bedeckt München 22°

Klangkunst:Die Mutter aller Flöten

Jaya Peters widmet sich dem Didgeridoo, dem archaischsten aller Blasinstrumente. In ihrer Uttinger "Klangwelt" gibt sie Kurse und verkauft Naturinstrumente aus aller Welt.

Von Otto Fritscher, Utting

In diesem Zweckbau im Uttinger Gewerbegebiet würde man ein solches Loft nicht vermuten. Aber schon im Treppenhaus führen australische Dotpaint-Bilder hinauf zur Wohnung von Ute Peters. Sie hat ihren deutschen Vornamen Ute gegen ihren Künstlernamen Jaya getauscht, der im Sanskrit "Erfolg und Gelingen" bedeutet. In der Wohnung dann die nächste Überraschung: Auf der Galerie sind eine Reihe von Didgeridoos aufgestellt, daneben Klangschalen aus Indien, diverse Trommeln aus Afrika, und ein Korb voller Rasseln. Es sind "alles Naturinstrumente", wie Jaya Peters sagt. Die Didgeridoos, ursprünglich die Instrumente der australischen Ureinwohner, der Aborigines, sind aus dem Holz des Eukalyptusbaums, die Trommeln mit Ziegen- oder Pferdefell bespannt. "Seit 1989 spiele ich Didgeridoo, und seit 1994 gebe ich auch Unterricht", sagt Jaya Peters, eine fröhliche, offene Frau, der man die 59 Jahre nicht ansieht.

Ursprünglich hat sie Diplom-Pädagogik studiert, in Bamberg, und dann gejobbt, um sich Reisen zu ermöglichen. Zu einer Freundin nach Australien zum Beispiel. Der fünfte Kontinent faszinierte die junge Frau, sie blieb vier Jahre dort, fuhr mit dem Bus kreuz und quer durch die Lande, kam in Kontakt mit den Aborigines und deren Kultur, und lernte das Spielen auf diesem archaischstem aller Blasinstrumente. "Ich bin überzeugt, dass Klänge eine Wirkung auf den Menschen haben", sagt Jaya Peters.

Utting, Didgeridoo, Jaya Peters

Das Spielen eines Didgeridoos ist für Jaya Peters oft auch wie eine Meditation.

(Foto: Arlet Ulfers)

Man müsse "dem Klang nur Raum geben, und sich von Klängen berühren lassen". Und Klänge können nicht nur zur inneren Ruhe führen, sondern auch heilen, ist Peters überzeugt. Konsequenterweise macht sie deshalb eine Ausbildung zur Klangheilerin. Sie hat in ihrem Loft deshalb allerlei Naturinstrumente, ohne Tasten, Luftlöcher und ähnliches; ihre Instrumente dürften in einer gewöhnlichen Kombo kaum zu finden sein: Djemben, Klangaugen, Pow-Wows, Sansulas und Ocean Drums und so weiter.

Ein Didgeridoo ist ein von Termiten ausgehöhlter Baumstamm, etwa von einem Eukalyptus-Baum, "ein Geschenk von Mutter Erde", wie Jaya Peters sagt. Die Länge des Rohrs entscheidet über die Tonhöhe, je länger das Instrument, desto tiefer wird der Ton, den man dem Instrument entlocken kann. Was aber gar nicht so einfach ist. "Jeder kann es aber lernen", ist Jaya Peters überzeugt. Und sie präzisiert: "Jeder, der das kann." Sie bläst die Luft durch die geschlossenen Lippen und erzeugt dabei ein Geräusch, das an das Schnauben eines Pferdes erinnert. Meistens wenden Anfänger zu viel Kraft auf, Könner indes verwenden die sogenannte Kreisatmung, wie sie auch gute Saxofonisten etwa beherrschen. Nach neuen Erkenntnissen soll das Didgeridoo auch gegen das Schnarchen helfen. "Aber natürlich nicht, wenn man es nur hinstellt, sondern wenn man es spielt", sagt Jaya Peters. Das habe mit der Stärkung des Zungenmuskels und des Gaumensegels zu tun.

Jaya Peters ist überzeugt, dass Klänge auf den Menschen wirken. Auch bei Klangschalen und anderen Instrumenten.

(Foto: Arlet Ulfers)

Manche nehmen ein Didgeridoo "auch zur Bewusstseinserweiterung", wie Peters sagt, oder "um die Seele baumeln zu lassen". Manche spielen damit aber auch einfach in einer Band. Als sie 1994 bei einer Münchner Musikschule Unterricht geben wollte, wurde nichts daraus. "Damals hat kaum einer das Instrument gekannt", sagt sie. Heute ist das anders.

In Deutschland ist Jaya Peters mit ihrem Stand "Klangwelten.de" auf verschiedenen Festivals vertreten, seit 1994 auf dem Sommer- wie Winter-Tollwood. "Das brauche ich zur Werbung", sagt sie. Einmal im Jahr geht sie auf Reisen, mehr ist wegen des 14-jährigen Sohnes meist nicht drin. Auf Bali kauft sie die Taschen für diverse Instrumente ein. Wer lernt denn nun das Didgeridoo-Spielen? "Ich habe einen Bankdirektor unter meinen Schülern, aber auch junge Leute", sagt Peters. Unterricht gibt sie auch in Kursen bei der Schondorfer Volkshochschule im Herbst, einen Didgeridoo-Einführungskurs am 21. Oktober und einen Klang-Erlebnistag am 17. November. Auch die "Urkraft und Freiheit der Stimme" ist das Thema eines Tagesseminars am Samstag, 20. Oktober. Überhaupt die Freiheit: Sie scheint für Jaya Peters ein wesentliches Element zu sein.

Aufgewachsen ist Peters in Baden-Württemberg, aber schon seit mehr als zehn Jahren lebt sie am Westufer des Ammersees, in Riederau, in Dießen und nun in Utting. "Es ist einfach schön hier", sagt sie. Und es gibt offenbar auch eine ganze Menge Menschen, die sich für Naturinstrumente in welcher Ausprägung auch immer interessieren. Ein teures Hobby ist das nicht unbedingt. Ein gebohrtes Teakholz-Didgeridoo gibt es bereits für 90 Euro, ein Didgeridoo aus Eukalyptus kostet je nach Größe und Qualität einige Hundert Euro. Für Jaya Peters ist es die Mutter aller Flöten. Mit einem Didgeridoo lässt sich ein bestimmter Grundton erzeugen, der je nach Können variiert werden kann.

Wann Jaya Peters das nächste Mal nach Australien fährt, ist indes noch nicht klar. "Das Land hat eine ursprüngliche Reinheit", sagt sie. Aber auch in ihrem Uttinger Loft hat es Jaya Peters geschafft, eine freie, wohltuende und inspirierende Atmosphäre zu schaffen.

© SZ vom 19.09.2018
Zur SZ-Startseite