Klimaschutz:Tritt für Tritt zur fahrradfreundlichen Kommune

Gezielte Überwachung von Abbiegern

Abenteuer Radfahren: Eine Arbeitsgruppe will die Verhältnisse in Starnberg verbessern, benötigt dazu aber Geld und einen Radverkehrsbeauftragten.

(Foto: dpa)

Starnberg gilt als Stadt der Autofahrer, doch künftig sollen auch Radfahrer mehr Verkehrsraum bekommen

Von Peter Haacke, Starnberg

Es gehört schon etwas Mut dazu, sich mit dem Fahrrad ins Starnberger Verkehrsgetümmel zu stürzen: Radwege sind eher die Ausnahme, viele Straßen sind schmal und manch Autofahrer nimmt es auch nicht so genau mit dem vorgeschrieben Seitenabstand. Wer sich nicht sonderlich auskennt in der Stadt, dürfte sich zuweilen gar bedroht fühlen vom überbordenden motorisierten Individualverkehr. Eine neunköpfige Arbeitsgruppe - darunter Bürgermeister Patrick Janik, die Verkehrsreferenten Franz Sengl und Thorsten Schüler sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung - haben sich nun daran gemacht, die Starnberger Verhältnisse zu durchleuchten und zumindest schrittweise konkrete Verbesserungen für Radfahrer auf den Weg zu bringen. Dabei gibt es jedoch zwei entscheidende Hemmnisse: Geld- und Personalmangel.

Dass Fahrradfahren in Starnberg in vielen Bereichen defizitär ist, offenbarte zuletzt auch der Fahrradklimatest 2020 - eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC): Mit Schulnote 4,4 landete Starnberg unter 415 Kommunen lediglich auf Platz 382, in allen abgefragten Kategorien von Abstellanlagen bis Sicherheit ergaben sich erhebliche Mängel. Der Verbesserungsbedarf ist groß, die Radfahrer wünschen sich mehr Sicherheit und Gleichberechtigung. Die Arbeitsgruppe aus Politik, Stadtverwaltung und Ehrenamt, maßgeblich zustande gekommen durchs Engagement der Stadtradel-Beauftragten Andrea Schmölzer, hat nun verschiedene Ansatzpunkte gefunden, um Radfahren attraktiver oder gar zu einem "Starnberger Lebensgefühl" zu machen: Aufklärung und Information sollen die Vorteile des Radfahrens in den Fokus rücken und damit mehr Menschen zum Umstieg aufs Radl motivieren. Dafür braucht es aber auch ein lückenloses Radwegenetz und sichere Abstellplätze, um etwa Schüler und Pendler dafür zu begeistern.

Die Wunschliste ist lang: Schutzstreifen, Gehwegverbreiterungen, Fahrradzonen und -straßen, Radwege und Anpassung von Straßenbelägen. Doch die Kassen sind leer. Im Stadtrat besteht daher Einigkeit darüber, dass alle nur in Frage kommenden Förderprogramme von Bund und Land in Anspruch genommen werden sollen. Zudem sollten 90 000 Euro pro Jahr - dies entspräche einem Fünftel der gesamten Starnberger Straßenunterhaltskosten - vom Jahr 2023 an in die Fahrradinfrastruktur der Kreisstadt investiert werden.

Fraglich ist, ob Stadtrat und Finanzausschuss das angesichts der angespannten Haushaltslage auch so sehen. Zumal die Fahrrad-Arbeitsgruppe personelle Forderungen formuliert hat: Für eine Mitgliedschaft im Verein "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern" (AGFK) - ein Netzwerk, das Erfahrungen zu Infrastruktur, Radkultur, Sicherheit und Umweltschutz austauscht - ist die Benennung eines Radbeauftragten innerhalb der Stadtverwaltung erforderlich. Dies wäre nur durch eine weitere Teilzeitstelle machbar, die mit rund 38 500 Euro zu Buche schlagen würde. Hinzu käme der AGFK-Jahresbeitrag über 2500 Euro, und der Stadtrat müsste einen ehrenamtlichen Experten aus eigenen Reihen benennen.

Immerhin, ein erster Schritt ist getan: Auf Antrag der UWG soll in der Strandbadstraße, die zum Wasserpark führt, eine Aufstellfläche für Radfahrer markiert werden, die in Richtung Gewerbegebiet wollen. Der Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität stimmte dem Vorhaben zu. Nun müssten auch noch die Fachstellen - Polizei, Landratsamt und Staatliches Bauamt - ihren Segen dazu geben.

© SZ vom 19.07.2021
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