Seit neun Monaten war Kater „Spezi“ ein treuer Gast im Starnberger Amtsgericht. Er durchstreifte sämtliche Räume und Flure oder schlief auch mal im Pförtnersessel oder auf Schränken ein. Die zugelaufene Justizkatze, die eigentlich „Milow“ heißt, wurde zum verschmusten Liebling der Wachleute, Mitarbeiter und Richter – und zum Medienstar. Doch seit zehn Tagen ist der Kater spurlos verschwunden und alle sind sehr traurig und um das Tier besorgt.
Es habe „keine Meinungsverschiedenheiten gegeben“, beteuert Amtsgerichtsdirektor Benjamin Lenhart. Angesichts des erlangten Promistatus von „Spezi“ hätten ja auch Erpresserbriefe und Lösegeldforderungen eingehen können, ergänzt Lenhart schmunzelnd. Aber nichts dergleichen sei geschehen. Doch Scherz beiseite, er mache sich wie alle Bediensteten hier ernsthafte Sorgen um den Verbleib des noch jungen Katers mit dem weichen beigefarbigen Fell. Vielleicht sei er versehentlich in irgendeiner Garage oder einem Keller eingesperrt worden, sagt Lenhart. Es wäre daher nett und hilfreich, wenn die Anwohner aus der Umgebung mal nachschauen könnten.

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Auch Wachtmeisterin Anja Brinkmann-Herzog hat sich mit Kollegen schon intensiv auf die Suche gemacht, Nachbarn befragt und die Schule sowie den Kindergarten in der Nähe aufgesucht. Doch es ergaben sich keine Hinweise, auch nicht von der Polizei oder aus dem Starnberger Tierheim. Der neunjährige Maximilian, der gegenüber vom Amtsgericht wohnt, vermisst den zutraulichen Kater ebenfalls und hat nach ihm mit Freunden gefahndet. „Spezi“ habe oft auf der Terrasse oder Couch der Familie gelegen und sei auch gefüttert worden, erzählt die Mutter des Buben.

Das Tier wurde noch am Sonntag, 26. Oktober, gesichtet. Da spazierte der vierbeinige Justiz-Mitarbeiter wie so oft ungerührt über den Rasen an der Hausmeisterwohnung vorbei. An einem Baum auf dem Parkplatz vor dem Gerichtsgebäude haben die Justizwachtmeister schon vorige Woche ein großes Suchplakat mit zwei Fotos des Katers angebracht, in Absprache mit dem Tierbesitzer. Über das Meldeportal Tasso (Telefon 06190/937300) erhoffen sie sich sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung.
Beschrieben wird Milow alias „Spezi“ als besonders neugieriger ehrenamtlicher Mitarbeiter im Amtsgericht, der sehr zutraulich sei und gern in offene Fahrzeuge einsteige. Außer dem Gerichtsgebäude bevorzuge die Justizkatze in der Umgebung die Grund- und Mittelschule mit der Nachbarschaft und den Friedhof an der Hanfelder Straße und Otto-Gaßner-Straße, wo der abtrünnige Kater zuletzt am 26. Oktober abends gesehen worden ist. Sollte aber „Spezi“ zu seiner Justizfamilie zurückkehren, wartet auf ihn schon stapelweise aufbewahrtes Futter im Schrank der Pförtnerloge.

