Klimawandel:Es hat so viel geschneit wie noch nie

Andechs Machtlfing Schneemassen

Anstrengende Wochen liegen hinter dem Winterdienst: Allein in den ersten beiden Februartagen sind 30 Liter Schnee pro Quadratmeter gefallen.

(Foto: Georgine Treybal)

Der Winter war der bisher niederschlagreichste auf dem Hohen Peißenberg. Der Februar dagegen fiel deutlich zu warm aus.

Von Christian Deussing, Hohenpeißenberg

Der starke Schneefall hat Anfang Februar auf dem Hohen Peißenberg zu historisch hohen Messwerten geführt: So fielen an den ersten beiden Tagen des vergangenen Monats 30 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Damit habe sich die Schneehöhe am 4. Februar auf 88 Zentimeter erhöht, heißt es im Rückblick der Wetterwarte auf dem Hohen Peißenberg. An drei Tagen blieb das Temperatur unter null Grad, frostig war es an 14 Tagen. Doch insgesamt sei der Monat mit einer durchschnittlichen Temperatur von 3,6 Grad um 4,7 Grad zu warm und somit der fünftwärmste Februar seit Beginn der Messungen von 1781 gewesen, teilen die Fachleute des Observatoriums Hohenpeißenberg mit.

Aus Sicht der Meteorologen ist auch der vergangene Winter im Voralpenland durchschnittlich um knapp zwei Grad zu warm gewesen. Die Temperaturspanne reichte laut Pressemitteilung von minus 10,2 Grad am 23. Januar bis 14,7 Grad am 17. und 28. Februar. Die Sonne schien 173 Stunden, es war mithin der viertsonnigste Februar, seitdem die Messungen erfolgen. Während des gesamten Februars lag aber auf dem Hohen Peißenberg eine Schneedecke, die Ende des Monats bis auf 23 Zentimeter abschmolz. Den Hauch von Frühling beendete um den 10. Februar herum eine Kaltfront mit Orkanstärke und Windgeschwindigkeiten von bis zu 112 Stundenkilometern - aber nur für wenige Tage. Denn unter Hochdruckeinfluss gelangte Warmluft aus Nordwestafrika zum Hohen Peißenberg und zum Fünfseenland, so dass das Quecksilber auf ungewöhnlich hohe Werte kletterte.

Dagegen war der Januar sehr winterlich, um 1,4 Grad zu kalt und geprägt von "extremen Stauniederschlägen an den Alpen, verursacht durch eine mehrtägige andauernde Nordwestströmung", wie Siegmar Lorenz vom Observatorium erläutert. Es sei eine Unwettersituation entstanden, denn durch starken Wind habe sich der Schnee meterhoch aufgetürmt, den Straßen- und Bahnverkehr massiv behindert und alpine Touristenregionen von der Außenwelt abgeschnitten. Zudem sei die Schneedecke am 11. Januar auf 105 Zentimeter angewachsen - so hoch habe der Schnee noch in keinem Januar seit Beginn dieser Messungen im Jahr 1901 gelegen, berichtet Wetterbeobachter Lorenz. Überdies meldet er einen Rekordwert in der Niederschlagssumme für den Januar von 163 Litern pro Quadratmeter.

Insgesamt gab es in diesem Winter 61 Frost- und 29 Eistage. Er war auf dem Hohen Peißenberg der niederschlagsreichste Winter überhaupt mit 320 Litern je Quadratmeter, heißt es in der Bilanz. Dabei wird auch auf eine Mitteilung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) verwiesen. Demnach seien die vergangenen vier Jahre weltweit die wärmsten seit Beginn der Klimaaufzeichnungen gewesen. Für den Wetterbeobachter Lorenz ist es ein Warnsignal, dass laut WMO der Temperaturanstieg "Hand in Hand" mit der zunehmenden Konzentration klimaschädlicher Gase in der Atmosphäre gehe. Er wertet die Erkenntnis als "schlagkräftiges Argument für den menschengemachten Klimawandel", der mehr als nur ein Ausrufezeichen für politische Entscheidungsträger sei.

Bereits für das Jahr 2017 hatte die Wetterstatistik des Observatoriums den Klimawandel erkennen lassen - der auch nicht das Fünfseenland verschont.

© SZ vom 07.03.2019
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