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Vogelschutz im Landkreis Starnberg:Ins Leere gelaufen

Hechendorf, Aubachweg Kiebitze PK

Der Kiebitz ist ortstreu. Seit Jahren gibt es im Aubachtal in Hechendorf eine kleine Population der vom Aussterben bedrohten Wiesenbrüter. Naturschützer und Behörden wollen, dass es so bleibt.

(Foto: Georgine Treybal)

Von den zuletzt 13 Kiebitzen im Aubachtal in Seefeld sind nur noch fünf übrig. Ein Desaster, findet Naturschützer Günter Schorn. Ihm zufolge sind die angeordneten Ausgleichsmaßnahmen nie ausgeführt worden.

Die Brutflächen für Kiebitze am Rande des Aubachtals in Hechendorf sollen unbedingt erhalten bleiben. Das wünschen sich nicht nur Natur- und Vogelschützer, sondern auch das Landratsamt Starnberg. "Wir sind mit allen Fachbehörden und dem Pächter des Ackers im Gespräch", sagte Landratsamtssprecher Christian Kröck am Dienstag der SZ. Mit einem Drohnenflug über die Äcker unterhalb des Bahnhofs Hechendorf habe man vergangene Woche erkundet, ob Kiebitze da sind und ob sie brüten. Das Ergebnis: Es seien noch wenige Vögel da, aber brüten würde keiner, sagte Kröck.

Von einem "Desaster" spricht Günter Schorn. Bis zu 13 Kiebitze seien noch vor zwei Wochen auf den zwei Äckern und den umliegenden Wiesen gewesen, schreibt der Starnberger Kreisvorsitzende des Bunds Naturschutz. Bei einem Ortstermin am vergangenen Freitag habe man festgestellt, dass nur fünf Kiebitze übrig geblieben seien. " Zwar konnten zwei Gelege bestätigt und markiert werden, wurden aber gefressen. Zwei weitere Weibchen machten vermutlich in der Wintersaat einen erfolglosen Brutversuch", so Schorn.

Die Kiebitze im Aubachtal machen nun schon seit vier Jahren Schlagzeilen. Zunächst war es die Freude darüber, dass dort 2017 in fünf Nestern etwa 20 Junge schlüpften. Ehrenamtliche Naturschützer, Behörden und Landwirte arbeiteten zusammen, ein einzigartiges Modellprojekt, das sogar das Fernsehen anzog, ganze Schulklassen und viele neugierige Spaziergänger. "Die Menschen sind wieder aufmerksam, blicken mit Stolz auf ihre Kiebitze und zollen der vom Aussterben bedrohten Tierart Respekt", schreibt Schorn. Doch dann sät der Landwirt, der den Kiebitzacker gepachtet hat, Wickroggen an und begründet dies zum einen damit, dass er Futter für seine Rinder braucht, und zum anderen damit, dass er nie die Ausgleichszahlungen erhalten habe, wie sie ausgemacht worden seien. Im Übrigen habe er Streifen für die Kiebitze freigehalten.

Nun fragt sich BN-Vorsitzender Schorn, was aus den Ausgleichszahlungen geworden ist, die die Regierung von Oberbayern 2009 angeordnet hat. Das Hechendorfer Brutareal sei nämlich als Ausgleichsfläche herangezogen worden für die Baumaßnahme eines Pferdehof-Besitzers in Starnberg. Dieser sei per Bescheid dazu verpflichtete worden, für Kiebitze einen ökologischen Ausgleich zu schaffen. Doch dieser Bescheid sei weder dem Eigentümer noch den Pächtern der Äcker in Hechendorf bekannt gemacht worden. "Die Ausgleichsmaßnahme zum Schutz der gefährdeten Vögel wird also seit mehr als zehn Jahren nicht ausgeführt und läuft ins Leere", folgert Schorn.

Im Landratsamt kenne man den Inhalt des Bescheids nicht, sagt Kröck. Zuständig für Überprüfung und Vollzug sei die Regierung. Die Regierung wiederum verweist "zuständigkeitshalber an die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Starnberg". Im Landratsamt versuche man jedenfalls alles, dass Brutflächen für Kiebitze im Aubachtal - die einzige Population im Landkreis - erhalten und sogar ausgeweitet werden, kündigt Sprecher Kröck an. "Wir wollen, dass es weitergeht, denn der Kiebitzbestand dort ist etwas ganz Besonderes."

© SZ vom 08.04.2020

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