GlaubeWarum das Zehnt-Spanferkel stets kränkelt

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Ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Inninger Pfarrkirche St. Johannes Baptist ist der Kirchturm mit seiner Doppelzwiebelhaube.
Ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Inninger Pfarrkirche St. Johannes Baptist ist der Kirchturm mit seiner Doppelzwiebelhaube. Arlet Ulfers

Die Inninger Pfarrkirche St. Johannes Baptist gilt als besonders sehenswertes Rokokojuwel. Jetzt ist ein Buch über sie und ihre Historie erschienen.

Von Patrizia Steipe, Inning

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Sie ist ein "Rokokojuwel" und dürfe "ohne Übertreibung als eine der schönsten südbayerischen Pfarrkirchen bezeichnet werden", schwärmt Gabriele Kellerer, eine der Autoren des neuen Buches des Vereins Heimatgeschichte Inning. "St. Johannes Baptist - die Mitte Innings - mit der Inninger Pfarrei und dem Kirchenfriedhof", heißt das etwa 100 Seiten starke Werk, das in Inninger Geschäften oder bei Jutta Göbber und Horst Schramm erhältlich ist.

Bei ihren Recherchen in Archiven haben die Herausgeber Spannendes herausgefunden. Zum Beispiel über den "Kirchenzehnt", einer Vorstufe der Kirchensteuer, die in Naturalien bezahlt werden musste. Sie musste häufig vor Gericht erstritten werden, was Dokumente aus dem 19. Jahrhundert belegen. "Meine Gans hat der Fuchs gefressen", entschuldigte sich ein Bauer, der seine Zehnt-Gans nicht abgeliefert hatte. Ein Pfarrer beklagte dagegen, dass die Zehnt-Spanferkel "die schlechtesten sind, die man nur sehen kann, die wahrscheinlich krepieren werden".

Wer in der Kirche einen Sitzplatz wollte, musste einen Jahresbetrag für Stuhl oder Bank leisten. Auch die Kerzen für die Beleuchtung der Kirche, bevor sie 1927 elektrifiziert wurde, stammten von den Kirchgängern.

Die Pfarrei ist mehr als 800 Jahre alt

Die Kirche selbst hatte Pfarrer Johann Maximilian Marquard von Baar gestiftet. Seinen Grabstein findet man an der südlichen Innenwand der Kirche. 1767 wurde der Bau vollendet. Das Gebäude integriert Teile der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Vorgängerkirche. Die Pfarrei ist noch älter und zählt mit mehr als 800 Jahren zu einer der ältesten im Landkreis Starnberg. 2016 schloss sich die Inning mit Herrsching, Widdersberg, und Breitbrunn zur Pfarreiengemeinschaft "Ammersee-Ost" zusammen.

Seit 255 Jahren lassen die Inninger Gottesdienstbesucher ihre Blicke auf den prächtigen Hochaltar mit seinen Säulen aus Kunstmarmor, die Engel und Putten, die Madonna auf der Mondsichel sowie auf die Statue des Kirchenpatrons St. Johannes des Täufers, schweifen. Legen die Gläubigen den Kopf in den Nacken, blicken sie auf ein Deckenfresko mit heiteren Szenen aus der Bibel. Christian Wink, späterer kurfürstlich-bayerischer Hofmaler, der auch die Kirchen in Starnberg und Raisting ausgemalt hat, hat sie angefertigt. Die Detailaufnahmen im Buch helfen das Selbstportrait des Malers und seine Unterschrift im Deckenfresko zu finden.

Im Kircheninneren bestaunen die Besucher vor allem den prächtigen Hochaltar und die Deckenfresken.
Im Kircheninneren bestaunen die Besucher vor allem den prächtigen Hochaltar und die Deckenfresken. Arlet Ulfers

Ein weithin sichtbares Wahrzeichen ist der Kirchturm mit seiner Doppelzwiebelhaube. Die Höhe des Turms messe 174 Schuh, hieß es damals. Das entspricht ungefähr 58 Meter. Der quadratische Unterbau stammt aus dem 15. Jahrhundert. In der unteren Zwiebel ist Platz für eine Mini-Wohnung. Sie war vielleicht für den Türmer gedacht, mutmaßen die Autoren. 1937 fand dort ein Umtrunk anlässlich der Elektrifizierung des Glockengeläuts statt.

Die Aufgaben der Pfarrer waren gewaltig. Neben Messen, Wallfahrten, Andachten, Beichten, Taufen, Kommunionen, Hochzeiten, Beerdigungen in der Hauptkirche St. Johannes Baptist, in der Filialkirche Schlagenhofen und in den Kapellen in Buch, Arzla und in den mittlerweile abgerissenen Kapellen in Stegen und auf der Wörthinsel, musste der Pfarrer bis 1876 auch die Tauf-, Hochzeits- und Sterbebücher führen und war seit dem 30-jährigen Krieg für Unterricht zuständig. Inning hatte 1650 eine der ersten Dorfschulen im Landkreis. Der Lehrer war auch Schreiber, Mesner, Glöckner, Kirchturmwärter, Eintreiber des Kirchenzehnts und Organist.

Für den eigenen Unterhalt hatte der Pfarrer Bedienstete. Zum Hof von Kirchenstifter Pfarrer Baar gehörten beispielsweise Pfarrpfründe, die aus Stallungen, einer Wagenremise, einem Stadl, dem Back- und Waschhaus, dem Hausbrunnen, Gemüsegarten, Äckern, Wiesen und Waldungen bestand.

Sehenswert ist der Kirchenfriedhof mit den alten Familiengräbern, der bis 1952 belegt wurde. Hier liest man auf den Grabsteinen von alten Berufen wie dem "Rottmeister" oder dem "königlichen Straßenwärter". Hier liegt auch der Gründer der Stegener Brauerei, Ottmar Schreyegg. Besonders fällt die Grabkapelle auf, die der Posthalter, Salzniederläger, Brauereibesitzer und Tafernwirt Balthasar Reinpold, wohl aus Prestigedenken, hatte errichten lassen. Die kleine Kapelle mit ihren unverputzten roten Backsteinen und den Spitzbögen ist eines der frühesten Beispiele der Neugotik im Landkreis Starnberg. Seit 1991 gibt es hin und wieder Bestattungen auf dem alten Kirchenfriedhof, der um einen Urnenplatz erweitert wurde.

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