenland

Es war einmal: 2019 fanden Langläufer vier Wochen lang auf der Tutzinger Loipe winterliche Verhältnisse vor. Heuer blieb Schnee bislang ganz aus.

(Foto: Franz Fuchs)

Genau vor einem Jahr herrschte im Landkreis zwar noch ein Schneechaos. Aber die letzte wirklich kalte Jahreszeit liegt weit zurück. Eine Wetterbilanz

Von Armin Greune, Hohenpeißenberg

Grüne Wiesen, so weit der Blick reicht, spektakuläre Sonnenauf- und -untergänge, dazwischen meist heitere Tage: So sieht im Fünfseenland der Winter 2019/2020 aus. Bislang hat uns Petrus gerade mal für ein paar Stunden eine löchrige Schneedecke beschert - und Änderung ist auch nicht in Sicht. Ganz anders war die Wetterlage vor genau einem Jahr: Vom 3. Januar an schneite es oft, "vom 6. bis 14. Januar sogar anhaltend mit nur kurzen Unterbrechungen", hatte Wetterbeobachter Siegmar Lorenz vom Observatorium auf dem Hohen Peißenberg registriert: Dort türmte sich die Schneedecke im bis dato niederschlagsreichsten Winter seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen bis zu 105 Zentimeter hoch.

Doch auch wenn an den ersten beiden Februartagen nochmals heftige Schneefälle im Alpenvorland niedergingen - der Januar 2019 hat sich statistisch als Ausreißer erwiesen. Mit Ausnahme des Mais fielen alle übrigen Monate des vergangenen Jahres zu warm aus - und in der Summe ging 2019 als das bislang drittwärmste Jahr nach 2018 und 2015 in die Annalen von Hohenpeißenberg ein. Deutschlandweit war es das zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. In der ältesten Bergwetterwarte der Welt aber wird die Temperatur bereits 100 Jahre länger lückenlos aufgezeichnet. Für das ganze vergangene Jahr wurde auf dem Hohenpeißenberg ein Durchschnittswert von 8,7 Grad verzeichnet, 2,2 Grad mehr als im langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Seit 2000 trete "eine auffallende Häufung der Jahre mit einem Mittel von über 8 Grad Celsius auf", teilt Lorenz mit: Die letzten sechs Jahre überschritten alle diese Marge, deutschlandweit lagen neun der zehn wärmsten Jahre im vergangenen Jahrzehnt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Deutschlands und der Welt erwies sich das Alpenvorland 2019 auch als relativ nass: Mit 1286 Litern pro Quadratmeter wurde am Observatorium Hohenpeißenberg um sechs Prozent mehr Niederschlag registriert, als die Statistik erwarten ließe. Diese Daten lägen seit Jahrzehnten im Bereich der natürlichen Schwankungen, es seien "keine Anomalien in die eine oder andere Richtung" erkennbar, meldet Lorenz.

Was die Sonneneinstrahlung betrifft, sei in den vergangenen zehn Jahren freilich ein positiver Trend erkennbar: 2019 schien die Sonne 2001 Stunden und damit zehn Prozent länger als normal: "Deutschlandweit zeigte sich das Alpenvorland wieder einmal am sonnigsten," sagt Siegmar Lorenz.

Trotz des zu kalten Januars war der meteorologische Winter 2018/19 wieder um 1,9 Grad wärmer als erwartet. Das Frühjahr lag um 1,3 Grad über dem langjährigen Mittel, der Herbst um 1,6 Grad. Der Sommer aber übertraf den Durchschnitt gleich um 3,9 Grad, er war damit der drittwärmste seit 1781. Der Juni lag sogar um 5,6 Grad über der Statistik. "Ein Blick auf die Jahreszeitenmittel der letzten 20 Jahre zeigt, das besonders die Sommer stetige Wärmezuwächse aufweisen", sagt Lorenz.

Der heißeste Tag auf dem Hohen Peißenberg war der 24. Juli mit 31,9 Grad, fünfmal kletterte 2019 dort das Thermometer über 30 Grad, was meteorologisch als Hitzetag bezeichnet wird. Im 300 Meter niedriger gelegenen Rothenfeld betreibt die Landesanstalt für Landwirtschaft eine Wetterstation. Dort wurden 2019 zehn Hitzetage registriert, das Maximum lag bei 34,3 Grad am 26. Juni. Die Durchschnittstemperatur erreichte 9,2 Grad, es fielen 1005 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Langjährige Messreihen zum Vergleich liegen für diese Station leider nicht vor.

Zurück zum Winter, der diesen Namen kaum mehr verdient. Im vergangenen Jahr lag noch an 95 Tagen auf dem Hohen Peißenberg eine Schneedecke. Auch dort weist der Trend nach unten: Von 1991 bis 2010 war der 1000 Meter hohe Bergrücken im Durchschnitt an 110 Tagen weiß. Der letzte strengere Winter liegt nun elf Jahre zurück: Von Dezember 2008 bis März 2009 fiel die Temperatur durchgehend um bis zu zwei Grad unter das langjährige Monatsmittel.

Aber immerhin hat der Winter 2019 den Schulkindern im Landkreis Starnberg einen freien Tag beschert: Sie durften am 14. Januar wegen "Schneechaos" zu Hause bleiben. So etwas ist heuer den mittelfristigen Voraussagen zufolge vorerst nicht zu erwarten. Und auch im Vorjahr war der Winterspuk rasch vorbei: Nur auf dem Hohen Peißenberg blieb die Schneedecke den ganzen Februar über erhalten, doch selbst dort lag die Monatstemperatur um 4,7 Grad über dem Mittel.

© SZ vom 15.01.2020
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