Klassik Brillante Meisterschüler

Kostas Malamis (li.) und Min Jung Kim sind Meisterschüler der Gautinger Musikprofessorin Lena Neudauer.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Lena Neudauers junge Musiker glänzen in der Gautinger Remise

Von Reinhard Palmer, Gauting

Ein Csárdás ist schon geeignet als Zugabe, schickt er doch das Publikum in bester Laune nach Hause. Und er funktioniert selbst dann, wenn neun Geiger und zwei Pianistinnen mitwirken wie beim Kleinen Sommerfestival in der Remise des Gautinger Schlosses Fußberg. In dieser Zugabe fand der einzige Auftritt der Gautinger Hochschulprofessorin Lena Neudauer an diesem Abend statt, den acht ihrer Meisterschüler solistisch oder mit Klavierbegleitung bestritten. Mit den beiden brillanten Klavierbegleiterinnen der Münchner Musikhochschule Min Jung Kim und Tomoko Nishikawa waren dabei die Duobesetzungen bestens aufeinander eingespielt.

Eine Klassenpräsentation mit aktuell erarbeiteten Werken ist deshalb spannend, weil das Spektrum breit gefächert ausfällt. Im Programm ging es durch nahezu alle Musikepochen. Für die pädagogischen Qualitäten Neudauers sprachen einerseits die Sicherheit und Konzentrationsfähigkeit der jungen Musiker. Andererseits waren da auch deutlich individuell ausgeprägte Musikerpersönlichkeiten am Werk.

Meisterschüler sind in der Regel schon professionell konzertierend unterwegs und tummeln sich in diversen Wettbewerben. Etwa die in der Türkei geborene Georgierin Sofiko Tchumburidze. In Gauting überzeugte sie mit zwei Sätzen der g-Moll-Sonate von Bach BWV 1001. Für Misha Nodel war es nach 2017 ein Comeback in der Remise, diesmal mit Schuberts Feuerwerk spieltechnischer Finessen, dem Rondo op. 70 (D 895). Die kulturellen Unterschiede der Interpreten waren hier nicht gering. So ging der Grieche Kostas Malamis nicht nur sicher und routiniert, sondern auch schwungvoller und extrovertierter an die Sache heran als seine perfektionistischen und besonnenen asiatischen Mitstudenten. Der Kopfsatz der Fauré-Sonate A-Dur op. 13, in dem Min Jung Kim mit einer virtuos-orchestralen Begleitung aufwühlte, gab Malamis die Gelegenheit, elegischen Gesang mit südländischer Leidenschaft zu befeuern. Seine Teufelstriller-Sonate g-Moll von Tartini wirkte später dagegen fast gelöst. Der universelle Bach sorgte mit Soloviolinen immer wieder für Zäsuren im Programm. Mit der Südkoreanerin Sewon Cho in der a-Moll-Sonate BWV 1003 erklang ein verhalten sinnierendes Grave, frisch bewegt indes die Fuga. Die Japanerin Asako Iimori ging demgegenüber in der h-Moll-Partita BWV 1002 substanzvoller an die Materie heran, intensiv fortspinnend in der Sarabande, spritzig bis resolut im "Tempo di Borea". Die Südkoreanerin Gyehee Kim sattelte mit dem Scherzo der FAE-Sonate von Brahms einen energischen bis wuchtigen Beitrag drauf. Weit entfernt von der empfindsamen Hiu Sing Fan aus Hongkong, die Brahmsens lieblichen Kopfsatz der A-Dur-Sonate op. 100 plastisch durchgeformt hatte. Iimori durfte kurz vor Schluss noch einmal nachsetzen, nun mit Paganinis Caprice op. 1/15 in brillant-virtuoser Perfektion. Ihrer Landsfrau Fuga Miwatashi gehörte mit der "Fantaisie brillante sur des motifs de l'Opéra 'Faust' de Gounod" op. 20 von Henryk Wieniawski der Schlussknaller. Immer wieder an diesem Abend Begeisterungsstürme aus den etwas lückenhaften Publikumsreihen.